Entwaldung in Brasilien: Mars verpasst sich neue Nachhaltigkeits-Ziele

Entwaldung in Brasilien: Mars verpasst sich neue Nachhaltigkeits-Ziele

von Anna Gauto

Der Lebensmittelriese Mars will seine Rohstoffe nachhaltiger beschaffen. Doch das ist gar nicht so leicht.

Zwischen August 2013 und Juli 2014 sind in Brasilien 4848 Quadratkilometer Amazonas-Wald vernichtet worden. Die Fläche ist fast doppelt so groß wie das Saarland. Wo einmal Urwald war, grasen häufig Rinder. Sojaplantagen liegen wie Teppiche auf dem Land – aus Soja entsteht zum Beispiel Kraftfutter für die Viehhaltung.

Wälder sind wichtige Kohlenstoffreservoirs. Sie abzuholzen, führt zu mehr Treibhausgas-Emissionen. Das sieht auch der US-amerikanische Nahrungsmittelkonzern Mars so. Das Unternehmen möchte die schädlichen Auswirkungen seiner Rohstoffe reduzieren und hat sich daher bereits im vergangenen Jahr Richtlinien gegen Entwaldung gegeben.

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Keine Rodung von Primärwald„Durch unsere eigenen Risikobewertungen sowie durch Arbeiten externer Organisationen wie dem Forum für Konsumgüter, wissen wir, dass die größte Bedrohungen für Wälder in den Lieferketten der Rindfleisch-, Palmöl-, Papier-, Zellstoff- und Sojaversorgung liegen“, schreibt Mars in einem Report.

Bei der Beschaffung dieser Güter will der Konzern nun nachhaltiger werden. So will Mars bis 2017 brasilianisches Rindfleisch nur noch von Lieferanten beziehen, die den „Brazil Forest Code“, ein zentrales Gesetz zum Waldschutz, einhalten. Außerdem müssen Produzenten nachweisen, dass für ihre Rinder kein Primärwald im Amazonas gerodet wurde.

Brasilianisches Soja muss durch eine dritte Partei wie die ProTerra Stiftung zertifiziert sein, während Papier und Zellstoff bis 2020 vollständig aus "zertifizierten, überprüften oder recycelten" Quellen stammen müssen. Die Seite "Supply Management" listet die einzelnen Ziele hier auf.

"Umweltrisiken bedrohen das Geschäft""Mars verpflichtet sich, die Rohstoffe, die ausschlaggebend für Entwaldung sind, nachhaltig zu beschaffen", sagt dort Barry Parkin von Mars. Indem das Unternehmen nachhaltige Standards in seiner Lieferkette festlege, will Mars "echte Lösungen" für ein komplexes Problem liefern.

Mit seinem Engagement ist Mars nicht allein. Auch viele andere Firmen wie Nestlé, Johnson & Johnson, Pepsi und Coca Cola haben sich Ziele zum Wald-Schutz gesetzt. Weshalb?

"Viele Unternehmen haben erkannt, dass ihre Geschäftsgrundlagen durch Umweltrisiken bedroht sind", sagt Stefan Hörmann von der Umweltschutzorganisation Global Nature Fund. Außerdem wolle niemand Reputationsschäden riskieren. Nestlé ist das beste Beispiel. Weil Nestlés Palmölieferant "Golden Agri-Resources" laut Greenpeace den Lebensraum von Orang Utans platt gemacht hatte, starteten die Umweltaktivisten eine öffentlichkeitswirksame Kampagne. Der Konzern trennte sich von seinem Lieferanten und versucht noch heute die Kratzer im Lack zu beseitigen.

Wo kommen die Rohstoffe tatsächlich her?Ob Mars und andere Unternehmen ihre Nachhaltigkeits-Ziele erfüllen, wird sich zeigen. Eine Lieferkette genau zu durchleuchten und zu überprüfen, wo die Rohstoffe tatsächlich herkommen, sei in der Praxis aber eine "riesige Herausforderung" sagt Hörmann. "Das gelingt denjenigen gut, die direkten Zugriff auf ihre Rohstoffe haben und eng mit den Produzenten zusammenarbeiten."

Die Einschätzung bestätigt auch der Global Forest Report. Darin ist zu lesen, dass Unternehmen Schwierigkeiten haben, den Ursprung ihrer Ressourcen festzustellen. Es fehle an Transparenz, die Lieferketten seien zu komplex. Firmen baten um Unterstützung bei er Erstellung sinnvoller Richtlinien und Leistungskennzahlen. Hier könnte die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) fruchtbar sein - viele solcher Partnerschaften bestehen bereits.

Initiativen wie die von Mars können jedenfalls dazu beitragen, dass sich Lieferunternehmen nachhaltiger aufstellen. So legt auch eine kürzlich veröffentlichte Studie (wir berichteten) nahe, dass Zulieferer die Umweltrisiken einkalkulieren, attraktivere Partner für Unternehmen sind und durch Investitionen in den Klimaschutz sogar Geld sparen können.

Nicht zu vernachlässigen ist der Hebel, den Verbraucher und Öffentlichkeit haben: Nach dem Greenpeace-Debakel hat sich auch der Palmöl-Spitzbub Golden Agri-Resources dazu verpflichtet, Entwaldung künftig vorzubeugen.

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