Biosprit aus Salzpflanzen: Gibt es bald wirklich grünen Treibstoff?

Biosprit aus Salzpflanzen: Gibt es bald wirklich grünen Treibstoff?

von Benjamin Reuter

In Abu Dhabi entsteht eine Farm, auf der Salzpflanzen für Biotreibstoffe wachsen – nebenbei wird noch Fisch gezüchtet.

Alternative Treibstoffe aus Pflanzen sind unter Umweltschützern als wenig nachhaltig verschrien. Und das durchaus zurecht: Denn wo die Pflanzen zur Treibstoffproduktion wachsen (zum Beispiel Mais) fehlt Fläche, um Nahrungsmittel anzubauen. Im Extremfall werden für die Spritlieferanten sogar Regenwälder gerodet. Hinzu kommt der Energieverbrauch, um die Pflanzen mit Erntemaschinen einzusammeln und massenweise Dünger, um sie aufzuziehen.

Eine Möglichkeit, um Biosprit umweltverträglicher zu machen, ist seit kurzer Zeit in der Erprobung: Indem Unternehmen Pflanzenabfälle (zum Beispiel die Blätter der Maispflanzen) in Treibstoff umwandeln, umgehen sie viele der oben genannten Probleme. Das passiert zum Beispiel in ersten Werken in den USA, Brasilien und Europa.

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Kerosinproduktion soll von Fischzucht profitierenEine weitere Möglichkeit ist, Pflanzen zu nutzen, die auf kargen und trockenen Böden wachsen, wo ansonsten keine Nahrungsmittelproduktion möglich ist. Genau das will jetzt ein Unternehmenskonsortium im Golfstaat Abu Dhabi versuchen. Mit von der Partie sind der US-Flugzeugbauer Boeing, die Fluglinie Etihad Airways und das Masdar Institut, ein Forschungsinstitut aus Abu Dhabi. Neuerdings gehört auch der US-Technikriese General Electric dem Konsortium an.

Über die Pläne der Unternehmen berichteten wir bei WiWo Green schon im vergangenen Jahr. Nun nimmt das Projekt aber konkrete Formen an.

Die Idee dabei: Pflanzen, die auch auf trockenen Böden wachsen können und die mit Salzwasser auskommen (sogenannte Halophyten), sollen den Rohstoff für die Biospritproduktion liefern.

Der Vorteil: Für den Anbau gehen keine Ackerflächen und kostbares Trinkwasser verloren. Auf einer kleinen Fläche von 200 mal 100 Metern soll nun eine erste Pilotfarm für die Halophyten entstehen. Das Ziel: Unterschiedliche Pflanzen zu testen und die ertragsreichsten auszuwählen.

Solarstrom treibt Pumpen anAber in Abu Dhabi wird es nicht bei den Feldern bleiben. Meerwasser soll in einem ersten Schritt in sechs Fischbecken fließen, wo Shrimps und Fische gezüchtet werden. Das Wasser kommt dann in einem zweiten Schritt auf acht Felder. Mit dem Kot der Fische vermengt, enthält es sogar Dünger. Von den Feldern fließt das Wasser ins Meer zurück, wo es an der Küste gepflanzte Mangroven reinigen.

Solarenergie wird die Pumpen antreiben, die das Wasser vom Meer zu den Teichen, den Feldern und zurück ins Meer leiten.

Das Projekt wirkt auf den ersten Blick so, als könnte es das Dilemma der Biotreibstoffe – die bisher als umweltschädlich wahrgenommen werden – tatsächlich lösen.

Doch eine entscheidende Frage bleibt: Liefern die Pflanzen genug Biomasse, um die benötigte Menge an Sprit zu produzieren? Bei den Salzpflanzen handelt es sich nämlich um vergleichsweise kleine Büsche. Die kultivierte Landfläche müsste also riesig sein, um signifikante Mengen an Treibstoff zu produzieren – doch an Platz mangelt es in den Trockenregionen der Golfstaaten und der Nachbarländer nicht.

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