Dank Magnetstab: Öl lässt sich künftig nach Katastrophen wieder einsammeln

Dank Magnetstab: Öl lässt sich künftig nach Katastrophen wieder einsammeln

von Leonard Goebel

Ein natürliches Mineral verbindet sich mit Rohöl und magnetisiert es - das könnte Ölkatastrophen eindämmen.

Gut fünfeinhalb Jahre ist es her, dass die Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko explodierte. Fast 800 Millionen Liter Rohöl gelangten innerhalb weniger Monate ins Meer – einer der größten Ölunfälle der Geschichte. Bilder von schwarz-verschmierten Vögeln und toten Fischen gingen um die Welt.

Sie erreichten auch Arden Warner und seine Frau. Sie habe ihn gefragt, ob man Öl von Wasser trennen könne. "Vielleicht könnte ich es magnetisieren!", habe er geantwortet – ohne ernsthaft darüber nachzudenken. Doch die Idee ließ ihn nicht los, und schon am nächsten Tag machte er sich auf den Weg in seine Garage. Dort begann er, mit Motoröl, Eisenteilchen und einem Kühlschrankmagneten zu experimentieren. So zumindest beschreibt es das US-Forschungszentrum Fermilab, an dem Warner arbeitet.

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Warner hatte Erfolg: Die Eisenpartikel verbanden sich mit dem Öl und bilden zusammen eine zähe Masse, die mithilfe eines Magneten aufgenommen werden kann. Das Öl wurde von den magnetisch angezogenen Partikeln einfach mitgezogen.

Inzwischen benutzt Warner statt Eisen Magnetit – das sei das eigentlich revolutionäre an seiner Idee. Denn das stark magnetische Mineral ist natürlichen Ursprungs und kommt in größeren Mengen unter anderem an Sandstränden vor. "Man würde also nur etwas in den Ozean geben, was ohnehin schon da ist", sagt Warner.

Bisherige Maßnahmen wirkungslos und schädlichSeine Idee könnte die Umweltfolgen einer zukünftigen Ölkatastrophe enorm abmildern. Denn bisher gibt es praktisch keine wirksame Maßnahme gegen Ölteppiche in Meeren: Schwimmende Barrieren und das kontrollierte Abbrennen des Öls haben nach der Katastrophe im Golf von Mexiko kaum Wirkung gezeigt. Der Einsatz von zersetzenden Chemikalien war vielen Experten zufolge sogar noch umweltschädlicher als das Öl selbst.

Warners Methode zur Öl-Reinigung ist bereits patentiert. Außerdem hat er einen Mechanismus entwickelt, mit der sich das Öl nach dem Einsammeln durch den Magneten vom Magnetit trennen lässt. Dadurch könnten beide Rohstoffe anschließend wiederverwendet werden.

Nun wird es darauf ankommen, ob sich die Reinigungsmethode auch in der Praxis bewährt, vor allem bei großen Ölteppichen. Diese können schließlich hunderte Quadratkilometer groß sein. Ganz eilig hat Warner es nicht: Der Erfinder wäre wohl froh, wenn die nächste Ölkatastrophe noch lange auf sich warten ließe.

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