Grün gebaut: Nachhaltigkeit wird für Stadtplaner immer wichtiger

Grün gebaut: Nachhaltigkeit wird für Stadtplaner immer wichtiger

von Angela Schmid

Der Flughafen Stuttgart und die Hamburger HafenCity werden nach ökologischen Kriterien weiterentwickelt. Davon profitieren nicht nur die Anwohner.

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Vorbildlich: drei Windräder und eine Solaranlage auf dem Dach der Greenpeace-Zentrale in der Hafencity in Hamburg.

Das SkyPort-Bürogebäude als neue Zentrale der Flughafengesellschaft Stuttgart Airport City ist mit dem Vorzertifikat in Gold der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet worden. Nicht zum ersten Mal. Bereits 2013 wurde der Flughafen als einer der ersten Standorte weltweit vorzertifiziert.

Die Betreiber freuen sich darüber, dass ihr Konzept eines "Fairports" Anerkennung findet - von Stromsparideen bis hin zur Aufenthaltsqualität der Menschen im fertigen Gebäude. Sogar auf die Wertstabilität achtet die DGNB. Für die weltweit tätige gemeinnützige Organisation, die Wege und Lösungen für nachhaltiges Planen, Bauen und Nutzen von Bauwerken entwickelt und fördert, spielen auch soziokulturellen und funktionalen Aspekten eine Rolle.

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Für ein Flughafengebäude alleine mag das ganz schön dick aufgetragen wirken - immerhin heben einige Meter weiter die emissionsstarken Flugzeuge ab. Aber bei Stadtplanern kommen solche Nachhaltigkeitskonzepte mittlerweile gut an, denn die Vorteile spielen in viele Bereiche rein, nicht nur den Energieverbrauch. Das beweist der Blick nach Hamburg.

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Im Parkhaus des Stuttgarter Flughafens steht auch eine intelligente Stromtankstelle. Hier zeigt Lars Walch, Projektleiter für E-Mobilität im Stromkonzern EnBW, wie es geht.

Das erste Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen in Deutschland wurde bereits 2007 von der HafenCity Hamburg GmbH vorgestellt. Vergeben wird es für besondere Leistungen bei der Realisierung nachhaltiger Hochbauten und soll Bauherren zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen motivieren. "Bewertet werden die ökologische, die ökonomische und die soziale Nachhaltigkeit eines Bauvorhabens", erklärt Professor  Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender und Geschäftsführer der HafenCity Hamburg GmbH.

HafenCity ohne Autos und Hochwasser

Die HafenCity ist vor allem durch den Pleite-Pech-und-Pannen-Bau Elbphilharmonie bekannt, die im Januar 2017 eingeweiht wird. Das Quartier gilt aber auch als erfolgreiches integriertes Stadtentwicklungskonzept, das die lokalen Bedürfnisse und globale Anforderungen gleichermaßen berücksichtigt. Auf einer Fläche von 157 Hektar entsteht bis voraussichtlich 2025 eine Stadt, die Arbeiten, Wohnen, Kultur, Freizeit, Tourismus und Einzelhandel zu einer "New Downtown" am Wasser verbinden soll. Bruns-Berentelg; "Die HafenCity ist ein Beispiel dafür, wie das Wohnen in die Stadt zurückgeholt wird."

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Die Fassade der Elbphilharmonie in der Skyline der Hafencity.

Ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit sei auch der Hochwasserschutz. Damit das Gebiet nicht überschwemmt wird, wurden die Straßen aufgeschüttet. Stellplätze sind verboten. Parkende Autos verschwinden in den hochwassergeschützten Tiefgaragen. "Wir bauen auf einem ganz neuem Niveau und schaffen Lösungen für eine räumliche Verknüpfung zwischen Wasser und Land", schwärmt der Geschäftsführer.

Ruhe dank kluger Fassaden und E-Mobilität

Die Kompatibilität von Leben und Hafennutzung sei weltweit ein großes Thema. Dafür wurde eine Lärmgrenze gesetzt und alle Gebäude mit HafenCity-Fenster ausgestattet, die den Lärm auch bei gekipptem Fenster auf 35 dBH reduziert. "Das ist eine große Innovation", so der Geschäftsführer. Die Fassaden der Gebäude seien zudem so ausgerichtet, dass sie sich nicht gegenseitig beschallen. "Die HafenCity gilt in der wissenschaftlichen Literatur als Referenzbeispiel für große in Wassernähe gelegene Projekte."

Priorität haben öffentliche Verkehrsmittel wie Wasserstoff-Busse. Car-Pools, Elektromobilität und das Rad haben Vorfahrt. Der ruhende Verkehr verschwindet unter den höher gelegenen Gebäuden.  Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs solle auf etwa 20 bis 25 Prozent reduziert werden, so Bruns-Berentelg. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern dürfte auch die anstehenden Veränderungen im Mobilitätssektor vorwegnehmen.

Der Strombedarf wird durch regenerative Energien im Gebäude und dezentral vom Energieversorgungsunternehmen gedeckt. Durch die Verbindung von Gebäude- und Fahrzeugtechnik entsteht zudem eine neue Schnittstelle, die in Zukunft für  Smart-Grid-Lösungen und damit der Elektroautos als Energiespeicher nutzen sollen. Die Emissionen sind dank Fernwärme recht gering, kombiniert mit Solarthermie und geothermischen Anlagen auf der einen und einer Einbindung des Meeres auf der anderen Seite sollen die Temperaturen das ganze Jahr über angenehm bleiben.

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