Hannover Messe: Fünf grüne Ideen, die uns begeistert haben

Hannover Messe: Fünf grüne Ideen, die uns begeistert haben

von Andreas Menn

Heizen mit Eis, autarke Solar-Laternen, Batterien für Windstrom: Diese grünen Innovationen der Hannover Messe sollten Sie gesehen haben.

1. Verysol: Straßenlaterne ohne Stromanschluss

An Deutschlands Straßen leuchten nachts 13,5 Millionen Laternen. Zusammen verbrauchten im Jahr 2009 bis zu vier Terawattstunden Strom - das entspricht dem Verbrauch von einer Million Haushalten.

Das Dortmunder Unternehmen Verysol bietet Städten nun eine umweltfreundliche Alternative: Eine Laterne, die sich selbst mit Solarstrom versorgt. Sie trägt an der Spitze des Masts ein Solarmodul, das Strom in einen darunter montierten Blei-Gel-Akku speist. Die Lampe selbst ist aus sparsamen LED gebaut.

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Mit einem Kaufpreis von mehr als 2000 Euro ist die Laterne deutlich teurer als heutige  Modelle. Dafür verbraucht sie keinen Strom - und ihre Lampe muss auch nicht alle ein bis zwei Jahre ausgetauscht werden. Das senkt die Betriebskosten. "Gegenüber herkömmlichen Laternen spart unser Modell in zehn Jahren 2000 bis 3000 Euro", sagt Geschäftsführer Christof Henz.

Mit dem Solar-Panel und dem Akku wirkt die Laterne etwas klobig. Und nach acht bis zehn Tagen Schneefall im Winter ist der Akku leer. Aber sie kann, anders als die meisten Modelle, per Funk an- und ausgeschaltet werden. In Braunschweig, im Sauerland, in Nigeria und Saudi-Arabien steht die Laterne schon.

2. ZSW: Brennstoffzelle fürs Wohnwagen und die Gartenlaube

Eine Alternative zum Dieselgenerator hat das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) entwickelt - in Form einer Brennstoffzelle, die Strom und Wärme aus Bioethanol herstellt. Das ist jener Biosprit, den Autofahrer auch im E10-Kraftstoffe tanken.

Das Gerät, so groß wie ein Umzugskarton, verwandelt den Kraftstoff zuerst in ein wasserstoffreiches Gas. Dies nutzt die Brennstoffzelle, um Strom und Wärme zu erzeugen. Im Laufe eines Tages - binnen zehn Stunden - verwandelt das Klein-Kraftwerk fünf Liter Bioethanol in zehn Kilowattstunden Strom um - genug, um einen typischen Haushalt zu versorgen. Ein Lithium-Ionen-Akku speichert den Strom zwischen. Zudem entsteht Wärme, die das Gerät in eine Heizungsanlage speisen kann.

Mögliche Einsatzorte des Kraftwerks sind Berghütten, Wohnmobile, Rettungsfahrzeuge, Segelyachten. Anders als Dieselgeneratoren arbeitet die Brennstoffzelle leise und vibrationsfrei. Und sofern das Ethanol aus Pflanzenabfällen stammt, ist der CO2-Fußabdruck der Technik sehr gering.

3. Viessmann: Heizen mit Eis

Ein riesiger Turm aus runden Eisscheiben steht auf dem Stand des Heiztechnikherstellers Viessmann aus dem hessischen Allendorf. Und mit Eis sollen Hausbesitzer künftig immer öfter ihr Eigenheim beheizen.

Das klingt paradox, beruht aber auf kühler Berechnung: Beim Gefrieren von Wasser, also dem Übergang von flüssigem Wasser zu festem Eis, wird enorm viel Wärmeenergie frei. Fachleute sprechen von Kristallisationswärme. Und die lässt sich mit einer Wärmepumpe nutzen.

Beim System von Viessmann funktioniert das wie folgt: Zehn Kubikmeter Wasser werden in einem isolierten Tank mit drei Metern Durchmesser gespeichert, der neben dem Haus steht. Eine Wärmepumpe entzieht dem Wasser Wärme und speist diese in die Heizung - und bringt das Wasser zum Frieren. Ein Solarkollektor auf dem Dach nutzt die Wärme der Sonne dann, um das Eis wieder aufzutauen. Und der Kreislauf beginnt von vorn.

