China: Apple drängt auf umweltfreundlichere Produktion

China: Apple drängt auf umweltfreundlichere Produktion

von Benjamin Reuter

Apple betreibt mittlerweile fast alle seiner Geschäfte und Datenzentren mit Grünstrom. Jetzt sollen die Zulieferer folgen.

Der Technik-Riese Apple bemüht sich schon seit einiger Zeit darum, die Umweltbelastung durch seine Produkte und IT-Dienste auf ein Minimum zu senken (wir haben an dieser und an dieser Stelle berichtet).

So werden inzwischen ein Großteil der Apple-Läden weltweit und alle Datenzentren, Büros und sogar manche Fabriken in den USA mit Grünstrom betrieben. Dafür nutzt das Unternehmen eigene Solar- und Windfarmen, Erdwärmekraftwerke, Wasserkraft und Brennstoffzellen.

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Schmutzige Fabriken

Wie Lisa Jackson sagt, die bei Apple das Thema Nachhaltigkeit verantwortet, ist das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn der meiste Energieverbrauch fällt bei der Produktion der Geräte an (siehe Grafik links) – und die passiert vornehmlich in Asien. Das Problem teilt Apple mit den allermeisten anderen Großkonzernen.

Die bemühen sich inzwischen zwar redlich und meist mit Erfolg, an ihren Heimatstandorten auf mehr Klima- und Umweltschutz zu achten. Auf die Bedingungen in den Produktionsländern haben sie dagegen bisher kaum Einfluss.

Apple hat sich als zweiten Schritt seiner Nachhaltigkeitsbemühungen nun aber zum Ziel gesetzt, das zu ändern. Im vergangenen Jahr sagte Lisa Jackson im Interview mit WiWo Green: "Wir müssen auf folgende Frage eine Antwort finden: Wie können wir auf den CO2-Ausstoß Einfluss nehmen, den wir gar nicht im eigenen Unternehmen verursachen?"

Langsam zeigt sich, wie diese Antwort aussehen könnte. Zwar steht das Unternehmen "damit noch am Anfang", wie Apple in seinem aktuellen Umweltbericht schreibt. Doch erste Schritte werden gerade gemacht.

So hat Apple jetzt in zwei Solarfarmen in China mit 40 Megawatt Leistung investiert. Für den Analysten Justin Wu des Nachrichtendienstes Bloomberg New Energy sind die Gründe klar: "Viele Technikunternehmen wurden dafür kritisiert, dass sie ihre Verschmutzung ins Ausland auslagern. Apple geht diesen Kritikpunkt nun an." Weiter ist Wu überzeugt: "Das könnte der Startschuss dafür sein, dass die Produktion in China grüner wird."

Tatsächlich versorgt der Strom aus den Solaranlagen, die in einer Provinz im Zentrum des Landes entstehen, keine Fabriken von Apple-Zulieferern, sondern er fließt ins öffentliche Netz und wird mit dem Verbrauch der Apple-Stores in den Großstädten verrechnet.

Programm für sauberes WasserDennoch ist die Investition von Apple ein Zeichen, dass das Unternehmen jetzt mehr Umweltfreundlichkeit in den Märkten und Produktionsstandorten jenseits der USA und Europa schaffen will. Wie Apple genau die Aufgabe lösen will, dass zum Beispiel ein Unternehmen wie Foxconn, das das Gros der iPhones in China fertigt, Grünstrom nutzt, bleibt dabei abzuwarten.

Dass Apple Einfluss auf seine Zulieferer hat, zeigt sich aber jetzt schon am Beispiel Wasser: So hat ein chinesischer Zulieferer für Schaltkreise seine Wasseraufbereitung von 12 auf 61 Prozent gesteigert, nachdem Apple für seine Zulieferer ein "Clean Water Programm" (Programm für sauberes Wasser) aufgesetzt hat. Das setzen Apple-Mitarbeiter zusammen mit den Zulieferern um.

Insgesamt haben in der Pilotphase des Programms 13 Zulieferer mehr als eine Million Liter Wasser gespart. Die Standards, die Apple im Rahmen des Programms aufstellt, müssen alle der größten 200 Zulieferer einhalten.

Deren Kalkül ist einfach: Sie wollen Apple als Kunden nicht verlieren. Und da sowohl Bürger als auch die Regierung in China zunehmend auf den Umweltschutz achten, zahlen sich die Maßnahmen auch für die lokale Unternehmenspolitik aus.

Apple zeigt damit, dass ein Unternehmen durchaus Einfluss auf seine Zulieferer nehmen kann. Bis zu welchem Grad, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

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