BMW, Daimler, VW auf der IAA: Spätzünder im Angriffsmodus

BMW, Daimler, VW auf der IAA: Spätzünder im Angriffsmodus

von Jürgen Klöckner

Auf der Automesse IAA feiern deutsche Autobauer Elektro-Party. Doch die Konkurrenz fährt bereits davon. Können BMW & Co. noch aufholen?

Wenn BMW-Chef Norbert Reithofer euphorisch wird, klingt das abgelesen und einstudiert. Doch das ändert nichts daran, dass er sich seiner Sache immer sicher ist. Wie auf der Premierenshow auf der Automesse IAA, die heute eröffnet wird. „So ein Fahrzeug hat es bei BMW noch nie gegeben. Ein Sportwagen einer neuen Generation", sagte er auf einer riesigen Bühne. Gemeint war das neue Elektro-Modell i8.

Eins will er, stellvertretend für die deutsche Autoindustrie, nicht mehr hören: Dass man die E-Mobilität verschlafe. Alle Zweifel sollen die pompösen Shows und Weltpremieren vom Tisch fegen.

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BMW feiert in Frankfurt seine eigene Inthronisierung als Innovationsführer der Branche. Mit dem i3 und i8 glauben die Bayern, das erste in Großserie gefertigte "echte" Elektroauto auf den Markt zu bringen. Volkswagen möchte „elektrisieren“, mit dem e-up und e-Golf die ersten Stromer für „die breite Bevölkerung“ bauen. Und Mercedes verpasst seiner S-Klasse einen Plug-In Hybrid.

Man könnte das alles als riesige, deutsche Elektro-Party begreifen, neben der die ausländische Konkurrenz völlig verblasst. Die Wahrheit sieht aber anders aus.

Ein stummer Zeuge der deutschen Megashow ist etwa der französische Autobauer Renault. Vier reine E-Modelle fahren bereits mit dem Logo des Konzerns auf den Straßen. Von BMW, dem Volkswagen-Konzern und Mercedes noch keins.

Ein stummer Zeuge ist auch das Modell Leaf des japanischen Autobauers Nissan. Es sieht nicht spektakulär aus, ist aber das erste in Großserie gefertigte Elektroauto der Welt - nicht die i-Autos von BMW. Nebenbei ist es auch das am meisten verkaufte reine Elektroauto der Welt. 75.000 hat Nissan bereits verkauft. BMW, der Volkswagen-Konzern und Mercedes noch keins.

Die Konkurrenz fährt davon, während BMW & Co. erst in den Startlöchern stecken. Die Shows sind deswegen so pompös, die Weltpremieren deshalb so zahlreich, weil man jahrelange Rückstände auf einer einzigen Messe aufholen musste. Die spannende Frage ist nun, wie das gelingen soll.

Riskante WetteFür 2013 und 2014 haben die deutschen Autobauer 16 neue E-Autos angekündigt. Mercedes und Audi setzen auf Plug-In Hybride, ihnen sind reine Stromer zu teuer. Für dieses Segment zeigten auf der IAA nur BMW und VW neue Modelle. Die Wolfsburger bauten einfach den Golf und den Kleinwagen Up zum Stromer um, die Bayern konstruierten gleich zwei neue Autos.#i8 und #i3 machen #bmw auf der #iaa zum gespräch nr. 1 pic.twitter.com/NtkMVOnQPP

— Jürgen Klöckner (@herrkloeckner) September 10, 2013Milliarden haben sie investiert, glauben Experten, und die ganze Branche schaut jetzt nach München. Die Elektroserie entscheidet über Glanz und Gloria der Bayern. Was der Verbrennungsmotor für Daimler ist, für Toyota der Hybrid, soll der Elektromotor für BMW werden, so die Wette. Doch die ist, das wissen auch die Bayern, riskant.

Der E-Markt ist nach wie vor schwierig. Stromer stecken noch in der Nische, besonders hierzulande. Die Deutschen lieben ihre Autobahn, doch für die ist ein reines Elektroauto noch nicht gemacht. Hier versagt die Batterie zu schnell. Und Hybride sind in der Anschaffung noch recht teuer. Nur etwa 10.000 E-Autos sind in Deutschland zugelassen. Doch so düster sieht es nicht überall auf der Welt aus. In den USA wurden alleine in den vergangenen 12 Monaten schon 77.000 E-Autos angemeldet. Und Norwegen hat sich zum größten Elektroautomarkt Europas entwickelt, weil dort die Autos vom Staat begünstigt werden und Ladestationen verbreiteter sind.

Die PreisfrageDer Preis scheint der größte Bremsklotz der E-Autos zu sein. Der e-Golf von Volkswagen soll etwa 35.000 Euro kosten, also etwa das Doppelte der normalen Version. Und ein geringerer Preis kommt bei Volkswagen erstmal nicht in Frage: Die Marge, heißt es aus Konzernkreisen, sei so dünn, dass es erstmal keinen Spielraum gäbe.

Umso überraschender war der Coup, den Opel gleich zu Beginn der IAA landete: Das Elektroauto mit Range-Extender Ampera wird es künftig für 38.300 statt 46.000 Euro geben. Ein Senkung von fast 20 Prozent in einem Hochpreissegment, das ist ein kleiner Husarenstreich und könnte dem Hersteller einen entscheidenden Vorteil im Rennen mit den Konkurrenten liefern. Die Strategen bei Opel wissen, dass die Zahlungsbereitschaft für E-Autos eher sinkt.

Vor zwei Jahren lehnten laut ADAC ein Viertel der Deutschen den Aufschlag ab, nun sind es schon 44 Prozent. Es ist eben schwer zu vermitteln, dass man für weniger (Reichweite, Komfort, ...) mehr zahlen soll. Günstigere Kleinstwagen wie VWs e-Up haben im Wettbewerb deswegen tendenziell bessere Karten - hier müssen sich die Wolfsburger gegen Renault, Peugeot und Citroen durchsetzen, können aber als drittgrößter Autokonzern der Welt auf eine ungemein größere Vertriebsstruktur zurückgreifen.

Vorbild AppleBMW geht andere Wege. Wer so viel für ein E-Auto zahlt, soll dafür auch ein einzigartiges Auto bekommen, so das Angebot an die Kunden. Konzern-Chef Reithofer spricht davon, dass man sich ein Vorbild am IT-Riesen Apple genommen habe - wer einen "i" fahre, solle sich in uniformen Blechlawinen einzigartig fühlen, so das Versprechen. Seit Beginn rattert hinter dem "i"-Projekt eine riesige Marketingmaschine, die rund um die IAA und in den kommenden Wochen vor dem Start des i3 nochmal gehörig aufdrehen wird. Geht der Plan auf, wird BMW zum ersten elektrifizierten Premiumhersteller (von Tesla abgesehen) - und würde sich so einen gehörigen Marktvorteil gegenüber dem Konkurrenten Daimler verschaffen.Plugin-Hybrid von #Daimler. Damit verbraucht die #S-Klasse 3 Liter / 100km mit über 400 ps. #IAA pic.twitter.com/wifTfFxdCW

— Jürgen Klöckner (@herrkloeckner) September 10, 2013 

Die Stuttgarter schauen sich das Schauspiel derweil lieber von außen an. Sie fremdeln noch etwas mit den Stromern. Zwar gibt es einen Elektro-Smart im Sortiment, einen superteuren Sportwagen mit E-Antrieb und die S-Klasse Hybrid. Doch für die Marke mit dem Stern geht es in eine ganz andere Richtung: Statt Maßstäbe mit Akkus zu setzen, baut man lieber selbstfahrende Fahrzeuge.

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