Crowdfunding: Leuchtende Pflanzen sollen Lampen ersetzen

Crowdfunding: Leuchtende Pflanzen sollen Lampen ersetzen

von Jan Willmroth

Gewächse mit Glühwürmchen-Gen: Leuchtpflanzen sollen Lampen ersetzen - finanziert wird das Projekt über Kickstarter.

Glühende Drähte, die mehr Wärme als Licht produzieren, sind so langsam Vergangenheit. Die Glühbirne hat ausgedient, Leuchtstofflampen sind heute Standard. Die Preise für hocheffiziente LED-Lampen fallen rapide – wer über Energieeffizeinz nachdenkt, kommt an den neuen Leuchten nicht vorbei.

Gewöhnliche Technologien, mit denen wir Licht ins Dunkel bringen, haben aber alle etwas gemeinsam: Sie brauchen Strom. Ein Forscherteam aus den USA wil diesen Grundsatz jetzt abschaffen – und Pflanzen herstellen, die von allein leuchten. „Was wäre, wenn wir unsere Straßen mit Bäumen beleuchten?“, fragen die Forscher zu Beginn ihres Image-Films bei Kickstarter.

Dort haben sie ihr ursprüngliches Kampagnen-Ziel für die „Glowing Plant“ um ein Vielfaches übertroffen (siehe Kasten links). „Wir leben in einer Welt, die zu viel CO2 produziert“, sagt Anthony Evans, einer der drei Köpfe hinter dem Projekt. „Die Natur hat Wege gefunden, fast emissionsfrei Energie zu erzeugen – wir wollen die Leute davon überzeugen, welches Potenzial darin steckt.“

Noch kein Ersatz für normale LeuchtenNoch sind die Gründer nicht weit: Sie entnehmen genetische Strukturen aus Organismen, die beispielsweise Glühwürmchen zum Leuchten bringen. In der Biologie heißt diese Leuchtfähigkeit von Lebewesen Biolumineszenz. Mithilfe einer Software und einem DNA-Drucker des Silicon-Valley-Startups Cambrian Genomics stellen Evans und seine Kollegen Material her, das sie in Pflanzen einbringen können. Gelingt dieser Prozess, leuchten die Pflanzen ohne Energiezufuhr von außen.

Den Anfang macht gerade ein sehr gut erforschtes Unkraut: Die Acker-Schmalwand, eine alte, häufige und anspruchslose Pflanze. Der Vorteil: Es gibt Bakterien, mit denen man DNA in manche Pflanzenzellen übertragen kann. Genau das macht das Leuchtpflanzenteam. Sie verändern dabei nicht den gesamten genetischen Code, sondern bauen nur den Teil ein, der mithilfe des Proteins Luciferase die Pflanze zum Leuchten bringt. „Das Ganze nennt man „kaltes“ Licht – es ist so effizient, dass es beim Leuchten kaum Wärme erzeugt“, erklärt Mitgründer Omri Amirav-Drory.

Momentan erzeugt es aber auch kaum Licht. Mehr als eine Spielerei ist die Leuchtpflanze noch nicht. Doch weil die Preise zur Genom-Sequenzierung und zum Drucken von DNA gerade rapide fallen, wetten die Forscher darauf, dass bald mehr möglich sein wird – zum Beispiel leuchtende Rosen.

Wer die drei bei Kickstarter unterstützt, erhält als Bonus Pflanzensamen, um seine Freunde mit leuchtenden Acker-Schmalwänden zu beeindrucken. Wer mehr spendet, dem schickt das Team sogar ein komplettes Set, um leuchtende Pflanzen zu Hause herzustellen. Und wer viel Geld übrig hat, kann sich für 10.000 Dollar eine bis zu 30 Zeichen lange Botschaft in das Genom der leuchtenden Pflanzen einbauen lassen.

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