Crowdfunding-Festival in Berlin: Das sind die drei spannendsten grünen Startups

Crowdfunding-Festival in Berlin: Das sind die drei spannendsten grünen Startups

von Marius Hasenheit

Mini-Solarlader, Balkonkraftwerke, Ökotoiletten. Diese Jungunternehmen starteten beim One Spark Event voll durch.

Seit einigen Jahren müssen junge Unternehmensgründer und Gründerinnen nicht mehr auf Investitionen einzelner Investoren oder Banken hoffen. Stattdessen präsentieren sie ihre Geschäftsideen der Internet-Gemeinde und sammeln so Geld. Dieses Crowdfunding ist schon lange keine Seltenheit mehr bei der Finanzierung von Projekten. Und auch die Beträge, die im Netz zusammenkommen, können es locker mit einem Bankdarlehen aufnehmen: Für einige Projekte geben die Unterstützer teilweise mehr als eine Millionen Euro.

Kein Wunder, dass nicht nur die Zahl der Startups wächst, die sich über das Netz finanzieren – auch die Menge der Plattformen, auf denen sie ihre Ideen präsentieren, nimmt zu. Sogar der Staat mischt mit. Demnächst geht zum Beispiel die Seite EcoCrowd des Umweltbundesamtes online. Etwa zeitgleich wird Oneplanetcrowd in Deutschland starten. Über die niederländische Plattform haben Unternehmen seit der Gründung vor etwas mehr als einem Jahr bereits mehr als 2,5 Millionen Euro gesammelt und damit etwa 35 Projekte finanziert.

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Doch um welche Plattform es sich auch immer handelt, eines haben sie alle gemeinsam: sie existieren nur digital im World Wide Web.

Die Initiative One Spark, zu deutsch 'Ein Funke', verfolgt ein anderes Konzept. Anstatt auf das Internet zu setzen, bringt sie das Crowdfundingprinzip in die analoge Welt – und zwar als Festival.

Seit dem Start im vergangenen Jahr haben Besucher von One Spark mehr als 1.000 Künstler, Unternehmensgründer und Visionäre mit 4,75 Millionen US-Dollar versorgt. Bereits zweimal fand das Festival in Jacksonville, im US-Bundesstaat Florida statt. Das Siegerunternehmen des ersten Crowdfundingfestivals, welches im letzten Jahr stattfand war Rethreaded. Dieses Unternehmen bindet Opfer von Menschenhandel als Angestellte in der Kleidungsproduktion ein und verkauft die Produkte vor Ort und über das Internet.

Nun folgte das Netzwerk dem Ruf Berlins als Hauptstadt der europäischen Startup-Szene und veranstaltete das bisher wohl größte Crowdfundingfestival auf deutschem Boden.

In der Platoon Kunsthalle in Berlin trafen sich am vergangenen Wochenende 50 kreative Köpfe darunter auch Musiker und Künstler aus Deutschland, Italien, Schweden, Polen, Chile, Israel und den USA, wo sie sich und ihre Ideen den rund 5.000 Besuchern präsentierten. Außerdem gab es für eine handvoll Projekte 23.000 Euro Preisgeld, über die eine Jury und die Besucher abstimmten.

Doch nicht nur Crowdfunding generell boomt, sondern auch das Gründen grüner und nachhaltiger Startups. Die drei interessantesten Projekte vom Festival wollen wir auch Ihnen nicht vorbehalten:

1. Clicc – mobile Solarzellen nach dem Baukastenprinzip

Kleine, mobile Solarlader für Smartphones und Laptops gibt es inzwischen von vielen Anbietern. Doch das Startup Clicc aus Berlin hat eine neue Idee: Die beiden Gründer Andreas Guba und Oliver Lang wollen äußerst günstige und handliche Solarzellen anbieten, die sich im Baukastenprinzip zu größeren Einheiten zusammenschließen lassen. Nur sieben Euro kostet ein einzelnes Mini-Panel, das im Quadrat vier Zentimeter misst und so in jede Tasche passt. Mit dem passenden Stecker lässt sich laut den Gründern mit einem Ensemble von sechs Paneelen innerhalb von zwei Stunden genug Strom produzieren, um ein Smartphone eine Stunde zu betreiben.

Ihr Unternehmen bekam dieses Jahr auf der Innovationsmesse in Nürnberg zudem die Silbermedaille. Außerdem sind sie für den German Design Award 2015 nominiert. Bei dem One Spark Crowdfunding-Festival bekamen sie nur einen geringen Anteil des vom Publikum indirekt verteilten Preises. Aber das können sie wohl verschmerzen. Denn Clicc hat auf der Crowdfunding-Plattform Innovestment kürzlich in nur einer Woche die Höchstsumme von 100.000 Euro an stillen Beteiligungen gesammelt. Dabei werden Investoren an den Umsätzen beteiligt, ohne in der Außenwirkung des Unternehmens in Erscheinung zu treten.



