Fairphone: Die zweite Generation des sozialen Smartphones kommt

Fairphone: Die zweite Generation des sozialen Smartphones kommt

von Marius Hasenheit

Das Smartphone mit konfliktfreien Mineralien und fairer Produktion erlebt seine zweite Auflage, doch alte Probleme bleiben.

Das Fairphone sorgt seit Jahren für Schlagzeilen: Aus einer Kampagne entstanden, die auf zahlreiche soziale und ökologische Probleme bei der Smartphoneproduktion aufmerksam machen wollte, entstand ein Unternehmen, das nun selbst auf dem Markt mitmischt.

Bei den Verkaufszahlen kann das Handy nicht ansatzweise mit Samsung und Apple mithalten - beim Bekanntheitsgrad sind die Niederländer mittlerweile näher dran. Die erste Handy-Version mit zwei garantiert konfliktfreien Mineralien wurde 60.000 Mal verkauft.

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Nun kommt die zweite Version. Nachschub für Kaufinteressenten oder sinnvolle Weiterentwicklung? Ersteres auf jeden Fall, seit Februar haben sich bereits 47.000 Interessenten auf der Bestellliste eingetragen. Fairphone wurde kürzlich als das am schnellsten wachsenden Techstartup in Europa ausgezeichnet - und ist einer der Gewinner des GreenTec Awards.

Ob das Gerät, das im September ausgeliefert wird, auch eine Weiterentwicklung ist, haben wir Daria Koreniushkina vom Hersteller Fairphone B.V. gefragt.

WiWo Green: Was ist der Unterschied zwischen dem neuen und dem alten Fairphone?

Daria Koreniushkina: Mit dem neuen Fairphone gehen wir den nächsten Schritt in Richtung fairer Elektronik. Dabei verändern wir das, was wir beeinflussen können: den Abbau der Rohstoffe, das Design, die Produktion und den Lebenszyklus. Beim ersten Fairphone haben wir uns auf mehr die Rohstoffgewinnung konzentriert, während wir ein bereits vorhandenes, lizenziertes Design nutzten. Dieses hat uns ziemlich eingeschränkt, weil wir so unsere Lieferkette nicht komplett frei auswählen konnten. Mit dem neuen Fairphone designen wir nun unser Smartphone selbst. So können wir nun selbst entscheiden, was in das Fairphone eingebaut wird. Damit haben wir nun noch mehr Einfluss auf die Auswahl der Rohstoffe und Produktionsbedingungen.

Besonders langlebig sollte der Vorgänger auch schon sein. Warum nun die neue Version?

Nun, schließlich hat nicht jeder Interessent ein Fairphone bekommen. Mit unserem neuen Design wollen wir das Smartphone noch langlebiger und leichter zu reparieren machen. Dafür stellen wir sicher, dass das Handy leichter zu öffnen und zu reparieren ist. Sollte etwas kaputt gehen, können unsere Kunden, wie auch beim ersten Fairphone, über unsere Homepage Ersatzteile beziehen und diese mit Hilfe von kostenlosen Onlinetutorials einbauen.

Ideen, die in der ersten Version nicht umgesetzt waren?

Das Feedback der Fairphonenutzer hat uns weitergeholfen: Wir haben uns die verschiedenen Gründe angeschaut, welche die Lebensspanne verkürzen könnten. Und was die Software angeht, so bedeutet Langlebigkeit das Gewährleisten von ständigen Updates und hoch bleibender Sicherheit. Wir glauben außerdem, dass die Fairphonecommunity auch Zugang zum Quellcode der Software haben sollten um sie selber verbessern zu können.

Das heißt, jetzt kommt die von vielen gewünschte Open-Source-Software zum Zug?

Das nächste Fairphone wird mit der neuesten Androidversion ausgestattet sein. Wie auch bei dem ersten Fairphone wird es die Möglichkeit geben andere App-Stores als die Google-Playstore zu verwenden. Des Weiteren erwägen wir bald, Open-Source-Softwareproduzenten wie Ubuntu or Jolla's Sailfish als Betriebssystem anzubieten.

Konnte denn der Anteil von konfliktfrei bezogenen Rohstoffen gesteigert werden?

Es gibt 4 Mineralien die generell als Konfliktmineralien bezeichnet werden: Zinn, Tantal, Wolfram und Gold. Wir haben im ersten Fairphone konfliktfreies Zinn und Tantal aus dem Kongo genutzt. Jetzt haben wir Untersuchungen angestellt, wie wir die anderen seltenen Erden aus konfliktfreien Minen oder Fair-Trade-Mienen beziehen können, und die Rohstoffe durch die Lieferkette verfolgen können. Doch wir stoßen bei Gold und Wolfram immer wieder auf Herausforderungen.

Herausforderungen?

Es gibt an den meisten Orten schlichtweg nicht die Infrastruktur um eine geschlossene Lieferkette zu ermöglichen. Der Abbau der Mineralien findet oft im informellen Sektor statt. Die Probleme unserer bisherigen Suche und Versuche schildern wir aber offen auf unserer Homepage.

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Zuletzt aktualisiert am 07.06.2015

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