GreenTec Awards: Vier Pionierprojekte gewinnen renommierten Umweltpreis

GreenTec Awards: Vier Pionierprojekte gewinnen renommierten Umweltpreis

von Benjamin Reuter

Strohhalme aus Roggen, eine supereffiziente Fabrik, der BVB und Stadtgärtner gehören zu den Siegern.

Auch in diesem Jahr ist WiWo Green Medien-partner der GreenTec Awards, einem der größten Preise für grüne Technologien, Initiativen und Unternehmen in Europa. Die Awards werden am 4. Mai in München verliehen. Auf der Gala werden unter anderem die Gewinner in den Kategorien Produktion, Kommunikation, dem WWF Sonderpreis und Lifestyle ausgezeichnet. Was die Siegerprojekte besonders macht, lesen Sie hier:

Weidmüller: Die supereffiziente FabrikBisher galten Fabriken eher als Energiefresser. Doch das Technik-Unternehmen Weidmüller aus Detmold zeigt, dass es auch anders geht. Mit 4600 Mitarbeitern und rund 640 Millionen Euro Umsatz pro Jahr ist Weidmüller zwar viel zu groß, um einer der Hidden-Champions aus Deutschlands viel gelobtem Mittelstand zu sein. Doch auf seine eigene Art ist es das familiengeführte Unternehmen dann doch.

Denn der Hersteller von Elektronik und elektrischer Verbindungstechnik (Technologie, die zum Beispiel auch in Zügen eingesetzt wird) betreibt am Heimatstandort Detmold eine Fabrik, die er stolz als "Fabrik der Zukunft" bezeichnet. So wird zum Beispiel die Abwärme der 70 Kunststoffspritzmaschinen und 20 Montageautomaten und weiterer Anlagen genutzt, um die Halle für 150 Mitarbeiter und ein Nebengebäude zu heizen - auch in den kältesten Wintertagen.

Anzeige

"Energierecycling", nennt Helene Derksen-Riesen, die Leiterin des Gebäude- und Energiemanagements bei Weidmüller das. Dieses Recycling führt zu einem Verbrauch von 22 Kilowattstunden Strom pro Quadratmeter Halle im Jahr (womit das Gebäude nur etwas über dem Passivhausstandard liegt). Verglichen mit einer Fertigungshalle auf dem aktuellen Stand der Technik, spart die Fabrik in Detmold rund 1500 Tonnen Kohlendioxid. Das ist ungefähr die Menge an CO2, die sehr sparsame Autos auf einer Strecke von 15 Millionen Kilometern ausstoßen.

Aber nur die Heizkosten zu reduzieren, genügt den Detmoldern nicht. Künftig sollen Zähler an einzelnen Maschinen und den wichtigsten Komponenten wie Motoren und Heizung den Stromverbrauch erfassen. Bisher geben die meisten Maschinenhersteller im Industriebereich nicht an, wie viel Strom ihre Produkte fressen. Die Stromverbrauchmessung auf Mikroebene soll es Weidmüller ermöglichen, die Maschinen optimal effizient einzustellen und zu nutzen.

Und geizen will Weidmüller mit seinen Erkenntnissen im Bereich Energieeffizienz auch nicht: Inzwischen bietet das Unternehmen Kunden und anderen Unternehmern Führungen durch seine Sparfabrik an, die in diesem Jahr den GreenTec Award in der Kategorie Produktion gewinnen konnte.

Bio-Strohhalme: Trinkröhrchen vom FeldSie kommen in allen möglichen Farben und Längen daher - eines ist Strohhalmen aber fast immer gemein: Sie bestehen aus Kunststoff. Bisher jedenfalls. Denn jetzt macht ein Trinkhalmhersteller aus München dem Namen des Röhrchens alle Ehre. Dominik Wagner, Gründer von Bio-Strohhalme.com, verkauft seit knapp einem Jahr Trinkstaberln aus den Halmen von Roggen. Da der bis zu 1,5 Meter hoch wächst, werden aus einer Pflanze zwei Saugstengel.