2. Balcon-e – Solaranlagen für den BalkonAuch das Startup Indielux aus Berlin hat sich der Solarenergie verschrieben – nur in etwas größerer Form als Clicc. Indielux bietet Kleinkraftwerke für den Balkon. Aber auch das ist keineswegs eine neue Idee. Die Gründer wollen aber mit Benutzerfreundlichkeit punkten. Die Solaranlagen sollen so einfach zu montieren sein wie ein Ikearegal. Das patentierte Konzept scheint diesem Versprechen gerecht zu werden. Das Solarpanel wird auf der Balkonbrüstung eingehakt und dank eingebautem Wechselrichter kann der Strom direkt genutzt werden. Mit ihrem Unternehmen haben die Gründer Marcus Vietzke, Katharina Fabian und Fabian Friedrich große Ziele. Das Team errechnete, dass ein Verbraucher mit ihrem System im Vergleich mit dem Strom aus der Steckdose etwa 145 Kilogramm des Treibhausgases CO2 pro Jahr einsparen würde. Das ist ungefähr so viel wie ein sparsamer Pkw auf 1400 Kilometern in die Atmosphäre pustet.

Auf die Menge der Balkone in Deutschland hochgerechnet, kamen sie auf ein CO2-Reduktionspotenzial von 188.000 Tonnen pro Jahr in Deutschland. Das Problem für Indielux ist aber dasselbe wie für alle Anbieter von Plug-In-Solaranlagen: Noch scheinen die Verbraucher der Sicherheit der Anlagen nicht zu trauen. Und wer den Strom nicht direkt verbraucht, kann ihn nicht einmal ins Netz einspeisen. In den USA gibt es teilweise die Möglichkeit, dass auch die Kleinsolaranlagen ihren produzierten Strom in die öffentliche Stromversorgung einbringen. Der Stromzähler des Besitzers läuft dann rückwärts.

Doch an dieser Stelle verändern sich die Signale an den Markt. Bereits vor einem Jahr wurde in dem Entschließungsantrag zur Strom- und Wärmeerzeugung in Brüssel „bekräftigt, dass Stromerzeugung in kleinstem Maßstab künftig von wesentlicher Bedeutung für die Stromerzeugung sein wird, wenn die EU langfristig ihre Ziele für erneuerbare Energiequellen erreichen will.“ Nun sind die EU-Mitgliedsstaaten aufgefordert, Hemmnisse der Stromproduktion durch die Mikroanlagen abzubauen. Die Mühlen mahlen langsam, doch sie mahlen.

3. EcoToiletten – Trockentoiletten für einen guten ZweckDer Publikumsliebling in Berlin waren aber nicht etwa die Solarunternehmen, die Wohnungsbesitzern zu einer grüneren Energieversorgung verhelfen wollen. Nein, es waren die Ökotoiletten des Startups EcoToiletten, das den Publikumspreis des Festivals und damit etwa 700 Euro gewann.

Wie manch anderer Trockentoilettenhersteller setzt auch das Jungunternehmen aus Berlin auf die Trennung des Geschäfts in Flüssiges und Festes. Die Toiletten sind mit einer Streuschicht aus Rindenschrot und Sägespänen befüllt. Sie saugt die Feuchtigkeit auf, unangenehmen Gerüche entstehen nicht. Nach der Benutzung wird der Inhalt auf dem Gelände des Unternehmens kompostiert und soll in Zukunft als fruchtbarer Humus an Landwirte und Gartenbesitzer verkauft werden.

Die Idee für EcoToiletten entstand vor zwei Jahren, als die Gründer Kevin Kuhn, Thomas Jakel und Sven Riesbeck Trockenklos in einem indischen Dorf mit ihrem Verein Non-Water Sanitation installierten.

Dabei kooperierten sie mit Guts For Change und der German Toilet Organization. In dem Dorf kamen zuvor auf 385 Einwohner nur 21 Latrinen. Inzwischen hat, bis auf einzelne Ausnahmen, jeder Haushalt eine Trockentoilette. Diesen Erfolg wollten die Gründer mit ihrem Startup fortsetzen und mit dem Unternehmen die Aktivitäten des Vereins unterstützen. Noch beschränkt sich die Vereinsarbeit auf Indien, doch schon nächstes Jahr sollen Projekte in Lateinamerika und Afrika dazu kommen.

Eine Nachfrage gäbe es: Von den sieben Milliarden Menschen, die auf der Erde leben, besitzen sechs Milliarden ein Handy aber nur 4,5 Milliarden Menschen haben Zugang zu Toiletten oder Latrinen.

Das Startup von Kuhn, Jakel und Riesbeck will aber auch hierzulande Aufmerksamkeit für die globale Toilettenmisere schaffen, indem sich Festivalbetreiber und Großveranstalter die umweltfreundlichen Komposttoiletten leihen und dabei den Verein Non-Water-Sanitation unterstützen. EcoToiletten steckt zehn Prozent der Umsätze in die Finanzierung von Projekten zur Verbesserung der sanitären Lage weltweit.

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