Farbe aus Glas: Ist diese dünne Schicht die Klimaanlage der Zukunft?

Farbe aus Glas: Ist diese dünne Schicht die Klimaanlage der Zukunft?

von Wolfgang Kempkens

Mit einer Farbe auf Kristallbasis könnten Materialien länger leben und kühler bleiben.

Eine Farbe, die ewig hält und dazu noch die Wärmestrahlen der Sonne abhält. Was nach einem kleinen Wunder im Baubereich klingt, wird, wenn es nach Jason J. Benkoski geht, bald Wirklichkeit. Der Physiker der Johns Hopkins University in Baltimore entwickelt nämlich eine Farbe auf Glas-Basis.

Normale Farbe wird mit der Zeit vom ultravioletten Licht der Sonne zersetzt und kann die Wände von Häusern und Metalldächern dann nicht mehr vor Korrosion schützen. Benkoskis Farbe hingegen ist rein anorganisch und damit unempfindlich gegen aggressives Licht. Außerdem speichert sie keine infraroten Strahlen, also Wärme, sodass sich mit ihr geschützte Immobilien und Behälter kaum aufheizen.

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Das reduziert den Bedarf an Klimakälte und damit den Energieverbrauch. Versetzt mit Pigmenten, die Wärmestrahlen reflektieren sind sie noch effektiver. Eine Glas-Farbe als Klimaanlage der Zukunft? In etwa zwei Jahren soll sie so weit entwickelt sein, dass sie in Feldversuchen getestet werden kann, sagt Benkoski.

Weil konventionelle Farben nicht sonderlich haltbar seien und zudem noch Schadstoffe an die Umwelt abgäben, „wollte ich weg von den traditionellen Farben auf Kunststoffbasis und hin zu Glas“, sagt der Physiker. Leichter gesagt als getan, denn sein Wunschmaterial ist äußerst spröde. Deshalb wählte er als Ausgangsmaterial Kaliumsilicat, das sind Kristalle, die sich in Wasser lösen lassen. In flüssiger Form heißt das Material Kaliumwasserglas und dient unter anderem als Klebstoff.

Harte Farbe, niedrige TemperaturBenkoski modifizierte die Kristalle – wie genau verrät er natürlich nicht –, sodass sie wasserlöslich blieben, aber zusätzliche Eigenschaften annahmen. So ist eine Schicht des Wasserglases (nach dem Trocknen) resistent gegen Wasser und hat zudem eine amorphe Glasstruktur.

Trotzdem ist die Farbe nicht spröde wie Glas. Es entstehen keine Risse, wenn sie auf metallische Fassadenverkleidungen und Dächer aufgetragen wird, obwohl diese sich aufgrund von Wärmespannungen verformen.

„Aluminium, das Sonnenstrahlen ausgesetzt ist, wird oft um mehr als 20 Grad Celsius wärmer als die umgebende Luft“, sagt Benkoski. Dieser Stress lasse alle Arten von Metall vorzeitig altern. Das passiere nicht, wenn sie mit seiner Farbe geschützt seien. Auch deshalb ist Benkoskis Entwicklung bereits als Schutzhaut für Kriegsschiffe im Gespräch.

In diesem Videobeitrag stellt er seine neue Farbe vor:



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