Strom-Experten: Noch zehnt Jahre bis zum Ende der Kohle

Expertenbericht zur Stromerzeugung: Noch zehn Jahre bis zum Ende der Kohle

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Das Kohlekraftwerk Mehrum und Windräder - in zehn Jahren dürften sich nur noch letztere rentieren, glauben Bloomberg-Experten.

von Wolfgang Kempkens

Ab 2027 wird Öko-Strom billiger sein als der von abbezahlten Kohlekraftwerken. Dann beginne eine weltweite Energiewende, so ein aktueller Energie-Bericht.

Das Jahr 2027 bringt die entscheidende Wende bei der Energieumwandlung. Von da an wird Strom aus neu erbauten Solar- und Windkraftanlagen billiger sein als der von existierenden Kohle- und Gaskraftwerken. Das sagen die Experten von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) in ihrem jüngsten Bericht, in dem sie die Primärenergiequellen bis zum Jahr 2040 untersuchten.

Dabei unterstellen sie sogar, dass die Preise für Gas und Kohle konstant bleiben oder noch sinken. Ihre Schlussfolgerung: Von diesem Zeitpunkt an werden nur noch Anlagen mit Null Emissionen gebaut.

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Die Zahlen, die sie nennen, passen dazu. Bis 2040 werden, so die BNEF-Experten, in Kohle- und Gaskraftwerke 2,1 Billionen Dollar investiert. Mit 7,8 Billionen Dollar, also mehr als dreimal so viel, schlagen neuen Wind-, Solar- und Wasserkraftanlagen zu Buche. Die Kosten für an Land erzeugten Windstrom werden laut BNEF bis 2040 um 41, die für Solarstrom sogar um 60 Prozent sinken.

Experten setzen auf Stromspeicher

Um das Klimaziel, eine Erwärmung um mehr als zwei Grad zu verhindern, zu erreichen, seien weitere 5,3 Milliarden an Investitionen in umweltverträgliche Technologien nötig. Allein 250 Milliarden Dollar müssten für den Bau von Pufferbatterien und Speicherkraftwerke aufgewendet werden, meinen die Finanzexperten. Die Kapazität müsse von heute 450 Megawatt auf 760 Gigawatt mehr als vertausendfacht werden.

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Jährliche Stromerzeugung von 2016-40, in Tausend Terawattstunden. (Quelle: Bloomberg New Energy Finance NEO 2016)

Selbst China und Indien, die heute vor allem auf Kohle setzen, werden sich dem Trend anschließen, so die BNEF-Fachleute. Innerhalb von zehn Jahren werde die Stromerzeugung in chinesischen Kohlekraftwerken um 21 Prozent sinken. Die Lücke dürften Wind, Sonne und Kernenergie schließen. Indien werde bis 2040 gut 600 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investieren, dazu noch 115 Milliarden Dollar in Kernkraftwerke.

Elektroautos profitieren von der Energiewende

Europa werde sich 2040 zu 70 Prozent mit grünem Strom versorgen. Derzeit sind es 32 Prozent. In den USA soll dieser Anteil von heute 14 auf 44 Prozent steigen. Gaskraftwerke werden allerdings noch einen Anteil von 31 Prozent haben, kaum weniger als heute mit 33 Prozent. Denn diese können die Schwankungen der Erneuerbaren gut ausgleichen.

Elektroautos sagen die BNEF-Forscher einen wahren Boom voraus. 35 Prozent aller neuen Pkw und Lieferwagen werden 2040 von Elektromotoren angetrieben, so die Prognose. 42 Millionen dieser Fahrzeuge werden dann weltweit auf die Straßen rollen und acht Prozent der Weltproduktion an Strom verbrauchen.

"Eine Schlussfolgerung mag überraschen", sagt BNEF-Energieökonomin Elena Giannakopoulou. "Unsere Analyse sagt dem Erdgas keine goldenen Zeiten voraus, außer in Nordamerika." 2037 würden erneuerbare Energien im Bereich Stromerzeugung die Kohle überholen.

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