Der Roggen wird Ende September von Bio-Landwirten ausgesät, ohne Chemiezusätze großgezogen und vor Schädlingen geschützt, um dann im Sommer geerntet zu werden. Damit ist die Arbeit aber noch nicht beendet. Die Halme werden von der Ähre befreit, zugeschnitten und dann gereinigt. 200.000 der Bio-Trinkhalme aus Stroh hat Wagner bisher verkauft. Weitere vier Millionen Halme sind auf Lager. Das Besondere: Gefertigt werden die Halme unter anderem von zehn Mitarbeitern in Behindertenwerkstätten.

Ein Beutel mit 50 Halmen kostet etwas mehr als fünf Euro. Auch Unternehmen wie Red Bull gehören inzwischen zu den Kunden von Wagner. Und das hilft tatsächlich auch der Umwelt: Denn statt Plastikprodukten, die im Müll landen, können die Röhrchen künftig einfach auf den Kompost. Dafür haben die Stohhalm-Pioniere aus München den GreenTec Award in der Kategorie Lifestyle gewonnen.

Borussia Dortmund und Lichtblick: Schwarz-Gelb wird GrünBorussia Dortmund war schon immer kein Klub wie jeder andere. Die Fans kamen zahlreicher und sie waren für gewöhnlich auch lauter als die der Konkurrenten zwischen Kiel und München. Jetzt könnten sie tatsächlich auch noch grüner werden. Denn ihr Verein Borussia Dortmund bietet unter dem Label Strom09 (benannt nach dem Gründungsjahr des Vereins 1909) seit kurzem in Kooperation mit dem Ökostromanbieter Lichtblick aus Hamburg einen eigenen Stromtarif an.

Schon seit Februar 2013 versorgt Lichtblick das Stadion des Vereins, das Trainingsgelände und die Geschäftsstelle mit Ökoenergie. Die Heimstätten des BVB haben pro Jahr immerhin einen Verbrauch von 7,9 Gigawattstunden Strom (ungefähr die Jahresproduktion von zwei Windrädern)

Strom09 ist dabei nicht unbedingt günstiger als herkömmliche Stromtarife (die Kilowattstunde kostet 26,26 Cent zusätzlich einer monatlichen Grundgebühr von 9,90 Euro). Für Fans dürfte aber im Vordergrund stehen, dass ihr Verein die Versorgung anbietet und Goodies wie BVB-Schlüsselanhänger, Taschen und einen speziellen Rabatt dazugibt.

Für jeden Punkt, den der Verein in dieser Saison holt, bekommen die Kunden (derzeit sind es 3000 Haushalte) eine Kilowattstunde geschenkt. Nach dem 32. Spieltag zählt der BVB 65 Punkte. Das macht immerhin knapp 20 Euro Rabatt.

Bei Fans des FC Bayern München, und das ist wohl der einzige Wehrmutstropfen für die Borussen-Anhänger, wären es in diesem Jahr ein paar Euro mehr gewesen. Der Jury der Greentec-Awards war der Einsatz des Fußballclubs aus dem Ruhrgebiet für eine grüne Stromversorgung die Auszeichnung in der Kategorie Kommunikation wert.

O'pflanzt is: Urban Gardening in MünchenGemüse in der Stadt anzubauen, ist inzwischen zu einer weltweiten Bewegung geworden. In der US-Hauptstadt Washington eröffnete kürzlich die größte Stadtfarm der Welt, in der Gemüse wächst. In Berlin plant das Startup ECF derzeit sogar eine Anlage in der Fische und Gemüse zusammen gedeihen - die inzwischen berühmten Tomatenfische.

Aber auch in München liegen Stadtfarmen im Trend. Ganz im Slang der bayerischen Hauptstadt heißt das Projekt dort "O`planzt is". Zwischen den Stadtteilen Schwabing und Nymphenburg gärtnern dort auf mehr als 3000 Quadratmetern Münchner aller Altersstufen.

Dabei steht nicht der kommerzielle Verkauf der Ackerprodukte wie in Berlin und Washington im Vordergrund, sondern auch das Heranführen von Jugendlichen an das Gärtnern und die Natur. Aber nicht nur Pflanzen wachsen in dem Stadtgarten, sondern auch Bienen haben dort ein Zuhause. Für ihr Engagement erhalten die Freiwilligen, die den Garten leiten, den WWF Sonderpreis bei den Greentec-Awards.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%