Der Vorteil: Das System heizt auch bei geringen Außentemperaturen und wenn wenig Sonne scheint. Wärmepumpen können zwar auch Wärme aus tiefen Bodenschichten oder aus der Luft ziehen. Doch nicht immer ist es möglich, erlaubt oder rentabel, tief zu bohren. Und für diese Fälle soll sich der Eisspeicher lohnen.

4. TU Berlin: Ökofahrad zum Nachbauen

Auch Fahrräder haben einen CO2-Fußabdruck, schließlich verschlingt ihre Herstellung viel Stahl, Aluminium und Strom. Rund 20 Studenten der TU Berlin bauen seit zweieinhalb Jahren ein Fahrrad, das umweltfreundlicher ist: Das NaWaRo-Fahrrad besteht so weit wie möglich aus nachwachsenden Rohstoffen.

Der Prototyp, der jetzt auf der Hannover Messe zu sehen ist, hat einen Rahmen aus Buchenholz, Speichen aus Bambus und Verbindungsstücke aus Hanf.  Der Lack ist aus Leinöl hergestellt, die Lenkergriffe sind aus Kork. Die Fahrradlampe soll aus Biokunststoff entstehen.

Für den Rahmen, der aus einzelnen Holzlatten besteht, mussten die Berliner eine neue Bauweise entwickeln. Die Bauanleitungen für alle Einzelteile wollen die Studenten nach und nach ins Netz stellen - damit jeder sein eigenes Fahrrad schreinern und schrauben kann. Und das mit einfachen Werkzeugen, darunter Tischkreissägen und Hobel.

Damit unterscheiden sich die Entwickler von anderen Mitgliedern der OpenSource- und DoItYourself-Bewegung, die auf teure Techniken wie CNC-Fräsen und 3D-Drucker setzen. "Unser Rad soll sich mit möglichst einfachen Mitteln aus dem Baumarkt nachbauen lassen", sagt Thomas Finger, der das Projekt als Tutor an der TU Berlin betreut. "Man muss ja nicht immer alles kaufen, sondern kann auch vieles selbst produzieren."

Das Holz wollen die Studenten bald aus dem Berliner Stadtforst beziehen - um die regionale Wirtschaft zu fördern. Allerdings: Kette, Zahnräder, Lenkerstange und Kugellager sind immer noch aus Metall und aus dem Fachhandel - und lassen sich in absehbarer Zeit auch nicht mit nachwachsenden Rohstoffen ersetzen.

5. Fraunhofer Umsicht: Batterie zum Nachfüllen

Preiswerte Speicher für Wind- und Sonnenstrom werden dringend gesucht. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) in Oberhausen wollen das Problem mit einer besonderen Technik Lösung: Einer Redox-Flow-Batterie.

Bei dieser Technik werden die ladungstragenden Chemikalien, sogenannte Elektrolyte, nicht in der Batterie gelagert, sondern in separaten Tanks. In der Batterie werden sie dann in kleinen Reaktionskammern ent- und geladen. Vorteil des  Redox-Flow-Akkus: Er ist preiwert, robust und hat eine viele größere Zahl an Ladezyklen als Lithium-Ionen-Akkus.

Zudem lässt sich die Menge der Elektrolyte schnell an den jeweiligen Energiebedarf anpassen - eine Batterie zum Nachfüllen. Außerdem gehen nur 20 Prozent des eingespeisten Stroms verloren - Brennstoffzellen beispielsweise verlieren deutlich mehr Strom.

Bisher gab es nur kleine Batterien dieses Typs, die größte hatte 2,3 Kilowatt Leistung. Den Fraunhofer-Forschern ist es nun gelungen, eine Redox-Flow-Batterie zu bauen, die 25 Kilowatt Leistung bietet. Das könnte ein Durchbruch für die Technik sein.

Künftig könnten noch größere Varianten mit zwei Megawatt Leistung ganze Stadtviertel mit 2000 Haushalten mit Elektrizität versorgen, hoffen die Forscher - wenn Wind und Sonne gerade Pause machen.

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