Energiewende: Warum die EEG-Reform ein Solar-Startup aus Hamburg bedroht

Energiewende: Warum die EEG-Reform ein Solar-Startup aus Hamburg bedroht

Tobias Schütt entwickelt Geschäftsmodelle für die Energiewende. Damit könnte es bald vorbei sein, wie er schreibt.

Von Tobias Schütt. Der Autor leitet das Startup DZ-4 (das wir an dieser Stelle beschrieben haben) in Hamburg, das Solaranlagen an Hausbesitzer least. In seinem Gastbeitrag für WiWo Green beschreibt Schütt, warum sein Geschäftsmodell durch die Reform der Energiewende bedroht ist.

Mein Name ist Tobias Schütt. Ich bin Solarstromverkäufer. Simpel und einfach. Mit meinem Partner Florian Berghausen habe ich vor zweieinhalb Jahren DZ-4 gegründet und in den letzten Jahren aufgebaut. Unsere simple Idee: Wir machen Solarstrom einfach und für jedermann möglich, der in seinem eigenen Haus wohnt.

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Denn wir investieren in die Solaranlagen (und Batteriespeicher) und setzen sie auf das Dach der Kunden. So verkaufen wir dann Strom und nicht Anlagen. Unsere potenziellen Kunden sind rund 10 Millionen Haushalte in Deutschland. Das reicht für einen substanziellen Beitrag zum Gelingen der Energiewende, wenn alle mitmachen.

Mit unserem Modell und mit dem unserer Mitbewerber werden Stromnetze entlastet und Kunden lernen, bewusster mit Strom und Stromverbrauch umzugehen – nämlich ihn dann zu nutzen, wenn die Sonne scheint oder der Batteriespeicher geladen ist. Das Modell ist gleichzeitig eine wirkungsvolle Energieeffizienzmaßnahme.

Ende der Erfolgsstory?Wir haben von vielen Seiten großen Zuspruch für unsere Idee bekommen: von Kunden, aus der Politik, von Journalisten. Sogar potenzielle „Marktbegleiter“ (oder Wettbewerber) attestieren dem Modell viel Charme. Auch Auszeichnungen haben wir für unser Modell erhalten.

Man könnte fast meinen, eine Erfolgsstory.

Heute bin ich sehr besorgt. Denn dieses Modell, aber vor allem auch alle anderen Geschäftsmodelle, die die Photovoltaik als Teil eines intelligenten Energiekonzeptes für private Haushalte verstehen, sind in sehr großer Gefahr. Es ist zu hören, dass zukünftig auch der PV-Eigenverbrauch, also dezentral erzeugter und direkt (oder über Batterie) verbrauchter Solarstrom, mit der EEG-Umlage belastet werden soll. Dies soll selbst für Kleinanlagen auf Hausdächern gelten.

Wenn dieser Eigenverbrauch nun noch mit einer Abgabe bestraft wird, dann ist vor allem das Segment der Kleinanlagen – das einzig verbliebene, stabile Segment der PV-Branche – so gut wie tot. Denn dann wäre eigener Solarstrom mit großer Wahrscheinlichkeit wieder teurer als Strom aus der Steckdose. Sich eine Solaranlage auf das Dach zu setzen und Strom selber zu verbrauchen, lohnte sich dann schlicht nicht mehr.

Eine EEG-Umlage auf PV-Eigenverbrauch wäre aber aus fünf weiteren Gründen ein Fehler und schwer nachzuvollziehen:

1. Der Koalitionsvertrag sieht eine Bagatellgrenze für Kleinanlagen vor, der im Abschnitt „Ausbau der erneuerbaren Energien“ genannt ist: „Für kleine Anlagen soll eine Bagatellgrenze eingezogen werden.“ Was faktisch bedeutet, dass Kleinstanlagen nicht belastet werden sollen. Ist der Koalitionsvertrag nicht das bindende Dokument, an dem sich die Regierung zu orientieren hat? Was ist in der Zwischenzeit (vier Monate) passiert, dass ein so kleiner aber verheerender Schwenk erfolgte?

Industrie profitiert, Verbraucher werden belastet2. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb ausgerechnet die schon seit Jahrzehnten bestehenden Ausnahmen für industriellen Eigenverbrauch, der übrigens noch überwiegend fossil ist, weitergeführt werden sollen, wohingegen dies für kleine Endkunden-Anlagen nicht gelten soll.

Man muss sich dies vor Augen führen: Die industriellen, fossilen Eigenverbrauchskraftwerke waren schon immer komplett von der EEG-Umlage befreit. Gute, saubere, auf Lebenszeitkosten – und zwar Vollkosten – kalkulierte Anlagen, mit einem versorgungssicheren Energieträger (Sonne) werden abgestraft. Darf das sein?

3. Der wirtschaftliche Nutzen einer solchen Regelung – wenn überhaupt vorhanden – ist im Vergleich zu den riesigen Geschenken an die Industrie marginal. Nehmen wir eine vierköpfige Familie, die jährlich 4.000 Kilowattstunden Strom verbraucht und über PV-Anlage und Speicher zum großen Teil autark ist. Dann sprechen wir über rund 2.650 kWh Eigenverbrauch.

Nähmen wir eine EEG-Umlage von sechs Cent an, wären ungefähr 160 Euro EEG-Umlage abzuführen. Zum einen wären für eine Erfassung jedoch zusätzliche Installationen und Ausrüstungen erforderlich, die mit Arbeitskosten mehrere Hundert Euro kosten, zum anderen gäbe es noch laufende Kosten für eine Abrechnung. Dies würde einen sinnlosen Papiertiger schaffen, an dem bis auf ein paar wenige, die die Energiewende für den Normalbürger verhindern wollen, keiner Spaß haben kann. Zumal der viel größere Hebel für eine Reduzierung der EEG-Umlage bei den Industrieausnahmen liegt.

4. Der private Eigenverbrauch entlastet die EEG-Umlage ohnehin bereits. Denn grundsätzlich könnte der Solarstrom ja auch ins Netz eingespeist werden und der Betreiber die EEG-Vergütung erhalten. Das würde die EEG-Umlage für alle natürlich erhöhen. Wenn diese intelligente und sinnvolle Verwendungsform bereits gut für alle ist, wieso soll sie dann bestraft oder verhindert werden?

Eigenstrom sind wie Tomaten im eigenen Garten5. Will die Bundesregierung wirklich diesen Präzedenzfall schaffen? Auf etwas auf dem eigenen Privatgrundstück für Erzeugtes und Verbrauchtes eine Abgabe einführen? Wie gehen wir dann zukünftig mit Tomaten aus dem Garten um, mit Holz im Kamin, mit Regenwassernutzung? Das kann nicht der richtige Weg sein.

Ich bin Tobias Schütt, ich bin Solarstromverkäufer. Ich hoffe, ich kann das noch ein paar Jahre bleiben. Denn meine Arbeit macht mir Spaß, unsere Kunden finden uns und unser Angebot toll und wir haben die Zukunft noch vor uns. So wie die gesamte PV-Branche. Ich hoffe, ich muss nicht bald sagen „Damals, da war ich mal Solarstromverkäufer!“

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