Grünes Örtchen: Diese Toilette soll der Umwelt helfen

Grünes Örtchen: Diese Toilette soll der Umwelt helfen

von Sabrina Keßler

Mit Sägespanen und Holzdekor wollen die Macher der EcoToiletten das dringende Bedürnis zu einem geruchslosen und nachhaltigen Erlebnis machen.

Auf Baustellen, Straßenfesten und vor allem auf Festivals fristen die meist blauen Klohäuschen ihr geruchsintensives Dasein. „Nase zu und durch“, heißt da die Devise, wenn es gar nicht anders geht. Was mit ihren Hinterlassenschaften passiert, ist den meisten Nutzern egal. Hauptsache schnell wieder raus.

Den Gründern des Dresdner Unternehmens EcoToiletten ist es nicht egal. Sowohl gegen den Geruch als auch für die Hinterlassenschaften der Nutzer haben sie ein Konzept entwickelt, das die Häuschen in geruchsneutrale Umweltwunder verwandelt.

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In den EcoToiletten soll alles grün sein: die Materialien für den Bau, die Produkte innen drin wie das Bambus-Klopapier (auch wenn das möglicherweise gar nicht so grün ist) oder nachhaltiges Reinigungsmittel. Selbst das Produkt des Nutzers wird am Ende zu nährstoffreichem Humus.

Dass das grüne Örtchen nicht riecht, verdankt es einem Trick: Die Komposttoilette wird mit einer Streuschicht aus Rindenschrot und Sägespänen befüllt. Dadurch wird Feuchtigkeit im Inneren aufgesogen – und unangenehme Gerüche sollen so eliminiert werden.

Vom Freizeitspaß zum Klo-ErfinderDie Idee dazu kam den Gründern bereits 2012 nach einer Radtour von Berlin nach Indien. Weil dort vielen Menschen der Zugang zu sanitären Anlagen und fließendem Wasser verwehrt ist, entwickelten sie einfache Komposttoiletten, die zwar nur das nötigste beinhalten, aber zumindest einen würdevollen Klogang ermöglichen. Zurück in Deutschland schließlich ließ sie ihre Erfindung nicht mehr los – und sie bauten den ersten serienreifen Prototypen.

Das Grundmaterial der 80 Kilogramm schweren Ökowunder ist Holz. Sowohl der Sockel als auch der Sitz, die Tür und der Boden bestehen aus Siebdruckplatten aus Odenwälder Lerchenholz. Die Abdeckung darüber ist aus einer wetterfesten Plane gefertigt.

In einem Behälter aus kompostierbaren Maisstärke-Taschen liegt zudem eine Kelle und das Streumaterial, das nach jeder Benutzung in die Toilette gegeben wird. Zusätzlich verfügen die Toilettenkabine über eine elektronische Photovoltaik-Lampe mit Bewegungsmelder, falls es auf der Baustelle oder dem Festival mal dunkel werden sollte.

Praktisches Design, ökologischer NutzenPro voller Toilette – einem 75 Liter Fass – sparen sich Betreiber nach Unternehmensangaben nicht nur unangenehme Gerüche, sondern auch 1500 Liter Wasser und 440 Gramm Kohlenstoffdioxid im Vergleich zu einem herkömmlichen WC.

Die Hinterlassenschaften wiederum werden nach Gebrauch der Toilette direkt kompostiert. Aus nur einem Festival entstehen etwa 0,75 bis zwei Tonnen Kompostmaterial, das dann je nach Bodenart etwa alle drei Jahre aufgetragen werden kann und als Bodenverbesserer die Pflanzen mit Nährstoffen versorgt.

Fast 100 Festivals und 50 Baustellen haben die Gründer bereits mit ihren stillen Örtchen beliefert. Mieten und kaufen – eine Toilette kostet 79 Euro pro Monat – kann man die EcoToiletten derzeit allerdings nur in Berlin und Brandenburg.

Um schnell wachsen zu können und schon bald ganz Deutschland zu beliefern, haben die drei Gründer eine Aktion auf der Crowdfunding-Plattform Startnext initiiert. Ihr Ziel: 17.000 Euro, mit denen sie mindestens 25 EcoToiletten bauen und nach Nordrhein-Westfalen schicken wollen.

Spende für IndienZehn Prozent des jährlichen Überschusses, die das Team erzielt, fließen übrigens weiterhin nach Indien. Mit dem Verein Non-Water Sanitation unterstützen die Gründer Sanitärprojekte in südlichen Ländern.

Noch mehr Infos zu den EcoToiletten von den Gründern selbst gibt es hier:

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