CO2-Speicher: Kohlenstofffasern aus der Atmosphäre

CO2-Speicher: Kohlenstofffasern aus der Atmosphäre

von Peter Vollmer

Kann man CO2 nicht einfach aus der Atmosphäre ziehen? Man kann, und zwar mit schwachem Strom und heißen Salzen.

Es klingt nach einer naiven Kinderfrage: Kann man das ganze CO2 nicht einfach aus der Atmosphäre herausholen, um den Treibhauseffekt zu stoppen und den Klimawandel zu verlangsamen?

Doch so naiv, wie sie zunächst klingt, sei die Frage gar nicht, sagen Forscher wie Stuart Licht aus Washington. Im Gegenteil: Es könnte notwendig werden, zusätzlich zu allen Einsparversuchen weiteres Kohlendioxid zu binden.

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Unter seiner Leitung hat eine Forschungsgruppe der George Washington University eine Methode gefunden, das atmosphärische CO2 in eine Faser umzuwandeln. Dazu werden geschmolzene Carbonate (für Chemie-Fans: das sind Salze und Ester der Kohlensäure) auf immerhin 750 Grad erhitzt und mit Frischluft versetzt.

Die Forscher haben zusätzlich zwei Elektroden in die Lösung getaucht, die Strom erzeugen. Der sorgt wiederum dafür, dass sich das Kohlendioxid aus der Atmosphäre löst und an einer Elektrode sammelt. Der kleine, dunkle Klumpen sieht wenig beeindruckend aus – doch es handelt sich um wertvolle Kohlenstoffnanofasern.

Nun muss skaliert werdenForschungsleiter Licht gibt zu, dass es für eine effektive CO2-Bindung einen größeren Maßstab brauche. Etwa zehn Prozent der Sahara müssten mit solchen Anlagen bedeckt sein, um binnen zehn Jahren ein vorindustrielles CO2-Niveau zu erreichen.

Immerhin muss Licht nicht die restlichen 90 Prozent Sahara mit Solaranlagen zubauen, um seine Anlage mit Energie zu versorgen: Im Vergleich zu bisherigen Methoden der Kohlendioxid-Bindung kommt er mit wenig Strom aus. Für den Testaufbau reicht eine Spannung von einem Volt. Als Energiequelle nutzten die Forscher ausschließlich Solarenergie und Wärmespeicher. Auf einem Vortrag sprach Licht davon, derzeit mit 100 Ampere pro Stunde zehn Gramm Kohlenstofffasern herstellen zu können.

Bisherige Verfahren brauchen deutlich mehr Strom. Etwa das Pyrolyse-Verfahren, mit dem derzeit hauptsächlich Kohlenstofffasern gewonnen werden. Die Fasern werden etwa für Funktionskleidung gebraucht, für Flugzeughüllen, Batterien oder Geigenbögen.

Nun will Licht seine Idee hochskalieren. Sollten sich Kosten und Effizienz im gleichen Maße hochrechnen lassen, könnte mit seiner Idee die Tonne Kohlenstofffaser für einen Bruchteil der derzeitigen 25.000 Dollar hergestellt werden. Er geht von lediglich 1000 Dollar Stromkosten aus, die bislang den größten Anteil an den Kosten ausmachen. Damit hätte Licht einen ökonomischen Anreiz geschaffen, das CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen.

Hier erklärt Licht seine Idee:



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