Baukunst in New York: Architekten planen Turm aus Kompost und Pilzen

Baukunst in New York: Architekten planen Turm aus Kompost und Pilzen

von Nora Marie Zaremba

New Yorker Architekten wollen einen Turm komplett aus organischem Material bauen. In diesem Sommer soll er stehen.

New York soll demnächst eine weitere Attraktion bieten: Einen Turm, der "miteinander spielenden Seeschwämmen" nachempfunden ist. So verrückt wie das klingt, soll das Architektur-Projekt mit dem Namen „Hy-Fi“ auch aussehen, wenn es diesen Sommer fertig ist.

Gebaut wird das Turmkonstrukt von dem New Yorker Büro „The Living". Gemäß dem Firmennamen setzen die jungen Architekten auf lebendiges Material: Die Türme werden komplett aus Kompost und Pilzen bestehen.

Anzeige

„Hy-Fi“ ist der diesjährige Gewinner des Young Architects Program des Museum of Modern Art (MOMA). Der Preis wurde zum 15. Mal vergeben und zeichnet Projekte aus, die unter anderem auch ökologische Aspekte wie nachhaltiges Material, wenig Müll und geringen Energieaufwand einbeziehen.

100 Prozent organischVon „Hy-Fi“ hat sich die Jury überzeugen lassen, „weil es aus dem gebaut ist, was die Erde zur Verfügung stellt und dahin auch wieder zurück kann“. Das Material werde aus regionalen Produkten gewonnen und ermögliche einen Austausch zwischen Kultur und Landwirtschaft, so die Jury weiter. Eine tolle Vorstellung: Vielleicht kommen die Rohstoffe für den Turm dann gleich vom Urban-Gardening-Projekt nebenan.

Der Gewinner „The Living“ holt sich für den organischen Turmbau Hilfe bei einer Firma, die sich mit nachhaltigem Material bestens auskennt: Das US-amerikanische Startup Ecovative stellt mittlerweile vieles aus Pilzen her - Verpackungen, Surfbretter oder auch Minihäuser.

Wie das funktioniert: Aus landwirtschaftlichen Abfällen wie Maisstängeln wird ein Pilzschaum produziert, der in verschiedenen Formen trocknen kann. Der Pilz-Baustoff bietet eine nachhaltige und zuverlässige Alternative zu Styropor und Plastik. Mit dem Turmbau gestaltet Ecovative nun das erste Mal auch ein Kunstprojekt mit.

Für den Turm „Hy-Fi“ wird das Gemisch aus Pilz- und Kompostmasse extra in Backstein-Formen gegossen und getrocknet. Dann wird Pilzstein auf Pilzstein gestapelt. Wie Schornsteine sind die Türme innen hohl, werden zum Ende hin etwas schmaler und sind oben offen.

Spiegel-Folie sorgt für LichteffekteIhre Enden überziehen die Künstler mit einer speziellen Spiegel-Folie, die das Licht reflektiert und so im Inneren für schöne Lichteffekte sorgt. Die Folie sei bleifrei und obendrein auch leichter und kostengünstiger als Spiegel, wirbt der Hersteller der Folie, die US-amerikanische Firma 3M.

Nach Angaben von „The Living“ werden die Türme von außen leicht porös wirken - wie getrocknete Schwämme eben. Genau diese Beschaffenheit soll die Luftzufuhr möglich machen. So herrscht in der begehbaren Halle unter den Türmen an heißen Tagen eine angenehm kühle Temperatur.

Die Türme werden einen Sommer lang den Innenhof der PS1-Galerie des MOMA im Stadtteil Queens gestalten. In der Halle soll es Kunst-Veranstaltungen geben oder die Gäste können sich einfach im Schatten erholen und die Türme über ihren Köpfen bestaunen. Es bleibt zu hoffen, dass „Hy-Fi" mit der New Yorker Hitze besser klar kommt als man das von Kompost-Haufen sonst so gewohnt ist. Um die macht man im Hochsommer nämlich gerne einen großen Bogen.

Nach der Saison wird der Turm dann komplett recycelt und die Spiegel-Folie wird an ihren Hersteller zurückgehen. Wie hoch die Türme werden, steht derzeit noch nicht fest.

Aber auch wenn das Projekt wieder verschwunden ist, könnte von ihm etwas bleiben. Denn im besten Fall sind die Architekten von "The Living" Vorreiter für den neuen Pilzbaustoff und die Architektur hat bald ein weiteres interessantes Material mehr zur Verfügung.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%