Biotreibstoff: Erster europäischer Algensprit kommt aus Italien

Biotreibstoff: Erster europäischer Algensprit kommt aus Italien

von Wolfgang Kempkens

In Modena entsteht die erste Pilotanlage in der EU, die Algensprit produziert. Der kommerzielle Ausbau soll bald folgen.

In kaum einem Land wird Algenforschung so intensiv betrieben wie in Deutschland. Trotzdem wird Biodiesel hier zu Lande noch immer aus heimischem Raps- und importiertem Palmöl hergestellt, also aus Rohstoffen, die auch als Nahrungs- und Futtermittel dienen. Andere Länder sind schon fortschrittlicher. Sie setzen auf Algen, die Öl produzieren, das sich ebenso gut wie Raps- oder Palmöl zur Herstellung von Biodiesel eignet.

Die Ergiebigkeit der Wasserpflanzen pro Flächeneinheit ist im Vergleich mit herkömmlichem Grünzeug bis zu 16 Mal höher. Außerdem brauchen Algen keinen wertvollen Ackerboden. Sie lassen sich auf jedem Untergrund züchten, selbst dem steinigsten. Öl macht rund 50 Prozent ihres Gewichts aus.

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In Brasilien, Australien und den USA laufen bereits Anlagen, in denen Algensprit erzeugt wird. Kürzlich kam die erste europäische Produktionsstätte im italienischen Modena hinzu, die mit der Zeit zu einer kommerziellen Anlage ausgebaut werden soll.

Betreiber ist das italienisch-russische Unternehmen Teregroup. In der Demonstrationsanlage wachsen die Algen in endlos lang erscheinenden gläsernen Rohren. Dafür benötigen sie im wesentlichen nur Sonnenlicht und Kohlendioxid, dazu noch kleine Mengen an anderen Nährstoffen.

Ertrag verdoppeltDas Besondere an dem italienischen Prozess beschreibt der Teregroup-Projektleiter Michael Magri gegenüber der Tageszeitung Il Sole 24 Ore so: "Im Vergleich mit den bisher getesteten Verfahren produzieren wir dank spezieller Algen und unserer Verarbeitung rund doppelt so viel Öl." Das Verfahren hat Magri in den vergangenen drei Jahren zusammen mit Experten der Universität Modena entwickelt. Die Pilotanlage soll eine Größe von rund 100 Quadratmetern haben.

Nach der Ernte kommen die Algen in die Presse. Je nach verwendeter Art enthält das Öl zusätzlich hochpreisige Wertstoffe wie Omega-3-Fettsäuren, die Nahrungsmittelhersteller als Zusatzstoffe einkaufen. Das verbessert die ökonomische Bilanz des Verfahrens. Das übrige Öl wird mit Methanol versetzt, also verestert, wie es in der Fachsprache heißt.

Dabei wird wiederum Glycerin abgetrennt, das von der Pharma- und Kosmetikindustrie benötigt wird. Im Öl hat es allerdings die ärgerliche Eigenschaft, fest zu werden, sobald der erste Frost einsetzt. Daher ist Pflanzenöl nicht ohne weiteres als Dieselersatz zu gebrauchen. In veresterter Form schon, vor allem wenn es mit dem Stabilisator Baynox versetzt ist, den der Kölner Chemiekonzern Lanxess entwickelt hat.

Das Präparat verhindert die Bildung von Säuren und Feststoffpartikeln, die den Motor schädigen können. Die Pressrückstände in Modena können Landwirte als Tierfutter und Dünger verwenden. Wie viel der Liter Algensprit aus Italien künftig kostet, steht noch nicht fest. Allerdings fuhren Dieselfahrzeuge mit 20 Prozent Anteil Algensprit im Treibstoff bei Tests ohne Probleme, sagt Margi.

EU-Pläne unterstützen AlgenspritDie Kosten einer ersten industriellen Anlage schätzt Magri auf rund acht Millionen Euro. Auf einer Größe von zwei Hektar würden die Algen dort in einzelnen Tanks mit einem Fassungsvermögen von insgesamt drei Millionen Liter Wasser wachsen.

Theoretisch haben Biotreibstoffe aus Algen großes Potenzial. Das US-Energieministerium hat ausgerechnet, dass Algenzuchtstationen auf einer Fläche von knapp 40.000 Quadratkilometer ausreichen würden, um die USA komplett mit Treibstoff zu versorgen. Zum Vergleich: Hessen ist gut halb so groß.

Ein Problem aber haben alle Algensprit-Startups bisher nicht überwinden können: Noch ist ihr Sprit zu teuer.

Bei diesem Punkt könnte die Politik jetzt aber helfen. Das Europäische Parlament will dafür sorgen, dass bis 2020 mineralischem Diesel sechs Prozent Biodiesel beigemischt wird, eine Quote, die in Deutschland schon nahezu erreicht ist.

Gut ein Drittel davon sollen aber Biotreibstoffe der zweiten Generation sein, also aus Rohstoffen hergestellt werden, die weder als Nahrungs- noch als Futtermittel genutzt werden können. Da haben Algen gute Chancen.

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