Brunnentechnik: Solarpumpe aus Österreich soll Wasserknappheit lindern

Brunnentechnik: Solarpumpe aus Österreich soll Wasserknappheit lindern

von Caspar Schlenk

800 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Ein Brunnenbauer will das ändern.

Die Welt retten wie aus dem Lehrbuch – bei Dietmar Stuck ist das tatsächlich der Fall. Denn seiner Geschichte ist ein Kapitel im Managementbuch „Von der Geschäftsidee zum Markterfolg“ gewidmet. Anhand seines Falls sollen die Studenten diskutieren, ob Gutes tun und wirtschaftlicher Erfolg zusammenpassen.

Stuck, ein Brunnenbaumeister aus St. Veit in Österreich, erkannte bei einem Urlaub mit der Familie in Afrika, dass viele der Brunnen in einem schlechten Zustand waren.

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800 Millionen Menschen fehlt Zugang zu sauberem WasserNach seinem Urlaub entwickelte Stuck eine Solarpumpe, speziell für die Bedingungen in Afrika. Sein Modell ist ohne Hilfe von Fachleuten zu bauen und günstig zu betreiben (Details zur Pumpe gibt es hier als PDF). Es verfügt außerdem über eine zusätzliche Handpumpe, damit die Dorfbewohner auch nachts an Wasser kommen.

Das ist ein entscheinder Vorteil gegenüber bisher erhältlichen Solarpumpen. Bei der Auswahl der Materialien habe er besonders darauf geachtet, dass die Pumpen nicht gewartet werden müssten, sagt Stuck. Außerdem schafft es die Pumpe, Wasser aus über 100 Metern Tiefe zu fördern, was viele andere Modelle laut Stuck nicht können.

Seit 2012 versorgt ein erster Prototyp seiner Pumpe ein entlegenes Dorf in Mosambik mit bis zu 5.000 Liter Wasser pro Tag. Doch Stuck reicht das nicht. 800 Millionen Menschen haben laut UN weltweit keinen Zugang zu sauberem Wasser, 10.000 Menschen sterben täglich an den Folgen.

Das möchte der Brunnenentwickler mit der Internetplattform www.pumpmakers.com ändern. Er habe oft erlebt, dass die Menschen zwar Zugang zum Internet, aber kein sauberes Trinkwasser hätten, erzählt Stuck. Über seine Plattform will er die Menschen anleiten, sich ihre Pumpen selber zu bauen.

Detaillierte Baupläne und Videos sollen kostenlos auf seiner Plattform stehen. Material, das es vor Ort nicht gibt, können Interessierte über den Webshop bestellen. Geht alles nach Plan, sprudelt nach etwa fünf Tagen Bauzeit das Wasser. Wie hoch die Herstellungskosten am Ende seien, hänge aber stark von dem Land ab, sagt Stuck.

Pumpenbauer treffen auf SpenderAber auch bei Fragen der Finanzierung will Stuck die Menschen nicht alleine lassen: Über seine Plattform können sie mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und anderen Geldgebern in Kontakt kommen. Ist die Pumpe erst einmal gebaut, läuft sie ohne weitere Betriebskosten. In ihrer größten Version soll die Pumpe 18.000 Liter pro Tag fördern. Eine Menge, die bis zu 1.000 Menschen einen Zugang zu Wasser bietet.

Für seine Vision sucht Stuck jetzt nach Unterstützern: Über die Crowfunding-Seite Gofundme will der Pumpenbauer 75.000 US-Dollar für sein Projekt einsammeln. „Mit einem Klick kann man die globale Wassernot mindern“, schreibt er auf seiner Homepage.

Die Aufgabe für die Studenten am Ende der Fallstudie von Stucks Projekt im Management-Lehrbuch lautet: „Ist der Markt attraktiv?“ Die Nachfrage für seine Technik ist auf jeden Fall vorhanden.

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