Grüne Startups: 5 Regeln für erfolgreiche Jungunternehmer

Grüne Startups: 5 Regeln für erfolgreiche Jungunternehmer

von Marius Hasenheit

Mehr als zwei Drittel der Startups geben nach 20 Monaten auf. Wie man die Gründungsphase meistert, zeigt ein Jungunternehmen aus Berlin.

Ob Fischfarmen in Berlin oder künstliche Bäume, die Feinstaub aus der Luft ziehen: Viele grüne Startups begeistern mit ihren Ideen. Doch viele junge Unternehmen verschwinden so schnell, wie sie aufgetaucht sind. Laut dem Startups R.I.P.-Report „sterben“ 71 Prozent der jungen Unternehmen bereits etwa 20 Monate nach ihrer letzten Finanzierungsphase.

Doch das muss nicht sein, wie die vielen erfolgreichen Startups zeigen, die es bis ins Erwachsenenalter schaffen. Welche Regeln Gründer befolgen müssen, um die Hürden zu überwinden, lässt sich am Beispiel von Fairmondo beispielhaft zeigen – einem der ambitioniertesten Nachhaltigkeits-Startups in Deutschland.

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Fairmondo (2012 als Fairnopoly gegründet) ist ein Onlinemarkt, der als Alternative zum Branchenriesen Amazon Internet-Shopping für nachhaltige Produkte anbietet und dabei selbst nachhaltig arbeiten will. Das Team um den Gründer Felix Weth will faire Produkte und Transparenz vorziehen, statt auf dem Rücken der Mitarbeiter den großen Reibach zu machen. Fünf große Herausforderungen mussten Weth und sein Team seit der Gründung überwinden, anhand derer sich auch Regeln für erfolgreiche Gründer formulieren lassen:

1. Die passende Finanzierungsidee für das Startup finden

Die Beschaffung von Kapital für die eigene Geschäftsidee ist das größte Hindernis für Jungunternehmer, wie der Bundesverband Deutscher Startups im letzten "Startupmonitor" zeigte. Von 903 befragten Jungunternehmen gaben 38 Prozent an, dass der Zugang zu Venture Capital ein „schweres“ beziehungsweise „äußerst schweres“ Hemmnis sei.

Das passt zum Gesamtbild. Laut dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) investieren Wagniskapitalgeber in Deutschland nur wenig in junge Unternehmen. 2012 handelte es sich um 521 Millionen Euro und damit um ein gutes Viertel weniger als im Jahr 2011. Zum Vergleich: In den USA wurden im Jahr 2012 rund 27 Milliarden Dollar in Startups investiert.

Fairmondo musste jedoch nicht erst auf einen Wagniskapitalgeber warten. Die Berliner setzten von vornherein nicht auf Kredite sondern auf eine Finanzierung über eine Genossenschaft und Crowdfunding. Für einen Betrag zwischen 50 und 10.000 Euro kann jeder Interessent Anteile am Unternehmen erwerben. Die Obergrenze soll verhindern, dass sich ein Genosse die Entscheidungshoheit erkauft. Momentan hat die Genossenschaft mehr als 1.800 Mitglieder.

2. Auffallen in der Flut von Crowdfunding-Kampagnen

Fairmondo fuhr zwei große Finanzierungsrunden über die Crowdfunding-Plattform Startnext, bei denen das Startup den stattlichen Betrag von 380.000 Euro einsammeln konnte. Hinzu kamen noch zwei kleinere, projektbezogene Runden. Doch die zunehmende Flut von Crowdfunding-Kampagnen macht es immer schwerer, Aufmerksamkeit bei potenziellen Geldgebern zu erzielen. So wurden allein auf Startnext bis Ende Juni 2014 knapp 3.100 Projekte vorgestellt, jedoch nur 1.725 davon wurden erfolgreich finanziert.

Inzwischen gibt es eine Fülle von Funding- und Investingplattformen (hier ein Überblick), auf denen Projekte nach Finanzierung suchen. Für grüne Ideen stehen spezialisierte Plattformen wie Ecocrowd, Bettervest, Econeers und Oneplanetcrowd zur Verfügung. Wer überzeugen will, braucht ein Alleinstellungsmerkmal und eine Vision. Fairmondo überzeugte letztendlich nicht mit einem neuen Produkt, sondern mit ihrem Alternativkonzept zu Amazon.

