Cleantech: Die sieben wichtigsten Trends der nächsten Monate

Cleantech: Die sieben wichtigsten Trends der nächsten Monate

von Markus Okur

Ecosummit: Heizkosten senken, Strom für Entwicklungsländer, grüner Stadtverkehr - mit diesen Ideen wollen Startups angreifen.

Am 4. und 5. Juni 2013 fand in Berlin die fünfte Ecosummit-Konferenz statt und brachte Europas führende Cleantech Start-Ups, Finanzierer und Unternehmen zusammen. Das Motto lautete "Cleantech 2.0 – Smart, Green, Lean". WiWo Green war vor Ort und hat sich die wichtigsten Startups und die entscheidenden Trends der Branche angesehen.

1. Social MediaKeine Frage, ökologisches Handeln ist die Aufgabe jedes Einzelnen. Die meisten Menschen verfügen zwar über ein hohes Umweltbewusstsein, doch an der Umsetzung hapert es noch – sei es aus Alltagsroutinisierung, Bequemlichkeit oder Kostengründen. Einige Start-Ups möchten das ändern und setzen auf die Kraft der sozialen Netzwerke:

Pirika ist eine App für iOS und Android, die jeden dazu anregt, Abfall, der auf der Straße liegt mit einem Smartphone zu fotografieren, über eine App mit seinen Freunden zu teilen und diesen dann zu entsorgen. Was ein wenig skurill erscheint, soll in Japan laut dem Erfinder Fujio Kojima bereits hervorragend funktionieren. Alle Reinigungaktionen werden auf einer Karte übersichtlich visualisiert – bisher existieren bereits 200.000 Einträge. Diese gesammelten Daten (Müllart, Menge, Standort, Zeitpunkt etc.) ließen sich beispielsweise auch von Stadtverwaltungen oder Unternehmen verwenden, um gezielter die Umwelt zu reinigen oder bessere Verpackungen zu entwickeln.

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Ecotastic, ein kleines Start-Up aus Berlin, hat ein Belohnungssystem für umweltgerechtes Verhalten entwickelt. Die Nutzer der Smartphone-App dokumentieren ihre umweltfreundliche Aktion durch ein Photo:  zum Beispiel die Teilnahme an einer Fahrgemeinschaft, die Fahrradfahrt zur Arbeit oder das Verwenden eines wiederverwertbaren Thermobechers für den Coffee-To-Go. Dafür bekommen sie Punkte. Die User stehen dabei im Wettstreit mit ihren Freunden, Arbeitskollegen oder anderen Nutzern der Plattform und können die Punkte schließlich gegen Waren- oder Dienstleistungsgutscheine von ökologischen Partnerunternehmen eintauschen. Die Gamification-Welle hat also auch schon die Green Economy erfasst.

2. Heizkosten senkenFür viele Privathaushalte ist der Weg zur Energiewende steinig. Und obwohl vielen bekannt ist, dass ihre alte Heizung Wärme ineffizient erzeugt und Energie verschwendet, scheuen doch viele den Aufwand eine sparsamere Anlage zu kaufen. heizkosten-senken.de möchte den Aufwand für Information und Kontaktaufnahme beim Kauf einer modernen Heizanlage reduzieren und bringt Hersteller von Heizungen, Installateure, Energieversorger und Brennstofflieferanten unter einen Hut und berät auch zu Fördermitteln.

Die letzten Heizkostenabrechnungen dürften vielen Mietern und Hausbesitzern noch in böser Erinnerung sein. Das Münchner Startup Tado verschafft Abhilfe – mit einem intelligenten Thermostat, das die Heizkosten eines typischen Haushalts um fast 30 Prozent senken soll. Das Gerät mit den Maßen einer kleinen Pralinenschachtel erkennt, wann jemand zu Hause ist und wann nicht und regelt die Heizung entsprechend hoch und herunter. Eine Smartphone-App mit Lokalisierungs-Funktion erkennt, wenn der Bewohner sich seiner Wohnung nähert – und dreht die Heizung auf, damit es bei Ankunft wieder wohlig warm ist. Sogar nahenden Sonnenschein registriert das Gerät, indem es aus dem Internet Daten von Wetterstationen einbezieht. Wird das Wetter besser, regelt Tado direkt die Heizung herab. Nutzer mieten das Gerät für 99 Euro im Jahr – Kosten, die sich auf jeden Fall rentieren, wie Tado verspricht.

