Innovation: Kommt Algensprit bald aus Deutschland?

Innovation: Kommt Algensprit bald aus Deutschland?

von Wolfgang Kempkens

In Sachsen-Anhalt läuft ein erster Prototyp für eine kommerzielle Algenzucht. Die Anlage könnte künftig den Rohstoff für Biosprit liefern.

Aus Raps lässt sich ein Speiseöl herstellen, das - so meinen manche Köche - den Vergleich mit Olivenöl nicht scheuen muss. Doch der Ertrag der Felder, die gerade wieder leuchtend gelb blühen, ist zum größten Teil für den Tank bestimmt. Aufbereitet zu Biotreibstoff wird er mit herkömmlichem Treibstoff zum Beispiel zu E10 vermischt. Die Konkurrenz zwischen Tank und Teller stößt vielen Kritikern des Biosprits bitter auf.

Bei Algen sieht es ganz anders aus. Viele Sorten produzieren so viel Öl, dass auf der gleichen Fläche sechsmal so viel Sprit erzeugt werden kann wie beim Anbau von Raps. Zudem sind keine Äcker nötig. Algen wachsen in Bioreaktoren, die zum Beispiel in Fabriken stehen. Als Nahrungsmittel begnügen sie sich mit  Kohlendioxid aus der Luft und Sonnenlicht.

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Trotz dieser Vorzüge gibt es praktisch noch keinen Biodiesel aus Algen (über die Ausnahme berichteten wir hier). Das Umpumpen des algenhaltigen Wassers erfordert eine Menge Energie. Die Ernte ebenfalls. Und das Wachstumstempo ist auch noch nicht berauschend. Deshalb gibt es in Deutschland nur eine große Produktionsanlage, die allerdings höherwertige Produkte herstellt: Pulver aus der Mikroalge Chlorella vulgaris, das zu Nahrungsmittelzusätzen gepresst oder zu Nudeln geformt wird.

Im sachsen-anhalthinischen Köthen soll nun die Wende hin zum Algenzeitalter erreicht werden. Die Hochschule Anhalt und der Dresdner Anlagenbauer Gicon nahmen kürzlich eine Forschungsanlage in Betrieb, in der Algen gezüchtet und auf ihre Ergiebigkeit für die Herstellung von Nahrungsmitteln, Kosmetika und Biodiesel getestet werden.

Hohe Ausbeute dank TannenbaumtechnikHerzstück ist ein Fotobioreaktor, den Gicon entwickelt und Wissenschaftler der Hochschule Anhalt gemeinsam mit Wacker Chemie optimiert haben. Er besteht aus zwei ineinander liegenden Schläuchen aus hoch transparentem Silikon (siehe Aufmacherbild). Durch den inneren Schlauch fließt warmes Wasser, das die Temperatur im Außenbereich, in dem die Mikroalgen wachsen, auf optimalen 25 Grad Celsius  hält.

Die Schläuche sind nach Tannenbaumart angeordnet, sodass jeder optimal mit Licht versorgt wird. Vier dieser Anlagen sind derzeit schon in Betrieb. Jede liefert pro Jahr rund 130 Kilogramm Algenpulver, doppelt so viel wie in herkömmlichen Fotobioreaktoren hergestellt werden können.

In der neuen Technikumsanlage sollen unterschiedliche Mikroalgen gezüchtet werden – insgesamt gibt es einige 1000 Arten. Vor allem aber wollen die Wissenschaftler ein Automatisierungskonzept für den Betrieb von großtechnischen industriellen Algenzuchtanlagen entwickeln. Dabei schielen sie nicht zuletzt auf Exportchancen. In sonnenreichen Regionen lässt sich der Ertrag, verglichen mit dem im oft trüben Deutschland, noch deutlich verbessern.

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