Innovation: Bayer macht aus CO2 künftig Plastik

Innovation: Bayer macht aus CO2 künftig Plastik

von Wolfgang Kempkens

Statt Öl nutzt der Chemiekonzern Bayer für die Plastikherstellung künftig vermehrt Abgase aus Kraftwerken. Die Entwicklung des Verfahrens dauerte Jahre.

Schaumstoffe in Polstermöbeln werden fast ausschließlich aus Erdöl hergestellt. Das will der Leverkusener Chemiekonzern Bayer ändern. Polyol, ein Vorprodukt für Polyurethan, soll künftig zum Teil aus dem Kohlendioxid aus Abgasen von fossilen Kraftwerken gewonnen werden.

Polyurethan ist ein Kunststoff, aus dem so unterschiedliche Produkte wie Armaturenbretter für Autos, Armlehnen, Kopfstützen, Schuhsohlen und eben Schaumstoffe hergestellt werden. Bayer hat gerade beschlossen, am Standort Dormagen eine Anlage zu bauen, die pro Jahr Polyol für einige tausend Tonnen Schaumstoff aus CO2 herstellt.

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Das Verfahren haben die Entwickler der Bayer-Sparte MaterialScience über Jahre in einer Pilotanlage in Leverkusen erprobt und verbessert. Das CO2 lieferte RWE, das am Braunkohlekraftwerk Niederaußem eine Versuchsanlage zur Abtrennung des Klimagases betreibt. Schützenhilfe leistete das von Bayer und der Technischen Hochschule Aachen betriebene CatalystCenter in Aachen, dessen Forscher einen Katalysator auf Zinkbasis entwickelte.

Dieser sorgt dafür, dass sich die CO2-Bestandteile Kohlenstoff und  Sauerstoff trennen und sich, gemeinsam mit einer Prise Wasserstoff, zu einem neuen Molekül formen, zu Polyol. Ganz ohne Erdöl funktioniert der Prozess allerdings noch nicht. Wie viel Erdöl sich ersetzen lässt kann man heute noch nicht sagen. Theoretisch möglich sind immerhin 43 Prozent.

Weniger Öl und kleiner Vorteil für das KlimaDas Projekt startete 2009 im Rahmen der Bayer-Initiative „Dream Reaction/Dream Production“, deren Ziel es ist, Kohlendioxid als Rohstoff für unterschiedliche Produkte zu nutzen. 2015 soll die Fabrik in Dormagen fertig sein.

Während die Leverkusener das Polyol aus der Laboranlage nutzten, um daraus Polyurethan-Schaumstoffe herzustellen, soll das Produkt aus Dormagen an unterschiedliche Hersteller geliefert werden.

Bayer erwartet vom Einsatz des neuen Rohstoffs nicht nur eine kleine Entlastung für das Klima, sondern auch einen Kostenvorteil, vor allem, weil Erdöl auf längere Sicht knapp und damit teurer wird.

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