Das Ende des Einwegbechers?: So steht es im Kampf um den Mehrwegbecher

Das Ende des Einwegbechers?: So steht es im Kampf um den Mehrwegbecher

Immer mehr Unternehmen wollen den Verbrauch von Einwegbechern senken. Auch Kommunen wollen gegen die Ressourcenverschwendung vorgehen. Doch der Kampf für die gute Sache hat ein Problem.

McDonald‘s verstärkt seinen Kampf gegen Pappbecher. Die Fastfood-Kette will ab sofort auch an ihren Theken auf Porzellangeschirr setzen – an den McCafé-Bars ist das längst Standard. Das Unternehmen weitet damit eine Initiative aus, die es im vergangenen Herbst begonnen hatte. Seitdem können Kunden ihre eigenen Mehrwegbecher mitbringen und sich Heißgetränke abfüllen lassen.

Dass Pappbecher ein Umweltproblem darstellen, leuchtet nach einem Blick auf die Zahlen schnell ein: Jeder Deutsche verbraucht im Schnitt 60 Becher pro Jahr, die oft schon nach 15 Minuten im Müll landen. Durch die dünne Kunststoffbeschichtung im Becher, lassen diese sich auch nicht einfach recyceln, sie müssen verbrannt werden. Für die Produktion neuer Becher braucht es dann wieder neue Papierfasern, Rohöl für den Kunststoff und Wasser. All das drückt erheblich auf die Ökobilanz des To-go-Trends.

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Umweltinitiativen versuchen deshalb schon seit Jahren dafür zu sorgen, dass den Pappbecher das gleiche Schicksal ereilt, wie die Plastiktüte. Deren Verbrauch ist nach Angaben des Handelsverbands Deutschlands zuletzt stark gesunken: Um zwei Milliarden auf 3,6 Milliarden im Jahr 2016. Ein Grund dafür ist eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels, die Tüten nicht mehr kostenlos abzugeben und sie somit für Kunden unattraktiver zu machen. Einige Händler wie Rewe haben die Tüten gleich komplett aus ihren Läden verbannt.

Werner knallhart Mit eigenem Becher zu McCafé: elegant oder eklig?

Es geht los: Den Einweg-Bechern ist der Kampf angesagt. Gleich drei Systeme treten in Deutschland an und wollen Ressourcen schonen. Aber was ist praktikabel, was lästig – und was einfach nur unhygienisch?

Coffee to go: Mehrweg statt Einweg-Pappbecher Quelle: dpa

Daran, dass es den Einwegbechern ähnlich ergeht arbeiten in Deutschland sowohl Politik als auch Unternehmen. Eine einfache Möglichkeit ist es, Verbraucher dazu zu bewegen, Mehrwegbecher statt Einwegbechern zu benutzen. Bäckereien, Cafés oder Uni-Mensen gewähren dann einen Rabatt gegenüber dem Kauf im Einwegbecher. Häufig bis zu 30 Cent. Dazu gehören auch große deutschlandweit tätige Ketten wie Starbucks oder Aral. Einige Cafés haben jedoch Bedenken, wegen der Hygiene bei der Benutzung von Mehrwegkaffeebechern. Schließlich können die durch die Lagerung in den Handtaschen und Rucksäcken dieser Republik mit Keimen in Kontakt kommen. Gehen am Tag regelmäßig Becher über die Theke, könnten die Bakterien sich weiterverbreiten und Kaffee zur Keimschleuder machen.

Bedenken, die das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen teilt: Das Befüllen des Mehrwegbechers solle nach Einschätzung der Beamten "auf dem Verkaufstresen mithilfe von Portionierungsbestecken oder Messgefäßen erfolgen, ohne dass das vom Kunden mitgebrachte Behältnis berührt wird“. Eine Untersuchung der Hochschule Rhein-Waal kommt hingegen zu einem anderen Ergebnis: Sie befindet, dass von nicht regelmäßigen gereinigten Kaffeeautomaten ein deutlich höheres Risiko ausgeht.

Coffee to go Wegwerfbecher noch weit verbreitet

Wer Kaffee zum Mitnehmen kauft, kann sich bei vielen Anbietern schon eigene Mehrwegbecher befüllen lassen. Durchgesetzt hat sich die Müllvermeidung bei Coffee to go aber noch lange nicht.

Coffee to go: Wegwerfbecher noch weit verbreitet Quelle: dpa

In einigen Kommunen hat die Politik sich dem Kampf gegen Einwegbecher ohnehin schon selbst verschrieben. So will die Stadt Salzburg Einwegbecher auf Festivals und anderen Großveranstaltungen verbieten, deutsche Kommunen führen Mehrwegpfandsysteme ein und hat die Stadt München hat nicht nur die Nutzung von Einwegbechern in den eigenen Kantinen verboten, sondern startet zusammen mit dem Entsorgungsbetrieb der Stadt eine eigene Aufklärungskampagne.

Bei aller Umweltschutz-Euphorie bleibt eine Sache jedoch schnell auf der Strecke: Ob Mehrwegbecher wirklich die bessere Ökobilanz abliefern, hängt von mehreren Faktoren ab. Denn in der Herstellung verbrauchen die erst einmal deutlich mehr Ressourcen als ihre Pappkameraden. Hinzu kommen Transportkosten und die Ressourcen für die regelmäßige Reinigung. Nur wer seinen Mehrwegbecher wirklich häufig nutzt, kommt unterm Strich in puncto Ressourcenverbrauch also wirklich besser weg. In der Hinsicht lässt sich dann auch eine weitere Parallele zwischen Einwegbecher und Plastiktüte ziehen: Sei der schrittweisen Verbannung der Plastiktüte greifen immer mehr Kunden zur Papiertasche. Die verbraucht in der Herstellung jedoch auch mehr Ressourcen als das Plastikpendant – und wird kaum häufiger genutzt.

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