Bau von Solarparks: Wie Drohnen und Roboter die Kosten senken

Bau von Solarparks: Wie Drohnen und Roboter die Kosten senken

von Wolfgang Kempkens

Lange fertigte das bayerische Unternehmen Krinner nur Christbaumständer – jetzt revolutioniert es den Bau von Solarparks.

Sanft brummend fliegt die Drohne über das Gelände. Nach 800 Metern beschreibt sie einen Bogen und kehrt, ein wenig versetzt, zurück. Nach weiteren 800 Metern schwenkt sie erneut um 180 Grad, bis sie das 1200 Meter breite Gelände komplett gescannt hat. Das Ergebnis der Bemühungen ist ein Höhenprofil des Areals, Basis für den Bau eines großen Solarparks.

Dessen Module sollen nicht wie üblich auf Betonklötzen errichtet werden, sondern auf neuartigen Schraubfundamenten, die deutlich billiger sind und sich viel schneller installieren lassen.

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Millimetergenaue Vorarbeit

Die Drohnendaten fließen in einen Rechner, der in einem Kastenwagen untergebracht ist. Zwischenzeitlich haben Mitarbeiter des auf Fundamentierungen spezialisierten Unternehmens Krinner Schraubfundamente aus Straßkirchen bei Straubing (das Unternehmen macht aktuell 70 Millionen Euro Umsatz und hat den Christbaumständer mit "Rundum-Einseil-Technik" erfunden) am Rande des Geländes einen Sender aufgestellt, DGPS genannt, der sich nahtlos in die Phalanx der GPS-Satelliten einreiht. Der DGPS-Sender wird millimetergenau vermessen.

Gemeinsam mit seinem Pendants im All sorgt er dafür, dass automatisierte Bohrer auf dem Gelände des künftigen Solarparks mit einer Genauigkeit von wenigen Millimetern navigieren können. GPS allein schafft allenfalls ein paar Meter.

Diese akribischen und ungewöhnlichen Vorbereitungen sind nicht die einzige Besonderheit, die die Niederbayern zu bieten haben. Krinner setzt auf verzinkte stählerne Schrauben, um alle Arten von Fundamenten zu errichten.

Der GPS-gesteuerte Roboter dreht sie ins Erdreich. „Eigentlich könnte er völlig autonom arbeiten“, sagt Thomas Huber, Leiter der Krinner-Abteilung Engineering. „Der Fahrer sitzt nur aus rechtlichen Gründen im Cockpit.“

15 bis 20 Prozent Einsparungen

200 bis 250 Fundamente dreht der Roboter täglich in den Boden. In der Höhe weichen sie allenfalls fünf Millimeter vom Soll ab, horizontal sind es nicht mehr als acht Millimeter. Sobald die Schrauben in der Erde stehen, können die Montagetrupps mit der Befestigung der Solarmodule beginnen.

Die Hightech-Bauweise ist 15 bis 20 Prozent billiger als herkömmlich errichtete Betonfundamente, sagt Huber. Deren Bau dauert je nach Untergrund ungleich länger, weil zunächst Bodenarbeiten nötig sind. Anschließend wird Beton in die Gräben gegossen. Erst nach dem Aushärten können die Montagearbeiten beginnen. Ein weiterer Vorteil der Schraubfundamente: Der Boden wird nicht versiegelt, Regenwasser kann auf der Wiese unter den Modulen versickern.

Selbst von steinigem Untergrund lassen sich die Roboter nicht irritieren, es sei denn, die Brocken im Untergrund sind deutlich größer als eine Faust. Dann rammen sie eine Art Nagel in den Boden, der Platz für die Schrauben schafft. Felsiger Untergrund muss angebohrt werden, ehe die Fundamente eingebracht werden.

Platz für Tiere?

Bisher hat Krinner Fundamente für Solarparks mit einer Leistung von insgesamt 1500 Megawatt gebaut. Mit seinen Gründungen „könnte man unter den Modulen sogar Schafe oder Ziegen weiden lassen“, sagt Huber. Dann müssten allerdings frei liegende Kabel ummantelt werden, weil die Tiere sie anfressen.

Das hat Klaus Krinner, der Chef des Unternehmens, in seinem privaten Solarpark selbst erlebt. Weil der Verbissschutz, nachträglich installiert, zu teuer geworden wäre, hat er den Tieren kurzentschlossen die Rote Karte gezeigt und sie aus dem Solarpark verbannt.

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