Grüne Wirtschaft: Sie scheitert an der Kommunikation

Grüne Wirtschaft: Sie scheitert an der Kommunikation

Um umweltfreundlicher zu wirtschaften, müssen Unternehmen investieren. Geldgeber aber sind skeptisch. Warum, zeigt eine Umfrage.

Lange waren Wirtschaft und Nachhaltigkeit ein Paar wie Hund und Katz. Die Bosse großer Konzerne hielten die Sorge um die Umwelt für eine unprofitable Freizeitbeschäftigung von grünbewegten Hippies; die wiederum schimpften die Anzugträger als von Rendite getriebene Weltzerstörer.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Nachhaltigkeit durchaus gut für die Rendite und damit die Wirtschaft sein kann. Unternehmen engagieren sich mittlerweile für den Klimaschutz, sparen Energie und Abfall und damit bares Geld. Die Idee der Nachhaltigkeit hat also ihren Marsch durch die wirtschaftlichen Institutionen angetreten. Die von beinahe allen Großunternehmen jährlich vorgelegten Nachhaltigkeitsberichte sind ein deutliches Zeichen dafür.

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Investoren glauben an NachhaltigkeitAllerdings stoßen die Nachhaltigkeitsbemühungen in Unternehmen derzeit an eine Grenze. Die niedrig hängenden Früchte sind geerntet, die einfachen und günstigen Maßnahmen umgesetzt. Zunehmend müssen Unternehmen längerfristige Investitionen für ihre grünen Projekte tätigen. Doch Mittel dafür zu finden ist schwierig. Warum, zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung Accenture und der UN-Investoreninitiative Prinzipien für Verantwortliches Investieren (UN PRI).

Demnach haben Großanleger und Unternehmen zwar durchaus ähnliche Ansichten, doch sie verstehen sich nicht. Institutionelle Investoren messen der Nachhaltigkeit zwar die gleiche hohe Bedeutung zu wie Vorstände. Dies sei der richtige Weg, um die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu erhöhen, sagten 88 Prozent von 83 Großanlegern laut der Umfrage. Nachhaltigkeit sei ein wesentlicher Faktor für Unternehmen, führend in einer Branche zu sein, meinen jeweils mehr als drei Viertel der Anleger und Top-Konzernchefs, die Accenture 2013 befragte. Doch damit hören die Übereinstimmungen schon auf.

Weniger als ein Zehntel der Investoren meint, Unternehmen könnten ihre nachhaltig ausgerichtete Strategie samt Vorteilen auch tatsächlich vermitteln. Noch weniger geben an, dass die Unternehmen den Wertbeitrag von Nachhaltigkeit quantifizieren könnten. Das erschwere es sehr, Investments entsprechend zu steuern.

Hier zeigt sich eine erstaunliche Diskrepanz in der Argumentation: Zwar gilt Nachhaltigkeit als gut für Bilanz und die Wettbewerbsfähigkeit – wenn es an konkrete Nachweise geht, fehlen die aber laut den Investoren.

Interessant ist: Auf der anderen Seite meinen die meisten Konzernlenker, sie könnten ihre Nachhaltigkeitsstrategien inklusive deren Pluspunkte aufzeigen. Gut ein Drittel geht gar davon aus, die nachhaltigen Werte, die sie schaffen, genau messen zu können. Viele Investoren bemängelten wiederum, dass Unternehmen Nachhaltigkeit separat behandeln statt sie als materiell wichtiges Thema in die Finanzdiskussionen aufzunehmen.

Zu sehr auf die Zahlen fokussiert„Unternehmen und Investoren haben möglicherweise radikal unterschiedliche Ansichten dazu, was Nachhaltigkeit ist und wie eine Wertermittlung aussehen müsste“, warnt der Bericht.

Umgekehrt sind aber auch Investoren oft fast ausschließlich auf finanzielle Kennzahlen fokussiert. Drei Viertel der Befragten räumen ein, fehlende Anerkennung durch den Kapitalmarkt behindere die Unternehmen, Nachhaltigkeit in ihr Kerngeschäft zu integrieren.

„Diese auf klassische Finanzkennzahlen reduzierte Kommunikation zwischen Unternehmen und Investoren ist ein Relikt der auf kurzfristigen Gewinn orientierten Shareholder Economy“, kritisiert Alexander Holst, der den Bereich Sustainability Services bei Accenture leitet. Es mangele auf Investorenseite an der Fähigkeit, soziale und ökologische Leistungen in ihre Analysemodelle zu integrieren.

„Unternehmen sind dem Finanzmarkt durchschnittlich fünf Jahre voraus, wenn es um die Bereitschaft und die Fähigkeit geht, vernünftig über Nachhaltigkeit zu reden“, erklärt Erik Jan van Bergen von der niederländischen SNS Asset Management die Diskrepanz in der Wahrnehmung.

Aber derart aneinander vorbeizureden, kann der unternehmerischen Entwicklung schaden. „Wenn Asset Manager die Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen weder sehen noch verstehen, dann machen sie in der Bewertung der zukünftigen Gewinnerwartungen ihrer Anlageobjekte auch keine Unterschiede zwischen mehr oder weniger nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen“, folgert Holst. „Für kapitalmarktorientierte Unternehmen wird es unter solchen Bedingungen sehr schwer, Investitionen in ihre eigene soziale und ökologische Zukunftsfähigkeit zu tätigen.“

Sobald Unternehmen plausible und quantifizierbare Verknüpfungen zwischen nicht-finanzieller Leistung und finanzieller Performance darstellten, würden Investoren dies auch belohnen, glaubt Holst. Wichtig sei deshalb, die Vorteile zumindest in geldwerten Maßstäben anzugeben oder auf wesentliche finanzielle Wertreiber hinzuweisen, um die reinen Finanzkennzahlen zu ergänzen.

Bisherige Quantifizierungen beschränkten sich meist auf Einsparungen durch Ressourceneffizienz und teils verminderte Risiken. Unbeachtet blieben die Wachstumschancen durch ökologisch und sozial angepasste Innovationsstrategien, Produkte und Dienstleistungen.

Wie bedeutsam eine nachhaltige Ausrichtung ist, zeigt sich daran, dass manche Investoren bereits einen Zusammenhang zwischen höheren Renditen und nachhaltigem Wirtschaften einiger Unternehmen in ihrem Portfolio aufzeigen können.

Kürzlich haben dies die Nachhaltigkeitsforscher Tobias Peylo und Stefan Schaltegger von der Universität Lüneburg für Dax-Titel in den Jahren zwischen 2003 und 2012 untermauert: Portfolios, die anhand von Nachhaltigkeitskriterien zusammengestellt waren, übertrafen demnach die normalen Dax-Werte in Krisen-Quartalen um durchschnittlich rund 20 Prozent.

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Weitere Informationen zum Thema Nachhaltigkeit finden Sie in der jüngsten Ausgabe des „Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments“. Ein kostenfreies Abo erhalten Sie hier: www.handelsblatt-nachhaltigkeit.de

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