Deutsche Start-up-Branche: Green Economy das zweitgrößte Gründungsfeld

Deutsche Start-up-Branche: Green Economy das zweitgrößte Gründungsfeld

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Zahlreiche Gründer machen die Green Economy zum Jobmotor.

von Carsten Ruge

Mehr als 17 Prozent aller Neugründungen widmen sich laut einer aktuellen Studie grünen Themen.

Der Gründergeist nimmt hierzulande seit Jahren ab. Die Zahl neuer Unternehmen sinkt stetig. Gab es 2012 noch 428.000 Firmengründer, waren es 2015 nur noch rund 398.000. Doch in der Green Economy ist der Trend erfreulicherweise gegenläufig. Das geht aus dem Green Economy Gründungsmonitor des Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit hervor.

17,3 Prozent aller Gründungen im Jahr 2014 können demnach dem grünen Sektor zugeordnet werden. Damit erreichte die Branche den zweithöchsten Wert seit 2006 und liegt im interdisziplinären Vergleich hinter dem Handel auf Rang zwei.

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Den größten Anteil hat die Green Economy mit 86 Prozent im Energiesektor. Aber auch im Baugewerbe beschäftigen sich 54 Prozent der Neugründungen mit grünen Themen.

Grüne Gründungen vor allem im Norden

Klaus Fichter, Gründer und Direktor des Borderstep Instituts.

Klaus Fichter, Gründer und Direktor des Borderstep Instituts.

In Deutschland wurden 2014 insgesamt 21.500 neue Betriebe im Bereich der Green Economy gegründet. Das waren 4800 mehr als im Vorjahreszeitraum. „Bei einer allgemein rückläufigen Gründungsaktivität in Deutschland weisen grüne Gründungen gegen den Trend eine stabile Gründungsdynamik auf“, erläutert Klaus Fichter, Gründer und Direktor des Borderstep Instituts.

Spitzenreiter bei der Gründungsintensität grüner Start-ups sind im langjährigen Mittel (2006 bis 2014) Hamburg und Schleswig-Holstein. Bei Borderstep schätzt man, dass dies mit der dort verstärkt eingesetzten Windkraft zu tun hat.

Als Grundlage für die Studie dienten Datensätze zu über 1,3 Mio. wirtschaftsaktiven Unternehmen in Deutschland aus der Unternehmensdatenbank von Creditreform. In der Statistik sind nur Betriebe mit „größerer wirtschaftlicher Bedeutung“, das bedeutet vereinfacht, nur hauptberufliche Unternehmer sind erfasst.

„Sie sind wirtschafts-, innovations- und umweltpolitisch deutlich relevanter“, erklärt Fichter die Abgrenzung zu Personen mit eingetragenen Nebenjobs und Gewerbescheinen.

Deutschland schließt zu Skandinavien auf

Auch grüne Gründungen sind nach der „EGSS-Klassifikation“ des europäischen Statistikamtes klar definiert. Dazu zählen Unternehmen, die mit ihren Produkten, Technologien und Dienstleistungen einen Beitrag zu den ökologischen Zielen der Green Economy leisten.

Borderstep hat sich in seiner Studie auch andere europäische Länder angesehen. Demnach zählen Schweden und Finnland noch vor Deutschland zu den führenden Ländern bei Umweltinnovationen. „Mit dem in 2014 auf 17,3 Prozent gestiegenen Green Economy Gründungsanteil hat Deutschland im europäischen Vergleich inzwischen auf Schweden aufgeschlossen“, sagt Fichter.

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Arbeiter demontieren eine Rotornabe bei Wartungsarbeiten auf einem Feld bei Gestorf in der Region Hannover. Quelle: dpa

Wie sich die Gründungsaktivitäten in Deutschland 2015 und 2016 entwickelt haben, wertet das Borderstep Institut ab dem Herbst aus. Ergebnisse sollen laut Fichter im Frühjahr 2017 vorgestellt werden. „Ich gehe davon aus, dass sich die bisherigen Trends fortsetzen, das heißt während die allgemeinen Gründungszahlen weiter sinken werden, ist davon auszugehen, dass die absoluten Zahlen im Querschnittsbereich Green Economy stabil bleiben“, glaubt der Studienleiter.

Der Gründungsmonitor ist ein junges Format, ihn gibt es erst seit zwei Jahren. Künftig will Prof. Dr. Fichter das Portfolio erweitern und auch Daten zu den Überlebenschancen der Firmen und den auftretenden Problemen der Branche erheben.

Das Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit ist eine unabhängige und gemeinnützige Forschungseinrichtung. Die Mitarbeiter analysieren Problemlösungen für ein nachhaltiges Wirtschaften und erarbeiten zukunftsfähige Handlungsstrategien für Unternehmen, Gründer, Verbände und Politik.

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