Crowdfunding: Startup will Solaranlagen in Schwellenländer bringen

Crowdfunding: Startup will Solaranlagen in Schwellenländer bringen

von Tobias Finger

Dank des Startups Mosaic kann jeder in Solaranlagen investieren. Das soll jetzt Entwicklungsländern helfen.

Eine Art Kickstarter für alternative Energien: Das wollte das Startup Mosaic sein, als es vor mehr als einem Jahr damit begann, den Bau von kleinen Ökostromanlagen attraktiv zu machen. Die junge Firma aus dem kalifornischen Oakland startete damals eine Internetplattform, die es Jedermann ermöglicht, kleine Geldbeträge in lokale Projekte zu investieren.

Das Prinzip ist so simpel wie effektiv:

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Mosaic bespricht und entwirft in Kooperation mit Unternehmen Pläne für den Bau von kleinen Solaranlagen. Anschließend wird das fertige Konzept auf der Onlineplattform des Unternehmens beworben und von interessierten Nutzern finanziert. Mit dem eingeworbenen Kapital, das an die Projektentwickler verliehen wird, schließen diese Stromkaufverträge mit den Hausbesitzern ab und installieren die Solaranlage.

Ein Teil des Geldes, das die Unternehmen mit der Stromversorgung verdienen, tilgt die Schulden bei Mosaic, das den Privatanlegern wiederum Zinsen auszahlt. Bisher sind auf diesem Weg mehr als fünf Millionen Dollar in kleine Sonnenkraftwerke investiert worden.

Projekte, die für Banken zu klein sindNatürlich sind die potenziellen Gewinne der Antrieb der Investoren. Die Größe der geplanten Anlagen variiert, sehr teuer ist dabei jedoch keine. In Kalifornien sind zum Beispiel Solarpanels für Sozialwohnungen geplant, die 102 Kilowatt leisten und 180.000 US-Dollar kosten sollen – das finanziell größte Projekt der Kalifornier. Beteiligen kann man sich an einer solchen Anlage schon mit 75 Dollar.

Das deckt sich mit dem Ziel des Unternehmens, solche Vorhaben mit Geld zu versorgen, die für Banken zu uninteressant und zu klein sind, sagt Billy Parish, Mitbegründer von Mosaic. Das Konzept hat sich bisher bewährt: Bis Herbst 2013 haben bereits über 2000 Menschen aus 44 verschiedenen Ländern Geld gegeben.

Doch jetzt will das Startup seine Aktivitäten auch außerhalb der USA ausweiten. Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas Anfang Januar gab Mosaic bekannt, dass man vom amerikanischen Netzbetreiber Verizon einen mit einer Million Dollar dotierten Nachhaltigkeits-Award verliehen bekommen habe. Das Geld soll Mosaic helfen, weiter zu wachsen und sich auch international einen Namen zu machen.

Insbesondere für Entwicklungsländer habe ihr Konzept Potenzial, glaubt man in Oakland. Einer Schätzung zufolge leben etwa 1,4 Milliarden Menschen weltweit ohne Elektrizität, viele weitere haben nur eine unregelmäßige Stromversorgung.

Stromrechnung zahlen per SmartphoneWenn es nach Mosaic geht, sind diese Verhältnisse möglichst bald Geschichte. Billy Parish: „Es gibt einen 15 Milliarden Dollar Markt, der sich aus Mikro- und Minikraftwerken entwickelt.“ In Afrika, Brasilien, Südost-Asien und Indien gibt es unzählige Investitionsmöglichkeiten, die Mosaic jetzt für Kleininvestoren erschließen möchte. „Mosaic hat die Fachkenntnis und Infrastruktur, um diese Chancen den US-Investoren zu eröffnen, die saubere Energie für Menschen finanzieren wollen, die nie zuvor Zugang zur Elektrizität hatten“, erklärt Parish.

Dem eben erwähnten Smartphone könnte eine Schlüsselrolle beim Ausbau der internationalen Stromversorgung nach den Ideen von Mosaic zukommen. Vor allem in Afrika, dem am wenigsten entwickelten Kontinent der Welt, verwenden viele Menschen ihre Telefone zur Abwicklung von Bankgeschäften. Mehr als zwei Drittel aller Kenianer zahlen laut aktuellen Studien ihre Rechnungen mit ihren mobilen Geräten. In Tansania sind es immer noch etwa 40 Prozent.

Bargeldlose Transaktionen sollen auch Basis für die Nutzung der umweltfreundlichen Minikraftwerke sein. Kunden könnten dann ihre Stromrechnungen per Onlinebanking vom Handy begleichen. Die von Mosaic finanzierten Solaranlagen stehen auf Dächern oder am Rande der Dörfer.

Immer wichtiger und wegweisender werden die Projekte von Mosaic und seinen Partnern auch aus weiteren Gründen. Viele Industrienationen haben sich von den massiven Subventionen für Solarenergie abgewandt – darunter auch Deutschland und die USA – nachdem diese für regelrechte Ökostrom-Blasen auf dem Markt gesorgt haben.

Gleichzeitig werden benötigte Teile und Know-How günstiger und die Strompreise steigen konstant: Für Investoren ein verlockender Ausblick, mehr in Solarkraft zu investieren.

Lesetipp: Milk the Sun, ein Startup aus Berlin, verfolgt ganz ähnliche Pläne wie Mosaic. Wir haben die Idee hier vorgestellt.

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