Handel: Ressourcenschutz durch Re-Commerce – Die digitalen Flohmärkte boomen

Handel: Ressourcenschutz durch Re-Commerce – Die digitalen Flohmärkte boomen

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Handel mit gebrauchten Produkten: Ein Geschäftsmodell, das sich großer Beliebtheit erfreut. (Foto: reBuy)

Vor allem Elektrogeräte aus deutschen Schubladen und Kellern finden zu neuen Nutzern und bescheren den Onlineportalen enorme Zuwachsraten. Die Wiederverwendung schont dabei Ressourcen noch effizienter als Recycling.

FLIP4NEW, momox, reBuy, WIRKAUFENS. Die Liste der Portale, die mit Gebrauchtartikeln im Internet handeln, ist lang. Inzwischen gibt es Webseiten, die mehr als 50 verschiedene Portale vergleichen, um das beste Angebot bei Büchern, CDs, Spielkonsolen oder Mobiltelefonen zu finden. Die Branche wächst, und auch traditionelle Onlinehändler wie Amazon entdecken den Markt für sich.

Im Jahr 2011 ließ die Frage eines Journalisten nach der neuen Konkurrenz den Co-Founder und CEO von reBuy, Lawrence Leuschner, noch gelassen. Steigende Ausgaben für Marketing könnten die Branche als Ganzes fördern. Bisher scheint er Recht zu behalten. Die bekanntesten Unternehmen verbuchten über die letzten Jahre gewaltige Zuwächse. reBuy erzielte einen Umsatzanstieg von 4,8 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 70 Millionen Euro im Jahr 2015. momox kann eine ähnliche Entwicklung vorzeigen und wuchs von 10 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 120 Millionen Euro im Jahr 2015. Und auch FLIP4NEW wuchs um ca. 164 Prozent innerhalb von drei Jahren seit dem Jahr 2011.

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In Regalreihen werden die Produkte gelagert. (Foto: reBuy)

In Regalreihen werden die Produkte gelagert. (Foto: reBuy)

Die Unterschiede zwischen den Plattformen liegen im Detail. WIRKAUFENS, FLIP4NEW und momox sind reine Ankäufer. Während WIRKAUFENS und FLIP4NEW nur mit Elektronikartikeln handeln, konzentriert sich momox bisher ausschließlich auf Bücher, Filme, CDs, Games und Kleidung. reBUY bietet die größte Bandbreite an Artikelkategorien und schließt beispielsweise Kopfhörer oder Kameras mit ein, verkauft aber auch selbst über das Portal. Dies mag auch an den unterschiedlichen Kooperationen mit anderen Unternehmen und deren Portfolio liegen. momox, beispielsweise, arbeitet mit Amazon, FLIP4NEW mit Media Saturn und Ebay.

Wie funktioniert Re-Commerce?

Man könnte denken Gebrauchtwaren auf Onlineportalen gibt es schon lange. Die Portale arbeiten aber durchaus mit einem etwas anderen Modell. Der Ankaufprozess wird durch Festpreise erleichtert. Über die Eingabe der ISBN, EAN oder die Artikelbezeichnung erhält der Verkäufer direkt die Angebote. Nach Registrierung der Artikel sendet der Besitzer das Paket, oft zum Nulltarif, und auch mit mehreren Waren gleichzeitig, zum Händler. Dieser überprüft die Waren, bezahlt den Verkäufer, und setzt die Artikel bei Bedarf Instand. Der Weiterverkauf findet dann im eigenen oder auf Portalen von Partnern statt und bietet im Fall von reBuy noch eine Garantie.

Defekte Geräte werden von Mitarbeitern wieder instand gesetzt. (Foto: reBuy)

Defekte Geräte werden von Mitarbeitern wieder instand gesetzt. (Foto: reBuy)

Laut dem Digitalverband Bitkom liegen in Deutschland schätzungsweise 100 Millionen Mobiltelefone in Schubladen. Das Geschäftsmodell zielt auf diese Schubladen ab, und trägt damit auch insgesamt zu einer besseren Nutzung von Ressourcen bei. Bei der Entsorgung durch Recycling gehen zwangsweise einige der Stoffe verloren, vor allem die noch sehr schwer recycelbaren seltenen Erden. Die Wiederverwendung wird in der Abfallhierarchie daher vorgezogen.

Nichtsdestotrotz gibt es auch beim Nachhaltigkeitsmanagement der Unternehmen Unterschiede. Während sich die meisten auf einen Verweis zur Ressourcenschonung durch das Geschäftsmodell beschränken, gehen einige einen kleinen Schritt weiter. FLIP4NEW und WIRKAUFENS arbeiten beispielsweise mit DHL GoGreen, um den Versand CO2-neutral zu gestalten.

Als besondere Herausforderung für die Zukunft beurteilt Kambiz Djafari, Pressesprecher bei FLIP4NEW, die Massen an gebrauchter Trade-in Ware noch schneller zu prozessieren, die durch immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen entstünden. Leuschner sieht die Herausforderung im Management der Produktdaten zur Gestaltung nachhaltiger Konsumwege: „Wir arbeiten kontinuierlich daran große Datenmengen über viele Produkte zu sammeln, um für alle das beste Preis-Leistungsverhältnis anbieten zu können.“

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