England: Selbstfahrende Kabinen sollen Bus, Bahn und Taxis ersetzen

England: Selbstfahrende Kabinen sollen Bus, Bahn und Taxis ersetzen

von Felix Ehrenfried

Wie aus einem Science-Fiction-Film: In Großbritannien sollen autonom fahrende Kabinen den Nahverkehr revolutionieren.

Sie sehen aus wie eine Mischung aus Seilbahngondel und Kleinwagen: Selbstfahrende Kabinen, die demnächst Großbritannien erobern sollen.

In der Kleinstadt Milton Keynes, nördlich von London, soll in den nächsten Jahren ein neuartiges Nahverkehrskonzept umgesetzt werden, das aus 100 dieser autonom fahrenden Kleinwagen besteht, die bis zu zwei Fahrgäste nebst deren Gepäck durch die Stadt transportieren.

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Dabei benötigen die Fahrzeuge keinen Fahrer, auch eine Steuerung durch die Fahrgäste ist unnötig. Funktioniert alles so, wie die Entwickler es sich vorstellen, soll man in Milton Kenyes ab 2017 per Smartphone seine "Fahrkapsel" ordern. Vorher gibt der Fahrgast seinen Zielort ein, das neuartige Gefährt findet den Weg dorthin ohne jegliches Zutun. Auch der Fahrpreis, der bei rund drei Euro liegen soll, wird digital per Smartphone beglichen.

Das Besondere an den selbstfahrenden Kapseln ist, dass sie die Vorteile von Bus-und Bahn mit denen eines Taxis verbindet. So sind sie auf der einen Seite recht preisgünstig, dennoch gibt es eine gewisse Privatsphäre und Komfort im Vergleich zu Bus und Metro. Daneben fahren die kleinen Kapseln an den Wunschort und der Fahrtgast ist nicht an Haltestellen und Fahrpläne gebunden.

Das System, dessen Bau 2015 starten soll, wird rund 77 Millionen Euro kosten. Milton Keynes wurde für den Pilotversuch ausgewählt, da dort bereits eine passende Infrastruktur gegeben ist: Die Straßen sind relativ breit, sodass die Kapseln fahren können, ohne dass sie den Verkehr behindern. Aus Sicherheitsgründen sollen diese nämlich nur knapp 20 Stundenkilometer schnell werden.

Am Londoner Flughafen arbeitet seit 2011 ein ähnliches SystemEin ähnliches System, wie in Milton Keynes geplant, gibt es bereits seit 2011 am Londoner Flughafen Heathrow. Hier transportieren 21 Kapseln täglich rund 600 Fluggäste zwischen Terminal und Parkplatz hin und her. Die Fahrzeuge des Systems mit dem Namen Ultra fahren alle mit Elektroantrieb. So brauchen sie nach Herstellerangaben rund 70 Prozent weniger Energie für die rund vier Kilometer lange Strecke als ein Auto brauchen würde.

Die Fahrzeuge, die bald in Milton Keynes zum Einsatz kommen sollen, werden ebenfalls mit einem Elektromotor ausgestattet sein. Daneben soll eine Kombination aus hochauflösenden Kameras und Sensoren dafür sorgen, dass die neuartigen Fahrzeuge ihren Weg durch die Stadt finden. Vorerst sollen die Kabinen dabei auf speziellen Spuren fahren. Allerdings sind die zuständigen Minister, der britischen Daily Mail zufolge, derart von dem Konzept begeistert, dass sie bereits darüber nachdenken, die Fahrkapseln für den normalen Straßenverkehr freizugeben.

Autobauer haben bereits Interesse gezeigtZunächst ist das Projekt in Milton Keynes auf fünf Jahre ausgelegt. In dieser Zeit wollen die Briten herausfinden, ob die selbstfahrenden Kapseln ein alternatives Fortbewegungsmittel für die Städte der Zukunft sein könnten. Denn anstatt auf den Verkehr zu achten, könnte man in solch einem Gefährt beispielsweise lesen, schlafen oder arbeiten. Außerdem wäre diese neue Art des Reisens leise und umweltfreundlich. So könnten die kleinen Kapseln ein öffentliches Verkehrsmittel auch für Orte sein, wo keine Autos zugelassen sind oder sich öffentlicher Nahverkehr wegen zu wenig Nachfrage nicht rechnet.

Autobauer wie Ford oder GM haben bereits Interesse angemeldet, sich an dem Projekt zu beteiligen. Außerdem dürften andere Unternehmen, wie beispielsweise Google an der Umsetzung des Projekts Interesse haben. Hier forscht man schon seit längerem an einer Technik, die Fahrzeuge autonom fahren lässt. Die Technik dürfte mittlerweile schon recht weit sein.

David Willets, britischer Staatsminister für Hochschulen und Wissenschaft saß bereits im selbstfahrenden Google-Auto - seitdem ist er ein Verfechter des Projektes in Milton Keynes.

Entscheidend dafür, ob wir bald wie in einem Science-Fiction Film in kleinen Kapseln durch die Innenstädte gleiten, wird aber das Vertrauen der Bürger in die neue Technik sein. Denn vielleicht nicht jeder will sich im Straßenverkehr auf die Berechnungen von Computerprogrammen verlassen.

Hier noch ein Video zum Verkehrskonzept, das seit 2011 Fluggäste in London Heathrow transportiert:



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