Fasern aus Fischernetzen: Italienisches Unternehmen recycelt Nylon

Fasern aus Fischernetzen: Italienisches Unternehmen recycelt Nylon

von Nora Marie Zaremba

Die italienische Firma Aquafil benutzt ein Verfahren, um Nylonfasern zu recyceln. Die Idee hatte der Chef höchspersönlich.

Was für die meisten nur eine Müllkippe ist, darin sieht Guilo Bonazzi eine Goldgrube. Das muss er auch, denn er ist Vorstandvorsitzender von Aquafil. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Italien produziert Ecoynyl – eine Faser, gewonnen aus Abfällen wie gebrauchten Fischernetzen, Teppichflusen oder alten Badeanzügen.

Aquafil hat Partner auf der ganzen Welt, die das Unternehmen mit den nylonhaltigen Abfällen versorgen. Bevor sie in die Aquafil-eigene Recycling-Fabrik nach Slowenien kommen, werden die Abfälle gewaschen, zerkleinert und sortiert.

Anzeige

Ein spezielles Verfahren ermöglicht die eigentliche Umwandlung von gebrauchten zu neuen Nylonfasern - das sogenannte „ECONYL“-Regenerationssystem. Durch Erhitzung wird das Nylon zunächst in seine chemischen Ausgangsbestandteile zersetzt (Deploymerisation) - und dann wieder aufgebaut (Polymerisation).

Econyl sei von neu hergestelltem Nylon nicht zu unterscheiden, verspricht Aquafil. Auch könnte das Recycling-Verfahren unendlich oft wiederholt werden.

Vor allem bringt die recycelte Faser Umwelt und Klima viele Vorteile: Gebrauchte Fischernetze landen oft im Meer, verschmutzen Wasser und gefährden Vögel. Nun werden sie gezielt gesammelt.

Zudem eliminiert die Herstellung von 10.000 Tonnen Econyl mehr als die gleiche Menge an Abfällen und spart mehr als 100.000 Tonnen CO2 ein, so die Angaben der Firma.

Herkömmliches Nylon verbraucht bei der Herstellung zwar weniger Wasser als Baumwollfasern. Dennoch wird es – wie eigentlich jeder Kunststoff – aus Rohöl hergestellt und hat daher schon eine kritische Umweltbilanz.

Vier Jahre ForschungAn der Entwicklung des Verfahrens waren vier internationale Universitäten beteiligt. 2011 kam es erstmals zum Einsatz, nach über vier Jahren Forschung. Rund 25 Millionen Euro hat Aquafil-Chef Guilio Bonazzi selbst in das Vorhaben investiert.

Ende der 60er-Jahre startete Aquafil als „Garagenfirma“ der Eltern. Mittlerweile ist Aquafil mit seinem Hauptsitz im italienischen Arco am Gardasee einer der größten globalen Player in der Faserindustrie. Mehr als 2000 Mitarbeiter sind auf der ganzen Welt tätig, neben Italien auch in Deutschland, Schottland, den USA oder China.

Er sei der jüngste von vier Geschwistern gewesen, da habe er früh gelernt, sich durchzusetzen – auf dem Tennisplatz ebenso wie im Beruf, erklärt der heute 52-jährige Bonazzi in seiner Rede auf der Plattform TED.

Umweltschutz und Wirtschaft verbindenDas Thema Nachhaltigkeit hat ihn nicht nur betroffen gemacht. Bonazzi hat auch den wirtschaftlichen Nutzen gesehen. „Die Umweltprobleme fordern uns heraus und das können wir für Innovationen nutzen", sagt der italienische Geschäftsmann.

Was die Müllkippen betrifft, habe er nur an das geglaubt, woran niemand sonst glauben wollte: Dass das alles ziemlich wertvoll sei. Auch die eigenen Mitarbeiter hielten ihn anfangs für verrückt.

Als die erste Fabrik für die Lagerung der Nylonabfälle eröffnete, hatten sie ihr den Spitznamen „AKS“ gegeben – „any kind of shit“ – also so viel wie „alles Mögliche an Schrott“.

Bonazzis Mühe und Investitionen haben sich mehr als ausgezahlt. Aquafil hat 2014 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Ressourcen-Effizienz gewonnen. Seit drei Jahren stellt das Unternehmen außerdem den „grünen“ Teppich bei den GreenTec Awards.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%