Hightech auf dem Wasser: In der Lausitz entsteht das modernste Hausboot der Welt

Hightech auf dem Wasser: In der Lausitz entsteht das modernste Hausboot der Welt

von Benjamin Reuter

Passivhausstandard und autarke Energie- und Wasserversorgung: Leben wir so künftig auf dem Wasser?

An Land gibt es autarke Häuser schon lange, die per Solaranlage ihren Strom und ihr warmes Wasser herstellen. Jetzt aber will ein Verbund von Fraunhofer-Forschern und Unternehmen diese Vision auch für Hausboote verwirklichen. Dafür wollen die insgesamt 14 Projektpartner von Autartec, wie sich das Vorhaben nennt, auf dem Senftenberger See im Lausitzer Seenland eine Reihe von Zukunftstechnologien einsetzen.

Am wenigsten spektakulär ist noch die Tatsache, dass es sich bei dem Hausboot um ein Passivhaus handeln soll. Zudem kommt das benötigte Wasser der Bewohner aus dem See und wird gefiltert. Nach Gebrauch reinigen es die Filter wieder und Pumpen leiten es zurück.

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Wärmespeicher auf dem BeibootDie Autarkie hat im Seenland, bei dem es sich um renaturierte Braunkohletagebaue handelt, durchaus einen praktischen Hintergrund wie Ulrich Potthoff vom Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme in Dresden erklärt: "Viele der Seen in der Lausitz sind noch von Infrastruktur wie Wasser- und Energieversorgung abgeschnitten. Für dieses Umfeld wollen wir eine Lösung finden."

Vor allem in Hinblick auf die Energieversorgung ist das Projekt interessant. Unter anderem ist das Dresdner Solarunternehmen Heliatek beteiligt, das Solarzellen herstellt, die in die Gebäudehülle eingelassen sind. Den Solarstrom speichern im Anschluss Akkus.

Für die Wärmeversorgung sorgt unter anderem eine Seewasserwärmepumpe. Spannend dabei: Die Wärme lagert für den Herbst und Winter auf einem extra Beiboot ein sogenannter Zeolith-Wärmespeicher. Der besteht, vereinfacht gesagt, aus einem sehr porösen Granulat, das große Mengen Wasser wie ein Schwamm aufnehmen und abgeben kann und dabei Wärme speichert oder zum Heizen abgibt.

Aber damit noch nicht genug der futuristischen Energietechnik. Für zusätzliche Wärme an kühlen Herbst- und kalten Wintertagen sorgt ein Kamin, in dem sogenannte Phasenwechselmaterialien verbaut sind. "Im Grunde funktioniert das so wie ein Kachelofen", erklärt Potthoff. Der Unterschied: Die Wärme speichern nicht die Kacheln, sondern ein Material, dass sich bei der Aufnahme von Wärme verflüssigt wie Wachs. Wird die Umgebung kühler, geht das Wachs wieder in den festen Zustand über und wärmt den Raum.

Ein Projekt für die breite Masse ist das autarke Hausboot aber ersteinmal nicht. Die Projektpartner investieren einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag in den Bau und die Abstimmung der unterschiedlichen Technologien, von denen die meisten schon am Markt verfügbar sind.

Im Sommer 2016 könnte das Boot schon zu Wasser gelassen werden. Das unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützte Projekt endet im Herbst 2017. Über das Design des Hauses soll jetzt ein Architekturwettbewerb entscheiden. Einen ersten Entwurf gibt es schon:

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