Geldanlage: Investoren als Klimaaktivisten

Geldanlage: Investoren als Klimaaktivisten

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Investitionen in grünen Strom zahlen sich doppelt aus.

Nicht nur Aktivisten, Autobauer oder Politiker spielen bei der Energiewende eine Rolle - auch Anleger treiben die grüne Revolution voran, erklärt Investor Jochen Wermuth in einem Gastbeitrag.

Jochen Wermuth ist Impact Investor und CIO von Wermuth Asset Management. WAM investiert in europäische Wachstumsunternehmen im Bereich Ressourceneffizienz und Erneuerbare Energien.

Jochen Wermuth (Foto: privat)

Jochen Wermuth (Foto: privat)

Mehr als 160 Staaten haben Ende April in New York an der Unterzeichnung des UN-Klimaabkommens teilgenommen. Zahlreiche Industrie- und Schwellenländer einigten sich darauf, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und die Nettoemissionen in der zweiten Hälfte des Jahrtausends auf null zu senken.

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Zeit ist dabei der kritische Faktor. Nur mit vereinten gesellschaftsübergreifenden Kräften, einer Ausweitung der Investitionen sowie einem beherzten Agieren der Regierungen und der großen Energieunternehmen kann das gesteckte Ziel erreicht werden. Dabei geht es vor allem um Investitionen in den kommenden fünf Jahren. Sollte das Ziel verfehlt werden, würden Milliarden Menschen in Meeresnähe ihre Heimat verlieren. Der Klimawandel könnte sich außerdem so beschleunigen, dass sich die Menschheit diesem Wandel gar nicht mehr anpassen kann.

Die guten Nachrichten sind: Dank des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wurde soviel erneuerbare Energie installiert, dass diese heute an vielen Orten billiger ist als fossile Brennstoffe. In Deutschland wird außerdem nur ein Viertel der Energie pro Einheit Bruttosozialprodukt verbraucht, wie z.B. in China, Indien oder Brasilien. Letztlich verbrauchen Elektrofahrzeuge nur ein Drittel der Energie von Verbrennungsmotoren und liegen dort, wo sie auch Strom ins Netz einspeisen dürfen, heute schon unter den Nettoanschaffungspreisen von Kraftfahrzeugen.

Wir befinden uns also bereits inmitten einer neuen grünen industriellen Revolution – vom Kohlenstoffzeitalter hin zu einer Null-Kohlenstoff-Wirtschaft. Die Umwälzung wird so drastisch sein wie Anfang des 20. Jahrhunderts, als innerhalb weniger Jahre die Pferdekutschen durch die ersten Autos mit Verbrennungsmotoren ersetzt wurden.

Konkurrenzfähige Erneuerbare Energien und Elektrofahrzeuge

Ein konsequentes und sofortiges Umdenken seitens der Öl-, Gas- und Kohleproduzenten ist also nötig. Weltweit müssen Energiekonzerne Verantwortung übernehmen und ihre Geschäftsstrategien an den politischen Willen und die betriebswirtschaftlichen Realitäten anpassen. Konkret bedeutet dies, dass 80 Prozent der bereits gefundenen und bilanzierten Kohle-, Gas-, und Ölreserven nicht verwendet werden können und abgeschrieben werden müssen.

Zudem ist klar, dass der Anteil der erneuerbaren Energien zügig und wesentlich deutlicher wachsen wird, als die Internationale Energieagentur (IEA) und die Energiekonzerne vorhersagen. Wie billig zum Beispiel Solarstrom inzwischen ist, zeigt ein geplantes Solarkraftwerk mit 800 Megawatt Leistung in Dubai. Das niedrigste Angebot für den Strom aus der Anlage lag bei $2,99cent/kWh – und wäre somit deutlich günstiger als Atom- oder Kohlestrom. In Mexiko gibt es Solarstrom aktuell für unter $5cent/kWh und in Deutschland für unter €7cent/kWh. Der Ölpreis müsste unter 5 US-Dollar bzw. 6 Euro je Barrel fallen, um mit solchen Preisen konkurrieren zu können.

Die Energie- und Verkehrswende rechnet sich schon heute für Verbraucher, Wirtschaft und Investoren. Zudem schafft sie Arbeitsplätze, Wachstum und durch die Dezentralisierung mehr Wettbewerb, mehr Demokratisierung und vielleicht auch mehr Frieden. Die durch das EEG angestoßene weltweite grüne Industrierevolution ist unaufhaltsam, da es für die weitere Entwicklung nur noch fairer und intelligenter Rahmenbedingungen bedarf. Deutschland könnte bei dieser Revolution Marktführer sein. Oder den Anschluss verpassen ...

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