Häuser als Kraftwerke: Fabrik soll Solarfassaden am Fließband produzieren

Häuser als Kraftwerke: Fabrik soll Solarfassaden am Fließband produzieren

von Andreas Menn

Forscher planen eine Fabrik für individuelle Solarmodule. Architekten könnten so bald Solarfassaden per Mausklick bestellen.

Juras Ulbikas hat einen Traum: Sonnenstrom soll so günstig werden, dass er sich für jeden lohnt. Und darum sollen Solarmodule, wenn es nach dem litauischen Forscher geht, bald nicht mehr umständlich auf dem Dach montiert werden. "Solarmodule sollten Teil des Gebäudes werden", findet er, "und sich so einfach einbauen lassen wie Ziegelsteine, Betonteile oder Fenster."

Ulbikas, der als Leiter der Forschungsgruppe am Applied Research Institute for Prospective Technologies (ProTech) in Vilnius arbeitet, hat schon einen Plan, wie das funktionieren kann. Er will Fassaden aus Solarzellen zu einem Massenprodukt machen.

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Bisher werden Solarmodule für die so genannte gebäudeintegrierte Fotovoltaik (englische Abkürzung: BIPV) meist umständlich per Hand gefertigt, weil sich jedes in Form, Größe und mitunter auch Farbe unterscheidet. Das kostet Zeit - und viel Geld.

Ein EU-Forschungsprojekt namens Smart Flex, das Ulbikas leitet, soll das nun ändern. Künftig sollen Architekten am Computer ganze Solarfassaden entwerfen - und die Entwürfe mit einem Mausklick zu einer Solarfabrik schicken. Dort sollen dann die einzelnen Module, jedes ein Unikat, nahezu vollautomatisch vom Band kommen.

Solarfassaden bauen einfach gemachtAuf der Baustelle müssen die Bauarbeiter die einzelnen Elemente nur noch zur einer Glasfassade zusammenfügen - so wie es heute mit gewöhnlichen Glasfenstern geschieht. Jedes einzelne Modul soll bereits mit einem so genannten Mikroinverter ausgestattet sein, der den Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt. "Das macht es  Bauarbeitern sehr leicht, die Solarfassade ins elektrische Netz des Hauses einzubinden", hofft Ulbikas.

Vor allem aber soll die Plug-and-Play-Lösung Architekten die Arbeit erleichtern. "Ihr Wille, Solartechnik zu nutzen, entscheidet darüber, wie erfolgreich die Fotovoltaik in den Bausektor eindringt", sagt Ulbikas. Sein Kalkül: Je einfacher und zuverlässiger die Technik wird, desto mehr Gebäudeplaner werden sich an Solarprodukte heranwagen. 

Marktfoscher erwarten, dass das BIPV-Geschäft in den kommenden Jahr stark wächst - laut einer Nanomarkets-Studie auf 7,5 Milliarden  Dollar im Jahr 2015.

Auch Berlin ist an Förderprojekt beteiligtDas EU-Projekt soll nun eine Pilotfertigungslinie für individuelle Solarfassadenteile aufbauen. Im litauischen Klaipeda sollen sich verschiedene Solarelemente an einem Testgebäude bewähren. Die Ansprüche sind hoch, so müssen Bauelemente 25 bis 30 Jahre halten, um Industriestandards zu entsprechen. Darum setzt das EU-Projekt auf herkömmliche Silizium-Zellen, die eine entsprechend lange Lebensdauer haben.

Zu den Partnern des mit 2,9 Millionen Euro geförderten Projekts zählen unter anderem das Photovoltaik-Institut Berlin,  der litauische Glashersteller Glassbel und das Schweizer Kompetenzzentrum für gebäudeintegrierte Photovoltaik (SUPSI).

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