3. Ansprüche an sich selbst realistisch halten

Besonders Startups im nachhaltigen Bereich stellen oft sehr hohe Ansprüche an sich. Die angebotenen Produkte sollen ökologisch und transparent hergestellt und die Arbeitsbedingungen so fair wie möglich sein. Damit sind natürlich meist höhere Kosten verbunden, die für ein junges Unternehmen zunächst schwer zu schultern sind. Auch Fairmondo hat durch seine Nachhaltigkeits-Mission einen Mehraufwand.

Denn sie verkaufen nicht nur ihre Version einer öko-sozial verträglichen Form von Wirtschaft – sondern leben sie selber vor. Daher beschlossen sie auch, dass der höchste Lohn eines Angestellten nie mehr als das Dreifache vom niedrigsten Gehalt betragen kann. Derzeit bekommt das Vorstandsmitglied Weth wie die meisten Angestellten nur ein sogenanntes „solidarisches Einstiegsgehalt“ von 1.700 Euro brutto bekommt. Qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen, kann so schwierig werden.

Zudem erhebt Fairmondo den Anspruch, ein komplett transparentes Unternehmen aufzubauen und alle Zahlen des Unternehmens öffentlich zu machen. Das schuldet das Unternehmen nicht zuletzt den Genossenschaftsmitgliedern. Doch wo die Genossenschaft für nachhaltige Entrepreneure die ideale Unternehmensform scheint, bringt sie auch Schiwerigkeiten mit sich.

4. Entscheidungsprozesse flexibel und effektiv gestalten

Die Entscheidungsfindung in einer Genossenschaft ist mitunter sehr aufwendig. Große Unternehmensentscheidungen, wie die Umbenennung muss die Generalversammlung treffen. Da kann es schwierig werden, eine Mehrheit zu finden und handlungsfähig zu bleiben. Auch das Einbeziehen aller Mitglieder ist bei stetigem Wachstum der Genossenschaft ein Problem. Fairmondo reagierte auf den Organisationsaufwand mit der Einführung von Onlineabstimmungen mit Hilfe der Liquid-Feedback-Plattform Partou. Die Genossenschaftsmitglieder haben Nutzernamen und Zugangsdaten für die Diskussionen und Abstimmungen erhalten, und konnten sich so von zu Hause aus einbringen.

5. Die richtige Nische finden

Der Druck etwas völlig Neues anzubieten, ist bei den meisten Startups da. Fairmondo setzte dabei nicht nur auf gewöhnliche, nachhaltig hergestellte Produkte, sondern auch auf eher Ungewöhnliches wie Pilze von Chidos, Zimmergewächshäuser und die unter Kennern bekannten scharfen Soßen von Mexican Teams.

Um ständig neue Produkte zu finden, besucht das Vertriebsteam von Fairmondo nicht nur viele Messen, sondern ermutigt die Hersteller, ihre Produkte selber auf dem Onlinemarktplatz anzubieten. Dabei verlässt sich das Fairmondo-Team auf verschiedene Siegel, aber auch auf Selbstauskünfte der Hersteller. Schließlich besitzt nicht jedes Produkt, das die Kriterien des fairen Handels erfüllt auch ein Siegel. Halten die Produkte nicht, was sie versprechen, behält sich Fairmondo vor, das Produkt zu entfernen oder gar eine Anzeige wegen Betrugs zu erstatten.

Trotz aller Hindernisse sind die Verlockungen, eine eigene Idee zu verwirklichen, stark. Jährlich wagen in Deutschland etwa 306.000 Unternehmer im Vollerwerb und 562.000 im Nebenerwerb den Schritt in die Selbständigkeit. Wer dann die ersten zwei Jahre übersteht, der hat gute Chancen, sich zu etablieren. Fairmondo, 2012 als Fairnopoly gegründet, ist unter dem neuen Namen seit September 2013 online und damit in der ersten Phase der Bewährungsprobe. Seitdem sind die Umsätze um 30 Prozent und die Neuregistrierungen um 100 Prozent gestiegen.

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