Innovation: General Electric baut Windräder aus Stoff

Innovation: General Electric baut Windräder aus Stoff

von Benjamin Reuter

Dank neuer Konstruktionen für Rotoren könnte der Preis für Windstrom rapide sinken. Vorbild sind Flugzeugflügel aus dem Ersten Weltkrieg.

Zwar geht der Trend bei Windrädern zu immer größeren, mächtigeren und schwereren Mühlen. Aber die Grenzen dieser Entwicklung scheinen jetzt erreicht. Zumindest wenn man den Ingenieuren beim US-Technikkonzern General Electric glaubt. Laut Wendy Lin, einer der führenden Entwicklerinnen bei GE, steigen die Herstellungskosten bei Riesen-Windrädern überproportional.

Im Klartext: Zwar produzieren sie mehr Strom, aber der wird insgesamt auch entsprechend teurer. Derzeit arbeiten die GE-Konkurrenten Siemens und Alstom an Mühlen mit Rekord-Rotordurchmessern von bis zu 155 Metern.

Anzeige

Mit einigen Millionen Dollar Forschungsgeld aus der US-Staatskasse will Lin nun einen Ausweg aus dieser Sackgasse entwickeln. Ihre Idee: Rotorblätter aus besonders haltbarem Stoff. Genauer gesagt aus ähnlichem Stoff, wie er heute schon bei Gebäuden – zum Beispiel dem Flughafen in Bangkok – oder Flugdrachen Verwendung findet. Das Vorbild für Lins Konstruktion sind Flugzeuge aus dem Ersten Weltkrieg, deren Flügel mit Stoff bespannt waren.

Ganz ähnlich wie der Flügel eines Flugzeuges sollen die Rotorblätter dann auch aussehen (siehe Aufmacherbild oben). Auf einen Rahmen aus Metallstreben, die Fischgräten ähneln, legen die Ingenieure die Ummantelung. Zwar wird auch heute schon ein Mantel aus Glasfasern genutzt. Der wird im Anschluss aber mit Harzen verhärtet, so dass eine hochsteife Struktur entsteht. Die transportieren dann überlange LKW zur Baustelle.

Der Vorteil der Rotorblätter aus Stoff: Sie sollen laut GE die Produktionskosten für Rotorblätter um bis zu 40 Prozent senken. Das könnte die Gesamtkosten eines Windrades immerhin um bis zu 10 Prozent drücken. Langsam erreicht Windstrom damit ein Kostenniveau, das Kohlestrom ähnelt. Der liegt in Deutschland bei rund sechs Cent pro Kilowattstunde.

Außerdem können die Rotoren von den Arbeitern direkt an der Stelle aufgebaut werden, wo das Windrad entsteht. Teure und langwierige Schwerlasttransporte entfallen.

Und noch ein weiteres Plus soll mit der Entwicklung einhergehen. Da die Flügel sehr viel leichter werden, genügt weniger Wind, um sie anzutreiben. Die Stromausbeute insgesamt steigt. Spätestens 2015 soll die Technologie Marktreif sein. Der Stoff für die Rotorenblätter soll ohne Wartung mindestens 20 Jahre halten.

Hier ein Video über den Transport eines Rotorblattes:

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%