Forscher: "3D-Drucker machen Tierversuche überflüssig"

Forscher: "3D-Drucker machen Tierversuche überflüssig"

von Charlotte Zink

Menschliches Zellmaterial aus dem 3D-Drucker werde künftig Versuche mit Tieren überflüssig machen, glaubt ein britischer Forscher.

Blutverschmierte Demonstranten, Petitionen und drastische Werbeplakate - seit Jahren schon machen Tierschutzorganisationen wie Peta den Gesetzgebern Druck, Tierversuche zu verbieten. Eine generelle Abschaffung ist jedoch nicht in Sicht.

Diese könnte ab 2018 eine ganz andere Art von Druck erwirken, sagt der britische Wissenschaftler Alan Faulkner-Jones: Medizinischer 3D-Druck lautet seine Lösung des Problems. Denn mithilfe von 3D-Druckern könnten in Zukunft menschliche Stammzellen produziert werden, um daraus Gewebe und Organe zu Forschungszwecken zu gewinnen.

Anzeige

„Wenn 3D-Druck in der Zukunft so akkurat ist, wie er sein sollte, gäbe es keine Notwendigkeit mehr an Tieren zu forschen“, sagte der Bioingenieur dem Magazin Dezeen im Rahmen der 3D-Printshow in London, bei der er die Technologie vorstellte. "Die Idee ist, dass wir Mikro-Gewebe von bestimmten Organen herstellen."

Dieses solle dann anstelle der Tiere als Testobjekt bei der Entwicklung von Medikamenten eingesetzt werden. Die gedruckten Organ-Gewebe würden auf die gleiche Art reagieren, wie das Organ des Patienten, so der Wissenschaftler. Die neuartige Methode würde es also möglich machen, personalisierte Medikamente herzustellen, die an den Kopien der Zellen des Patienten entwickelt würden.

Das würde auch den Entwicklungsprozess beschleunigen: Im Moment würden Medikamente vorschriftsmäßig erst an Tieren ausprobiert und daher oft für diese „maßgeschneidert“, sagt Faulkner-Jones. Die Wirkung beim Menschen könne jedoch abweichen. Dadurch wird viel Geld für Medikamente investiert, die es nie auf den Markt schaffen.

2012 forschten Wissenschaftler in Deutschland an rund 3 Millionen TierenUnd nicht nur Geld, sondern vor allem Leben kosten die medizinischen Versuche an Mäusen, Ratten und Hunden: In Deutschland haben Wissenschaftler nach Angaben des Bundesministeriums für Verbraucherschutz 2012 rund 3,1 Millionen Tiere zu Forschungszwecken benutzt - rund 150.000 Tiere mehr als im Jahr zuvor. Tierversuchen, im Sinne des Tierschutzgesetzes, fielen dabei ungefähr die Hälfte der Tiere zum Opfer.

Die andere Hälfte wird für andere wissenschaftliche Zwecke eingesetzt, die nicht als Versuche gelten. Dazu zählt beispielsweise das Töten von Tieren, um mit ihren Organen zu experimentieren. Vor allem die Zahl der Tiere, die für derartige Zwecke eingesetzt werden, steigt von Jahr zu Jahr.

Dabei landen nicht nur Laborratten und Versuchskaninchen in den Händen der Wissenschaftler. Auch zahlreiche andere Arten, darunter Vögel, Ziegen, Schafe und Katzen sterben und leiden im Dienste der Forschung. Im letzten Jahr etwa forschten Mediziner in Deutschland auch an über 2000 Hunden. Die beliebtesten Versuchstiere sind mit 73 Prozent jedoch nach wie vor Mäuse.

Völlig aus den Laboren verschwunden sind mittlerweile Menschenaffen – an diesen wurde in Deutschland seit 1991 nicht mehr experimentiert.

Damit das irgendwann für alle Tiere gilt, gehen in vielen Ländern immer wieder Tierschutzaktivisten auf die Straße. Und auch die EU bemüht sich an einigen Stellen um Tierschutz: Seit März gilt in den Mitgliedsstaaten ein Verbot von Kosmetikprodukten, für die an Tieren geforscht wurde. Dass 3D-Drucker kurzfristig Tierversuche abschaffen, scheint jedoch unwahrscheinlich. Derzeit laufen zwar schon erste Versuche, Organe zu drucken. Aber die bis die Technik ausgereift ist, könnte es noch ein paar Jahre dauern.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%