Das neue Wi-Fi: Bei "LiFi" kommt das Internet aus der Lampe

Das neue Wi-Fi: Bei "LiFi" kommt das Internet aus der Lampe

von Robyn Schmidt

Datenübertragung durch Licht - mit LEDs ist das möglich. Die LiFi genannte Technik ist schnell und sicher.

Das Bibel-Zitat "Es werde Licht" ist zum geflügelten Wort geworden. Eine Technologie mit dem Namen LiFi könnte den Satz nun ergänzen: Es werde Licht, und eine super-schnelle Internetverbindung. Denn LED-Lampen sollen künftig auch Daten übertragen können.

LiFi steht für Light Fidelity und ist eine Form der optischen Datenübertragung per Lichtstrahl. Mit ihm wird Licht zu einem schnellen und sicheren Kommunikationsnetz. Die Technologie könnte das klassische WLAN in Zukunft ergänzen, wenn nicht gar ersetzen. Das französische Start-up Oledcomm hat das neuste LiFi-Konzept vor kurzem beim Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt.

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Die Idee für LiFi stammt ursprünglich vom Wissenschaftler Harald Haas von der Universität Edinburgh. Er formte den Begriff im Jahr 2011 und arbeitet mit seinem Unternehmen pureLiFi weiter an dem Konzept. Auch andere Firmen, beispielsweise in Russland und Indien, testen bereits die Datenübertragung per Licht. Auch das Fraunhofer Institut forscht an der Technik. Oledcomm hat in Barcelona nun die bisher schnellste und günstigste Lösung gezeigt.

Bis zu 200 Gigabyte pro SekundeDie Daten werden übertragen, indem die LED-Lampen in einer extrem hohen Frequenz blinken. Das geht so schnell, dass das menschliche Auge dieses Flackern gar nicht wahrnimmt. Für uns sieht es einfach aus, als würde das Licht stabil leuchten. Ein sensibler Lichtsensor am Endgerät erkennt das Blinken allerdings und empfängt so die Daten. Unter Laborbedingungen sind bereits atemberaubende Geschwindigkeiten von 200 Gigabyte pro Sekunde möglich.

Allerdings funktioniert die schnelle Übertragung nur bei direktem Sichtkontakt zwischen Lichtquelle und Empfänger. Und das Licht muss natürlich immer eingeschaltet sein, damit es klappt. Doch die Übertragung soll auch dann noch funktionieren, wenn man die Lampe soweit runterdimmt, dass das Menschliche Auge kein Licht mehr wahrnimmt.

LiFi hat neben der Geschwindigkeit noch andere Vorteile gegenüber WLAN. Das Spektrum der Radiowellen, die bislang für die Datenübertagung genutzt werden, ist begrenzt. "Wegen dieser Limitierung ist es durch die Nachfrage und die Menge der Daten, die wir versenden, überfordert", sagt Harald Haas bei einem Ted Talk. "Das Spektrum wird einfach knapp." Bei sichtbarem Licht sei das Spektrum zehntausendmal so groß wie das der Radiowellen. Die Kapazität ist also um einiges höher.

Dass man immer die freie Sicht zur Lichtquelle braucht ist einerseits ein Nachteil. Der Umstand bedeutet aber auch, dass die Daten, die über LiFi transportiert werden, wesentlich besser geschützt sind. Da das Licht beispielsweise nicht durch Wände scheint, kann sich auch niemand von außerhalb in das Netz einhacken.

"Jede Straßenlaterne könnte ein Zugang sein"Und dann ist da noch die Infrastruktur: Ob Straßenlaternen, Büroleuchten oder Nachttischlampen, künstliches Licht gibt es im Prinzip schon überall. "Jede Straßenlaterne könnte ein Zugang sein", sagt Haas. Auch mit Autoscheinwerfern würde es funktionieren: "Autos könnten miteinander kommunizieren und Unfälle vermeiden."

Außerdem könnte man per LiFi Kommunikation an Orten ermöglichen, wo es bisher nicht ging. In Krankenhäusern beispielsweise kann WLAN durch elektromagnetische Störungen die Instrumente beeinflussen. Manche Bereiche sind deshalb vom WLAN abgeschirmt. Bei LiFi wäre das nicht nötig.

Wird LiFi also das WLAN ersetzen können? Zweifelhaft, denn die Einschränkungen vor allem durch den nötigen Sichtkontakt sind groß. Der macht die Übertragung zwar sicher, aber auch umständlich. Es reicht schon, eine Hand zwischen Quelle und Empfänger zu halten, und schon ist das Signal unterbrochen. Und momentan ist die Technologie auch noch recht teuer.

Bisher nutzen einige Museen LiFi. Mit der Technologie können sie die Besucher durch die Lampen orten und so ihre Audio-Touren anpassen. Es gibt allerdings Gerüchte, dass Philips an der Technologie interessiert sei und Apple einen LiFi-Sensor in das neue iPhone einbauen wolle. Unternehmen von solcher Größe könnten LiFi dann doch zum Durchbruch verhelfen.

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