Automobile: Hersteller wollen mit Solarpanels den Spritdurst senken

Automobile: Hersteller wollen mit Solarpanels den Spritdurst senken

von Matthias Streit

Solardächer auf Autos sollen die CO2-Bilanz aufpolieren. Doch wie viel sie tatsächlich bringen, lässt sich kaum nachweisen.

Autos mit Strom aus Solarpanelen auf der Karosserie anzutreiben, ist ein Konzept für die Zukunft. Noch schafft es keine Photovoltaikplatte, ein Auto ausreichend mit Strom zu versorgen, um damit weite Strecken zurückzulegen. Trotzdem glaubt der Autozulieferer Webasto an einen Erfolg der Sonnenenergie in der Autobranche: Dafür hat er jetzt ein Solarpanel entwickelt, das sich auf alle herkömmlichen Autodächer montieren lässt.

Bei Sonnenschein produziert es Strom, den es anschließend in die Batterie des Autos einspeist. Von da aus geht der Strom in die Lichtmaschine und bedient dessen Energiebedarf. Den würde sonst der Verbrennungsmotor generieren.

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Wie viel Sprit sich damit exakt einsparen lässt, sagt der Hersteller allerdings nicht. Die Menge ist auch von der Größe des Moduls abhängig. Bei Autos mit Hybrid-Antrieb kann die erzeugte Elektrizität sogar direkt für den Antrieb genutzt werden oder eben die Batterie laden.

Leistung noch zu gering für große ReichweitenKonkret besteht das Solardach aus zwei monokristallinen Zellen mit einer Spitzen-Leistung von 154 Watt. Mit einem Wirkungsgrad von rund 20 Prozent macht sie allerdings keine bahnbrechenden Sprünge, sondern liegt im guten Durchschnitt dieser Art der Photovoltaik.

Die Folge: Die Autobranche revolutionieren wird die Technik vorerst nicht. „Die Leistung ist im Vergleich zu der benötigten Antriebsleistung minimal“, sagt Professor Friedbert Pautzke vom Institut für Elektromobilität der Hochschule Bochum. „Bei solch geringen Leistungen der Solardächer ist es eher eine Image-Frage als eine tatsächliche Energieeinsparung. Sie müssten schon das gesamte Fahrzeug mit hochwertigen Solarzellen überziehen, um einen merklichen Effekt zu erzielen.“

Ganz unerheblich ist das Potenzial von Solardächern wie dem nun vorgestellten allerdings auch nicht. Bereits 2008 rechnete der mittlerweile insolvente Hersteller Systaic vor, dass sich auf 100 Kilometer bis zu 0,5 Liter sparen lassen. Laut ADAC fuhren die Deutschen im Jahr 2011 im Schnitt 14.200 Kilometer. Das entspräche pro Fahrer immerhin 72,5 Liter Benzin, die rein theoretisch pro Jahr weniger verbraucht würden.

Da das Modul in kleinen Ausführungen nur knapp einen halben Quadratmeter an Fläche benötigt, passt es praktisch auf jeden Neuwagen. So kommt die Technik bereits seit 2010 beim Carsharing im Smart zum Einsatz.

Die Autoindustrie braucht Öko-Innovationen dringendDas Solardach fügt sich in einen größeren Trend von im Fachsprech "Öko-Innovationen" genannten Entwicklungen. Sie sollen den CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen senken. Und genau diese wird die Autobranche künftig dringend brauchen. Denn schon ab 2020 müssen alle neuen Autos laut EU-Verordnung durchschnittlich  95 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer ausstoßen. Aktuell liegt der Mittelwert noch bei 150 Gramm CO2 pro Kilometer.

Allein Webastos Innovation sorgt laut Hersteller für 2,6 Gramm Erleichterung bei Otto-Motoren beziehungsweise 1,8 Gramm bei Dieselfahrzeugen. Allerdings sind die Werte nur geschätzt.

Um künftig also wirklich einen Unterschied zu machen, müsste tatsächlich, wie der Autoforscher Pautzke sagt, die ganze Außenhaut des Autos mit Solarpanels bezogen werden - oder ihr Wirkungsgrad müsste deutlich steigen.

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