Innovation: Forscher recyceln Plastiktüten zu Nanoteilchen

Innovation: Forscher recyceln Plastiktüten zu Nanoteilchen

von Wolfgang Kempkens

Kleinstwerkstoffe, auch als Nanomaterialien bekannt, sollen die Industrie revolutionieren. Forscher konnten sie jetzt erstmals aus Plastiktüten herstellen.

Eine spektakuläre Methode, Nanoröhrchen auf Kohlenstoffatomen zu produzieren, hat der australische Doktorand Tariq Altalhi entwickelt und erfolgreich erprobt. Als Ausgangsmaterial wählte er Kunststofftragetaschen, in denen normalerweise Einkäufe im Supermarkt verstaut werden.

„Anfangs haben wir es mit Ethanol versucht“, sagt Professor Dusan Losic von der Nanotech-Forschungsgruppe der Universität Adelaide. Altalhi war der Meinung, man könne stattdessen irgendetwas nehmen, das Kohlenstoff enthält. Sein Vorschlag: Kunststofffolie, die vor allem aus Kohlenstoff und Wasserstoff besteht.

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Jetzt mögen sich manche fragen, was zur Hölle diese Nanoröhrchen sind - und was man mit ihnen anstellt? Ganz einfach: Sie bestehen aus Kohlenstoffatomen, die als Sechsecke angeordnet sind und einen Zylinder mit einem Durchmesser von wenigen Nanometern bilden (ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter).

Diese Röhrchen verleihen Kunststoffen zum Beispiel elektrische Leitfähigkeit, bilden besonders effektive Elektroden in Batterien und sind ein effektives Gleit- und Schmiermittel. Fäden, die daraus gesponnen werden, sind 100 Mal (!) fester als gleich dicke Stahldrähte, wiegen jedoch nur ein Sechstel davon.

Für gewöhnlich wachsen Nanoröhrchen im Vakuum auf Unterlagen aus Aluminium wie Gras auf dem Golfplatz. Die Kohlenstoffatome fischen sie aus gasförmigem Ethanol oder eben aus dem Molekülgemisch, das wie in dem australischen Labor bei der Erhitzung von Plastiktüten entsteht.

Die Australier nehmen für sich in Anspruch, einen Produktionsprozess entwickelt zu haben, der sich nicht nur mit Abfall als Ausgangsmaterial begnügt. Er soll auch einfacher und damit billiger sein als bisherige Verfahren. Zudem werden weder Lösungsmittel noch Katalysatoren eingesetzt. Damit sind die Forscher anscheinend schon weiter als der deutsche Chemie- und Pharmariese Bayer.

Denn der brauchte bis vor kurzem noch die Katalysatoren, um Nanoröhrchen herzustellen. Inzwischen hat das Unternehmen die Produktion der Kleinstbauteile aber aufgegeben. Offensichtlich, weil die industrielle Nutzung der Röhrchen langsamer vorankommt als erwartet. Möglicherweise kapitulierte Bayer aber auch vor dem Widerstand von Umweltorganisationen, die fürchten, von den Nanoröhrchen könnten gesundheitliche Gefahren ausgehen. Zuletzt war ein Produktionsziel von 75 Millionen Tonnen pro Jahr genannt worden.

Ob die Australier den Kleinstmaterialien zum Durchbruch verhelfen können, bleibt abzuwarten.

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