CO2 in der Sprühdose: Linde arbeitet an neuer Recycling-Methode

CO2 in der Sprühdose: Linde arbeitet an neuer Recycling-Methode

von Wolfgang Kempkens

Linde will CO2 in das gefragte chemische Produkte Dimethylether umwandeln - das in Kühlanlagen und Spraydosen steckt.

Während zahlreiche Unternehmen an Methoden forschen, CO2 aus der Luft zu filtern, stellt sich im zweiten Schritt die Frage: Wohin mit dem eingesammelten Kohlendioxid? Unbegrenzte Aufnahmekapazität haben auch Gewächshäuser nicht, Carbon Capture and Storage (CCS) ist umstritten.

Der Münchner Gasespezialist Linde arbeitet an einer anderen Idee: Im neuen Pilotreformer (so der Name der Anlage) im Linde-Forschungszentrum in Pullach bei München lassen sich wichtige chemische Produkte wie Dimethylether (DME), die bisher aus Erdöl gewonnen werden, mit Erdgas, Kohlendioxid und Wasserdampf herstellen. 

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DME wird zur Herstellung von Kältemitteln und als Brenngas genutzt. In leicht modifizierten Dieselmotoren kann es den regulären Treibstoff ersetzen, in Spraydosen dient es als Treibgas - allerdings kommt es bei diesen Verwendungszwecken auch wieder in die Atmosphäre. Ein Pump-Deo hat da weiterhin die bessere Umweltbilanz - bei bestimmten Farb- und Lackanwendungen lassen sich Sprüh- allerdings noch nicht durch Pumpventile ersetzen.

Primär entsteht in der fünf Millionen Euro teuren Anlage aber ohnehin Synthesegas, also eine Mischung aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid. Daraus lassen sich außer Spezialchemikalien auch Treibstoffe wie Benzin, Kerosin und Diesel herstellen. Trockenreformierung nennt sich das angewandte Verfahren, weil nur wenig Dampf als Wasserstoffspender eingesetzt wird - deswegen heißt die Anlage auch Pilotreformer.

Die Trockenreformierung spart auch Energie, sodass diese Art der Kohlendioxidverwertung wohl wirtschaftlich werden kann, selbst wenn strengste Maßstäbe angelegt werden. Dazu tragen auch verbesserte Katalysatoren bei, die das träge Kohlendioxid anregen, sich mit anderen Elementen zu verbinden, sodass neue Wertstoffe entstehen. Bis zu 40 Prozent der Kohlenstoffatome, die später im DME stecken, kann Linde mittlerweile als Kohlendioxid von außen hinzugeben.

Diesen in Fachkreisen "Dry-Reforming" genannten Prozess hat Linde gemeinsam mit dem Ludwigshafener Chemiekonzern BASF, dem Katalysatorspezialisten hte aus Heidelberg und Simulationsexperten des Karlsruher Instituts für Technologie entwickelt. Wenn die Versuche erfolgreich verlaufen, soll 2017 eine großtechnische Anlage für einen nicht genannten Kunden gebaut werden.

Wie Dry-Reforming genau funktioniert, zeigt dieses Werbevideo:



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