Gebäudesanierung: Intelligente Fenster senken Heizkosten um ein Viertel

Gebäudesanierung: Intelligente Fenster senken Heizkosten um ein Viertel

von Wolfgang Kempkens

Heizkosten sparen wird zum Kinderspiel: Ein neues Fenster erkennt von selbst, wann es lüften muss.

Die energetische Sanierung ist so etwas wie das Stiefkind der Energiewende. Die Diskussion dreht sich um Ausbauziele für erneuerbare Energien, um neue Stromtrassen, um die Ausnahmen für die Industrie – und stets nur am Rande um das Einsparpotenzial unserer Wohnhäuser.

Dabei könnte genau darin der Schlüssel zu einer erfolgreichen Energiewende liegen: Heizung und Warmwasser machen immer noch rund 40 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs aus. Nach Schätzungen der Bundesregierung ließen sich durch die Sanierung bis 2020 mindestens 50 Milliarden Euro einsparen. Rund 39 Millionen Wohnungen gibt es in Deutschland; vier von fünf sind laut Verbraucherzentrale Bundesverband älter als 30 Jahre.

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Vor allem bei alten Gebäuden ist der Effekt riesig, wenn Hausbesitzer die Fenster austauschen. Und wer richtig Geld in die Hand nimmt, lüftet künftig mit High-Tech.

„ClimaWin“ heißt ein neues Fenster, das die Heizungskosten um bis zu 25 Prozent reduzieren soll. Mit einem Aufpreis von 250 bis 300 Euro ist es erträglich teurer als ein vergleichbares Fenster herkömmlicher Bauart.

ClimaWin lässt sich ganz normal zum Lüften öffnen. Doch eigentlich ist das überflüssig. Denn es reguliert die Lufterneuerung selbstständig. Dafür sorgen Sensoren, die innen und außen am Rahmen kleben, sowie Fühler in der zentralen Steuereinheit, die in den Rahmen integriert ist. Die Sensoren messen Innen- und Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit und Kohlendioxid-Konzentration.

Dreifache Verglasung für maximalen Dämm-EffektFür einen maximalen Dämm-Effekt ist das Fenster dreifach verglast. Zwischen der äußeren Scheibe und den beiden inneren ist ein größerer Spalt. Wenn die Steuereinheit feststellt, dass gelüftet werden muss, weil beispielsweise zu viel Kohlendioxid in der Luft hängt, öffnet sie Klappen unterhalb des Rahmens.

Je nach Außentemperatur wird die Luft dann unterschiedlich geführt: Im Winter steigt sie im äußeren Spalt hoch und strömt durch Schlitze oberhalb der Scheibe in die Wohnung oder ins Büro. Beim Aufsteigen erwärmt sie sich leicht, weil sie an der Doppelscheibe entlang streicht. Wenn die Sonne scheint, heizt sie die Luft im Spalt zusätzlich auf.

Im Sommer steuert das Fenster die Luft anders. Sie tritt zwar wieder durch die unteren Schlitze ein, wird aber durch die oberen Schlitze gleich wieder hinausgeleitet. Dadurch wird der Spalt gekühlt. Eine im Spalt absenkbare Jalousie blockiert die direkte Sonneneinstrahlung. Wenn die Luft verbraucht ist, leitet das Automatik-Fenster frische Luft von außen durch die oberen Schlitze eingeleitet.

Zusätzlich versorgen integrierte Solarzellen die Fenster-Sensoren und die Jalousie mit Strom. Die Kommunikation mit der Steuereinheit läuft per Funk.

Das intelligente Fenster hat das oberfränkische Unternehmen Rauh SR Fensterbau gemeinsam mit kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Irland und Dänemark entwickelt. Technisch-wissenschaftliche Hilfestellung kam vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Stuttgart, das einen ClimaWin-Prototypen in einem Versuchsgebäude in Holzkirchen testete. Die Europäische Union förderte das Projekt mit 1,4 Millionen Euro. Ende dieses Jahres sollen die Fenster europaweit zu kaufen sein.

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