Essen: Warum es ineffizient ist, für ein Steak eine Kuh zu schlachten

Essen: Warum es ineffizient ist, für ein Steak eine Kuh zu schlachten

von Benjamin Reuter

Artifizielles Fleisch: Wir stellen fünf Startups und Forscher vor, die uns die Kunststeaks schmackhaft machen wollen.

Wer sich in der Vergangenheit nur ein bisschen mit der Materie beschäftigt hat, weiß es: Nicht so sehr das Fliegen schadet dem Klima und auch die paar hunderttausend SUVs nicht, die auf den Straßen kreuzen. Sondern es ist der Konsum von Fleisch. Hähnchenschenkel, Schweinefilets und Rinderentrecôte sind nach einigen Berechnungen sogar schädlicher für die Umwelt als der gesamte weltweite Verkehr.

Die schlimmsten Klimasäue unter den Nutztieren sind nicht etwa die Schweine, sondern die Kühe. Frei gehalten, brauchen sie Unmengen Platz, für den Farmer eventuell Wald roden, sie trinken sehr viel Wasser und pupsen ungehemmt; nämlich besonders klimaschädliches Methan. Einige Bauern versuchen deshalb, das Gas im Stall abzusaugen und es als Brennstoff einer Zweitverwertung zuzuführen – nach Informationen von WiWo Green bisher mit wenig Erfolg. (Hier eine Studie zur Klimabilanz der verschiedenen Fleischsorten)

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Was bleibt als Lösung? Vegetarier werden, generell weniger Fleisch oder mehr Hühnchen essen - das klimafreundlichste Fleisch - oder ganz einfach auf künstliches Fleisch umsteigen. Igitt, mag man denken. Halbartifizielles Gemüse, das wie das Papier einer Sonntagszeitung schmeckt, stapelt sich in den Kühlregalen der Supermärkte schon genug.

Aber fünf Startups und Forscherteams haben es sich tatsächlich zur Aufgabe gemacht, den Verbrauchern das Kunstfleisch in naher Zukunft schmackhaft zu machen. Ihr Motto, wie der Microsoft-Mitgründer Nathan Myhrvold sagt: „Die ineffizienteste Art an ein Steak zu kommen, ist eine Kuh zu töten.“ Manch ein Stück Fleisch könnte dann sogar schon gebraten sein, wenn es aus dem Drucker kommt. Also hoch die Gabeln!

1. Modern Meadow

Das kalifornische Startup will Lederprodukte und Fleisch durch einen Prozess ersetzen, den Biochemiker bei der Produktion von künstlichem Gewebe für medizinische Zwecke eingesetzen. Schon heute lassen sich Haut-, Knorpel- und Blutgefäßgewebe aus Zellenkulturen züchten, die in Petrischalen wachsen. Modern Meadow will das Verfahren aber so optimieren, dass dreidimensionale Drucker mit Proteinen Fleisch ausdrucken können. Das Startup wirbt damit, dass künstliches Fleisch über 90 Prozent umweltfreundlicher sei, als solches aus Tierhaltung. PayPal-Gründer und Facebook-Geldgeber Peter Thiel gehört zu den Investoren des Unternehmens.

2. Beyond Meat

Kennen wir doch, werden einige sagen. Schließlich wird auch Tofu – oft als Fleischersatz gepriesen – aus Soja hergestellt. Beyond Meat behauptet, die erste Pflanzenproteinmischung gefunden zu haben, die so schmeckt, sich so anfühlt und auch so aussieht wie Fleisch. Unter anderem unterstützen die Twittergründer das Startup. Deren Produkte sind jetzt schon in US-Supermärkten erhältlich und beinhalten Soja, Erbsen, Karroten und Öle.

3. Kunstfleisch aus den Niederlanden

In den Niederlanden arbeiten mit Geld von der Regierung die Universitäten von Utrecht und Amsterdam sowie die Technische Universität (TU) Eindhoven an der Herstellung von künstlichem Fleisch. Bisher stellen die Forscher dort immerhin ein Zentimeter lange Fleischstücke aus Zellkulturen von Schweinen her. Sie zu essen, ist aber noch verboten.

4. Das Geheimnis von Stanford

An der US-Eliteuni arbeitet seit Jahren ein Professor Namens Patrick Brown zusammen mit Spitzenköchen an einem Fleischersatz. Einen Reporter des britischen Guardian hat er schon kosten lassen. Der schmeckte keinen Unterschied zum Naturprodukt. Viel mehr ist bisher  nicht aus dem Labor nach außen gedrungen – es gilt absolute Geheimhaltung. Viele Experten halten es aber anhand von Browns Vorträgen  für wahrscheinlich, dass er der erste sein wird, der künstliches Fleisch im großen Stil wachsen lässt.

5. Brasilien schaut in die Zukunft

Auch Brasilien, einer der größten Fleischfabrikanten der Welt, schaut in Zukunft. Vergangenes Jahr warb eine von der Regierung unterstützte Forschungsgruppe den russischen Biochemiker Vladimir Mironov ab, der sich mit künstlichen Organen aus dem 3D-Drucker beschäftigt. Mironov behauptet auch, dass er dieses Jahr schon künstliches Fleisch drucken wird. Man darf also gespannt sein.

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