Egloo & Co: Das können die Teelichtöfen tatsächlich

Egloo & Co: Das können die Teelichtöfen tatsächlich

von Felix Ehrenfried

Der Teelichtofen Egloo hat vergangenen Winter für heiße Diskussionen gesorgt. Wir haben den Praxistest gemacht.

Selten hat ein Artikel auf WiWo Green für so viel Kontroverse geführt wie die Produktvorstellung des Egloo, einem kleinem Terrakottaofen, der mittels vier Teelichter ganze Räume heizen soll. Innerhalb weniger Tage erreichte der Beitrag über die Erfindung des italienischen Designstudenten Marco Zagaria zehntausende Leser.

Die Kommentare reichten von Begeisterungsstürmen und Kaufanfragen bis zu Forderungen, den WiWo-Green-Autor aufgrund fehlender Physikkenntnisse zu feuern und den Erfinder des Egloos wegen Betrugs hinter Gitter zu bringen.

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Hauptkritikpunkt: Der Energieerhaltungssatz der besagt, dass sich die Energiemenge in einem abgeschlossenen System mit der Zeit nicht ändert.

Kann ein Teelichtofen die Gesetze der Physik umgehen?Bedeutet im Klartext: Teelichter geben immer die gleiche Energiemenge ab, egal ob ein Tontopf drüber gestülpt wird oder nicht. Es sollte also egal sein, ob vier Kerzen frei im Zimmer stehen oder sich in einem Teelichtofen verbergen, die mögliche Heizleistung ist immer die gleiche.

Das ist einleuchtend und wird kaum angezweifelt, jedoch führen Verfechter der kleinen Teelichtöfen an, dass es weniger um die reine Heizkraft, als um die empfundene Wärme, wenn man vor den Öfen sitzt, geht. Und die sei bei Tonschalen, die von Teelichtern erhitzt werden bedeutend höher, als wenn man sich direkt an der Kerze wärmen will.

Um unseren Beitrag zur leidenschaftlichen Diskussion der Vor-und Nachteile von Teelichtöfen zu leisten, haben wir uns zwei Varianten bestellt und den Selbsttest gemacht: Wie stark heizen die Öfen wirklich, und wie fühlt sich das Raumklima an?

Ein Alltags-Test - wie stark heizt der Teelichtofen?Daher testen wir den italienischen Terrakottaofen Egloo von Marco Zagaria (ab rund 56 Euro). Gleichzeitig nehmen wir einen Bausatz Teelichtofen, der im Prinzip aus zwei übereinander gestülpten Tontöpfen besteht und einfach nachgebaut werden kann (Anleitungen dazu kursieren massenweise im Internet) unter die Lupe. Unser Bausatz stammt von Kreativ-Bastelstube und kostet knapp 25 Euro.

Ein wichtiger Hinweis, bevor sich Kritiker an dem simplen Versuchsaufbau aufreiben: dies hier ist ein subjektiver Test um herauszufinden, wie sich ein Teelichtofen im Alltag schlägt - kein hochpräzises Testverfahren unter Laborbedingungen.

So müssen sich Egloo wie Bausatz-Variante unter denkbar schwierigen Bedingungen beweisen: ein Altbauzimmer, hohe Decken, rund 15 Quadratmeter mit zugigen Fenstern gilt es, bei frühsommerlichen Temperaturen innerhalb von 45 Minuten aufzuwärmen. Egloo-Erfinder Marco Zagaria erklärt, dass sein Ofen die Raumtemperatur innerhalb einer halben Stunde um mindestens zwei Grad heben kann.

Eine derartige Heizleistung kann der Egloo, zumindest in unserem Praxistest, nicht erbringen. Innerhalb von 45 Minuten erwärmt sich die Luft von 19,3 Grad Celsius auf 19,8 Grad Celsius - ein Unterschied von lediglich einem halben Grad und weit entfernt von den versprochenen zwei Grad Temperaturerhöhung innerhalb einer halben Stunde.



Nächste Tag, gleicher Test mit dem Do-It-Yourself Bausatz. Das Ergebnis ist beeindruckend: es dauert keine zwei Minuten, bis das Thermometer zu steigen beginnt. Nach 45 Minuten hat der kleine Ofen mit lediglich zwei Kerzen den Raum von 19,7 Grad Celsius auf 21,8 Grad Celsius geheizt. Das sind sogar mehr als die vom Egloo versprochenen zwei Grad Temperaturunterschied.

Dieser große Unterschied mag zwar zu Teilen daran liegen, dass das Thermometer nahe am Ofen steht und die Kerzen des DIY Bausatz im Gegensatz zum Egloo nicht vollständig von einer Tonhaube bedeckt sind. Das führt zu einer schnelleren Erwärmung der unmittelbaren Umgebungsluft.

Andererseits heizt der Bausatz mit lediglich zwei Kerzen, der Egloo hingegen mit vier. Dass also die kuppelförmige Konstruktion des Egloo für eine bessere Heizausbeute sorgt als die Variante Blumentopf, ist mehr als fraglich.

Doch trotz der Unterschiede in Sachen "Heizvermögen" sollte Benutzern beider Varianten klar sein, dass sie mit einem kleinen Kerzenofen keine Wohnung im Winter heizen können. Vielmehr geht es um die "empfundene" Wärme, sitzt man vor Egloo und Co.

Wie fühlt sich die abgestrahlte Wärme an?Hier können beide Öfen überzeugen. Insbesondere in kleineren Räumen erzeugt der erhitzte Ton eine angenehme Wärme, ähnlich eines winzigen Lagerfeuers auf dem Tisch. Der Effekt verflüchtigt sich jedoch, sobald man nicht mehr in unmittelbarer Nähe des Ofens sitzt.

Ähnliches passiert, will man Egloo oder die DIY-Variante als kleine Wärmequelle für kühle Abende auf dem Balkon nutzen - die Wärmeleistung reicht nicht aus, um einen wirklich spürbaren Effekt zu haben. Das sind die - natürlich subjektiven - Beobachtungen eines Grillabends mit Freunden auf dem Balkon.

Fazit: kein Heizungsersatz, aber angenehme WärmequelleSo sollte jedem klar sein, dass er mit einem Teelichtofen keinen vollwertigen Heizungsersatz kauft. Auch ist das massenweise Abbrennen von Kerzen zum Heizen aus umwelttechnischer Sicht unsinnig.

Jedoch kann ein kleiner Kerzenofen gerade an kühleren Abenden genug Wärme abstrahlen, sodass der Effekt als angenehm empfunden wird. Das gilt jedoch nur in der unmittelbaren Umgebung, von einem Teelichtofen am anderen Ende des Raumes wird man wenig mitbekommen.

Übrigens: in einem Artikel auf Elektroniknet.de hat Robin Bornoff den Nutzen eines Teelichtofens mittels einer Strömungssoftware simuliert. Seine Berechnungen zeigen, dass die "Wohlfühltemperatur im Bereich um die Töpfe höher" ist, sich die Funktionsweise des Teelichtofens durch eine Rippenkonstruktion mit bis zu zehn Kerzen jedoch noch optimieren ließe.

Dennoch ist er sich sicher: "für Kosten von ein paar Cent pro Tag ist diese nichtelektrische Heizung nicht zu verachten."

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