Imagewandel: Apple patentiert wundersames Windrad

Imagewandel: Apple patentiert wundersames Windrad

von Jürgen Klöckner

Apple hat ein Windrad patentiert, das auch bei Windstille Strom produzieren soll. Es ist nicht der erste Anlauf, die simple Technik zu revolutionieren.

Der US-Computerkonzern Apple ist für Überraschungen bekannt: Regelmäßig zauberte Unternehmensgründer Steve Jobs am Ende seiner Produktpräsentationen "one more thing" aus dem Hut, sprich: Ein Produkt, mit dem niemand gerechnet hat. Die jüngste Erfindung des IT-Riesen aus Kalifornien aber ist besonders ungewöhnlich: Denn was sich Apple kurz vor dem Jahreswechsel hat patentieren lassen, ist weder ein neuer iPod noch ein Smartphone - sondern ein Windrad.

Was auf der Patentskizze zu sehen ist, ähnelt zwar auf den ersten Blick jedem gewöhnlichen Windrad. Bei genauerem Hinsehen aber erkannt man, dass sich die Apple-Windmühle von herkömmlichen Anlagen in einem interessanten Detail unterscheidet: Laut Patent ist es in der Lage, auch Strom zu erzeugen, wenn der Wind nicht weht.

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Aus Windstrom wird WärmeDas Prinzip des Apple-Windkraftwerks ist zunächst nicht neu: Der Wind bewegt die Rotorblätter, die wiederum einen Generator antreiben, der Strom erzeugt. Allerdings: Durch die Reibung des Getriebes entsteht auch Wärme. Und genau diese überschüssige Wärme soll in Apples Windturbine nicht einfach verfliegen, sondern in einer Flüssigkeit gespeichert werden.

Mit diesem Trick ließe sich auch Strom erzeugen, wenn Flaute herrscht: Die in der Flüssigkeit gespeicherte Wärme könnte dann eine andere Flüssigkeit, etwa Wasser, zum Kochen bringen. Der dabei entstehende Dampf treibt daraufhin eine Dampfturbine an, die wieder Strom erzeugt.

Apple ist nicht das einzige Unternehmen, das sich Gedanken darüber macht, wie sich Windenergie speichern lässt: Der Energiekonzern Enertrag etwa testet im brandenburgischen Prenzlau ein Kraftwerk mit einem so genannten Elektrolyseur. Dieses Gerät nutzt den  Windstrom, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. In einem zweiten Schritt wandelt die Testanlage den Wasserstoff in Methan um. Und das lässt sich in das herkömmliche Erdgasnetz einspeisen.

Fachleute sprechen vom Power-to-Gas Verfahren. Der Vorteil: Steht gerade zu viel Windstrom zur Verfügung, dann lässt sich die überschüssige Energie bequem im Gasnetz speichern. Wird das Gas später in Stromkraftwerken oder Heizungen verbrannt, entsteht nur so viel CO2, wie die Power-to-Gas-Anlage zuvor der Luft entzogen hat.

Mehr CO2-Ausstoß als LuxemburgEs hat einen guten Grund, dass sich nun ausgerechnet Apple den erneuerbaren Energien widmet: Die Kalifornier verbrauchen mit ihren riesigen Datenzentren für ihren Online-Datendienst iCloud inzwischen selbst gewaltige Mengen Strom. Seit 2012 baut Apple darum auch Solarparks und forscht an Brennstoffzellen, um etwa sein Rechenzentrum in Maiden in North Carolina bald vollständig mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Das neue Patent lässt zumindest die Vermutung zu, dass künftig auch Windräder mit eingebautem Speicher in den Apple-Kraftwerkspark integriert werden.

Die meiste Energie verbraucht Apple allerdings nicht mit seinen Datenzentren, sondern immer noch bei der Produktion der Tablets, Smartphones und Computer, für die der Computerhersteller bekannt ist: In seinen Zulieferfabriken emittiert der IT-Riese mehr als jedes zweite Gramm CO2. Kein Wunder: Die Anlagen laufen vor allem mit Kohle- und Atomstrom. Weil die Produkte auf drei Kontinenten gefertigt werden, kommt auch noch erheblicher Energieverbrauch beim Transport der Einzelteile und der fertigen Smartphones und Computer hinzu.

Insgesamt produzierte Apple im Jahr 2011 rund 23 Millionen Tonnen CO2 - beinahe doppelt so viel wie der Kleinstaat Luxemburg. Die Ökobilanz der i-Welt ist also nicht halb so schön wie ihre Produkte - und auf Dauer womöglich schädlich fürs Geschäft.

Schon seit längerem doktert Apple deswegen an seinem grünen Image. Mit ersten, noch zaghaften Erfolgen: Im Jahr 2011 hat  Apple  nach eigenen Angaben 30.000 Tonnen CO2 eingespart. Dazu beigetragen haben unter anderem kleinere Verpackungen der iPhones, mit denen die Produkte platzsparender transportiert werden konnten, und der Einsatz von Materialien, die leichter zu recyceln sind.

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