Glasindustrie: Energieeffizienz als Hoffnung für den Standort Deutschland

Glasindustrie: Energieeffizienz als Hoffnung für den Standort Deutschland

von Wolfgang Kempkens

Der Glashersteller Schott hat einen energiesparenden Schmelztiegel entwickelt: Hoffnung für die Branche.

Seit Jahren kennen die Energie- und Strompreise nur eine Richtung: nach oben. Ein Ausweg aus der Kostenspirale für die Unternehmen ist ein sparsamerer Umgang mit Energie. Der hilft vor allem bei energieintensiven Prozessen wie der Glasherstellung.

Der Mainzer Hightech-Glaskonzern Schott präsentiert nun genau in diesem Bereich eine Innovation: Nämlich einen sogenannten Läutertiegel aus dem Metall Iridium. Pro Glasschmelzwanne mit einer Tageskapazität von 50 Tonnen spart die Entwicklung pro Jahr fünf Millionen Kilowattstunden Energie in Form von Erdgas ein. Das sind 40 Prozent gegenüber konventionellen Wannen.

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Effizienz hilft im ÜberlebenskampfZur Einordnung: Die Menge an Erdgas entspricht dem Jahresverbrauch in 250 Einfamilienhäusern mit normaler Wärmedämmung.

„Eine solche Energieeinsparung ist existenziell wichtig für den Erhalt von Arbeitsplätzen in der deutschen Glasindustrie“, heißt es beim Konzern. Denn die befinde sich mitten in einem „Überlebenskampf“ gegen oftmals günstiger produzierende Konkurrenz im Ausland.

Die Idee hinter der Entwicklung: Herkömmliche Tiegel müssen gekühlt werden, damit die bis zu 1750 Grad Celsius heiße Glasschmelze sie nicht zerstört. Bei dem Tiegel aus Iridium ist das nicht der Fall. Es gehört zur Gruppe der Platinmetalle und hat einen Schmelzpunkt von fast 2500 Grad. Es bleibt auch dann noch in Form, wenn das Glas auf Extremtemperaturen erhitzt wird. Allerdings ist das Material auch extrem spröde und hart. Deshalb ist es eine besondere Kunst, daraus eine Wanne zu formen.

Das in einem ersten Schritt erschmolzene Glas behandeln die Glasproduzenten nach, um eingeschlossene Blasen zu entfernen, ein Prozess, der fachmännisch Läutern genannt wird. Dazu wird das relativ zähflüssige Glas, das eine Temperatur von gut 1200 Grad hat, in den Läutertiegel umgefüllt und auf bis zu 1750 Grad erwärmt. Eingeschlossene Luftblasen dehnen sich aus und entweichen, weil die Glasschmelze beinahe so dünnflüssig wird wie Wasser.

Neuer Tiegel steigert GlasqualitätJe höher die Läuterungstemperatur ist, desto mehr Blasen entweichen, sodass die Glasqualität in gleichem Maße steigt. Weil mit dem neuen Tiegel Temperaturen von bis zu 2000 Grad erreicht werden, lassen sich höhere Qualitäten erzielen, also die Wertschöpfung vergrößern.

Bisher existiert nur ein Prototyp des neuen Läutertiegels, von dem Schott sogar die Größe geheim hält, um der Konkurrenz keine Hinweise zu geben. Herkömmliche Tiegel fassen 100 bis 1000 Liter. Die Kosten einer konventionellen Wanne und der aus Iridium seien „vergleichbar“, heißt es bei Schott – trotz des hohen Preises für das Platinmetall. Diese werden durch den Wegfall des aufwändigen Kühlsystems wettgemacht.

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