Bio-Fruchtsaft: Zwei Deutsche kämpfen in Kolumbien gegen Limonade

Bio-Fruchtsaft: Zwei Deutsche kämpfen in Kolumbien gegen Limonade

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Mitgründer Konstantin Jessen bei einer D’Cada-Verkostung auf dem "Grünen Markt" in Medellín. (Bilder: Dietz)

Mit "D’Cada" wirbeln die Hamburger Brüder Henrik und Konstantin Jessen einen Markt auf, den bisher zuckrige Limonaden dominieren.

Ihre ersten Gehversuche auf dem Weg zum nachhaltigen Getränke-Start-up unternahmen Henrik und Konstantin Jessen in ihrer kolumbianischen WG-Küche. Ein paar Mangos zermatschen, aufkochen und pasteurisieren, an Freunden testen. "Ich habe heute noch vor Augen, wie sich ihre Gesichter verziehen", sagt Konstantin Jessen.

Das war Ende 2013. Wenn Jessen heute den goldgelben Bio-Saft "D’cada" verkostet, etwa auf dem monatlichen "Grünen Markt" von Medellín, verziehen sich keine Gesichter. Ein Besucher nimmt einen Schluck, wiegt ihn wie Wein im Mund hin und her, bevor er das erlösende Urteil verkündet: "Está rico" – "ist lecker". Dann kommen die Fragen: Woher stammen die Früchte? Ist da Zucker drin? Und wie funktioniert das mit dem Flaschenpfand?

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Henrik Jessen kam vor drei Jahren erst als Praktikant, dann als Student in Kolumbiens zweitgrößte Stadt Medellín. Fast alles faszinierte ihn: Die hilfsbereiten Menschen, das ganzjährig frühlingsgleiche Wetter, die lateinamerikanische Musik – "nur ein richtig cooles Getränk, das gab es nicht. Obwohl man bei dem Wetter ständig Lust auf etwas Erfrischendes hat." Kolumbien ist zudem für seine Früchtevielfalt berühmt. In Städten wie Medellín preisen an jeder Ecke Straßenverkäufer frische Mangos, Ananas oder Wassermelonen für wenig Geld an.

Coca Cola dominiert

Nur in die Supermarktregale schaffen es die frischen Früchtchen bisher nicht. Dominiert wird der kolumbianische Getränkemarkt bis heute von Herstellern zuckerhaltiger Brausen wie Coca Cola oder dem nationalen Champion Postobón, dessen Marktanteil bei nichtalkoholischen Getränken allein bei etwa 50 Prozent liegt. Also beschloss Henrik Jessen, der schon lange mit einem eigenen Unternehmen geliebäugelt hatte, die gesunde Erfrischung selbst nach Kolumbien zu bringen.  

Mitnehmen, genießen, zurückbringen, Pfand kassieren: Um das Pfandsystem zu erklären, haben alle D’Cada-Flaschen dieses Schaubild auf dem Etikett.

Mitnehmen, genießen, zurückbringen, Pfand kassieren: Um das Pfandsystem zu erklären, haben alle D’Cada-Flaschen dieses Schaubild auf dem Etikett. (Zum Vergrößern klicken.)

Jessen wollte ein biologisch zertifiziertes Getränk, hergestellt aus regionalen Zutaten, und holte seinen jüngeren Bruder und BWL-Studenten Konstantin ins Boot. Nach den Küchenexperimenten und dem Entwurf des Businessplans kam die erste Investition aus Deutschland – ab dann wurde die Sache ernst. Anfang 2014 gründeten sie ihr Start-up, tauften es Prost, weil Prost auf Spanisch "Salud" und damit gleichzeitig Gesundheit heißt, und feilten fleißig am Markteintritt.

Der Weg zur ersten Abfüllung war dann holpriger als erwartet. Es fing bei der Beschaffung der Zutaten an: Lange Zeit wurden in Kolumbien überhaupt keine organischen Maracujas angebaut, bis im Oktober 2015 ein erster Anbieter in den Markt eintrat. Auch die Sache mit dem Pfandsystem hatten sich die Jessen-Brüder leichter vorgestellt. "In Kolumbien hat uns jeder davon abgeraten. Das sei eine andere Welt, sagten sie", erinnert sich Henrik Jessen. Doch die Brüder bestanden auf den Pfand, auch wenn bereits die Suche nach geeigneten Flaschenkisten ein halbes Jahr kostete.

Interesse auch in Bogota

Seit im vergangenen März die ersten 14.000 D’Cada Flaschen vom Band liefen, hat sich der Arbeitsalltag der Jessens komplett gewandelt: Etwa sechsmal pro Woche verkosten sie ihre Mango-Maracuja-Mischung und stecken die restliche Energie in die Neukundengewinnung. 80 Abnehmer haben sie zurzeit in Medellín, vorwiegend vegetarische Restaurants und kleine Bio-Supermärkte. Bis Ende des Jahres sollen es mindestens 100 sein. Für 2017 planen sie den Verkaufsstart in der Hauptstadt Bogotá und anderen Großstädten. Längerfristig soll es D’Cada auch in anderen Ländern und in weiteren Geschmacksrichtungen geben.

Die Chancen scheinen vielversprechend: In kosmopolitischen Vierteln wie Laureles oder El Poblado werben Restaurants mit organischen und vegetarischen Gerichten. Auch kleine Biomärkte sind längst keine Seltenheit mehr. Die Mittelschicht wächst und interessiert sich für gesunde Ernährung, bereit, auch den vergleichsweise hohen Preis von umgerechnet etwa zwei Euro pro Flasche zu zahlen. Und auch das Pfandsystem funktioniert trotz aller Warnungen – etwa zwei Drittel der Flaschen kommen wieder bei Henrik und Konstantin Jessen an.

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