3. Elektrischer Lieferverkehr & HubschrauberIn Innenstädten gehören sie schon fast ins Stadtbild: Lieferwagen, die in engen Straßen umherwuseln, um im Internet bestellte Ware vor die Haustür zu bringen. Das slovakische Unternehmen GreenWay macht mit seinen Lieferwagen vor, wie der Gütertransport innerhalb von Städten in Zukunft aussehen könnte – nämlich elektrisch. Das Unternehmen bietet aus einer Hand eine ganze Flotte von Elektrovans, ein Netzwerk von Aufladestationen, Batteriewechselstationen, Ladestationen und Reparaturservice. Transport- und Logistikunternehmen können auf diesen Service zurückgreifen.

Auch in Deutschland gibt es schon solche Ansätze: Die Deutsche Post DHL beispielsweise testet in Bonn derzeit die Zustellung durch 79 Elektrofahrzeuge und macht die Stadt damit zum bundesweit ersten Standort mit einem CO2-freien Fahrzeugkonzept. Das Pilotprojekt sieht vor, bis 2016 die Zahl auf 141 Elektrofahrzeuge zu erhöhen, die dann pro Jahr über 500 Tonnen CO2 einsparen werden.

Hoch hinaus will das Unternehmen e-volo, die mit ihrem "Volocopter" den weltweit ersten rein elektrisch betriebenen, bemannten und senkrecht startenden Hubschrauber entwickelt haben. Mit einem herkömmlichen Hubschrauber hat der Volocoper allerdings nicht viel gemein: Die für Luftfahrt zuständige Behörde hat extra für den Volocopter eine neue nationale Luftfahrtklasse beauftragt.

4. Intelligenter BauenSefaira, bezeichnet sich selbst als weltweit erste Software, die es Architekten und Ingenieuren ermöglicht, in Echtzeit energieeffiziente Gebäude zu bauen und Energieanalysen in jeden Schritt des Designprozesses einzubetten. Die Cloud-basierte Software gibt somit frühzeitig und ständig Feedback über Entscheidungen und hilft so den Energieverbrauch zu senken, die Nachhaltigkeit zu steigern und Synergien zu finden zwischen Performance und Ästhetik eines Gebäudes.

5. Smart MeteringSmart Meter - auch "intelligente Zähler" - verändern grundlegend die Erfassung des Energieverbrauchs. Die Geräte ermöglichen es durch Einbindung in ein Kommunikationssystem, den Verbrauch via Internet oder Smartphone-App abzurufen. GreenPocket bietet Energieversorgern innovative Energiemanagement-Software an, mit der Haushalts- und Gewerbekunden ihre Energieeffizienz nachhaltig verbessern können. Für Haushaltskunden sind beispielsweise Ben Energy oder Yetu interessant. Die Risiken von Smart Metering/Smart Grids haben wir hier bereits behandelt.

6. Strom für die WeltEtwas, das wir im hochentwickelten Westen oftmals vergessen: Etwa 1,2 Milliarden Menschen weltweit haben immer noch keinen Zugang zur Stromversorgung, davon etwa 800 Millionen in Afrika. Diesen Missstand versucht das Start-Up Solar Kiosk zumindest ein wenig zu beheben. Ein Solar Kiosk ist im Grunde nicht mehr als ein Alu-Container, der in abgelegenen Regionen in Afrika aufgebaut wird, nur eben mit Solaranlage auf dem Dach.

In dem Kiosk werden Getränke, Lebensmittel und Solarlampen verkauft und Arzneimittel gelagert. Der gewonnene Strom reicht, um Geräte wie Handys oder Autobatterien aufzuladen. Am Ende profitieren alle: Die Dorfbewohner haben Strom, Arbeitsplätze im Kiosk werden geschaffen und es entsteht ein Dorfmittelpunkt, in dem beispielsweise Filme gezeigt werden können. Sieben Sonnenläden sind bereits in Äthiopien aufgestellt, fünf in Kenia - wenn diese Tests erfolgreich laufen, soll ein Franchisesystem daraus werden.

7. Fördermöglichkeiten für grüne Start-Ups verbessern sichFür viele mit einer klimabezogenen Geschäfsidee  interessant: Grüne Start-Ups werden mit offenen Armen empfangen. Erst kürzlich hat bespielsweise die so genannte Climate-KIC Green Garage ihre Tore auf dem EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg geöffnet. Der Inkubator ist ein Projekt der Climate Knowledge and Innovation Community, des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT), einer EU-Institution. Im Climate-KIC Netzwerk haben sich über 160 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Universtäten aus ganz Europa zusammengeschlossen, um Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltiger und klimaverträglicher zu machen.

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