Innovation: Solarflugzeug bringt Hilfsgüter zu entlegenen Orten

Innovation: Solarflugzeug bringt Hilfsgüter zu entlegenen Orten

von Jan Willmroth

Mit dem Solar Ship sollen Hilfsorganisationen selbst den hintersten Winkel Afrikas erreichen – mit Helium in den Tragflächen und Solarzellen auf dem Dach.

Die Geschichte des Solar Ships beginnt vor 30 Jahren mit einer vermeintlich verrückten Idee. Damals ging der Kanadier James Godsall noch zur Schule. In vielen Teilen der Welt gab es damals entlegene Gebiete, die an keinerlei Infratruktur angeschlossen waren: Ohne Straßen, ohne Strom, ohne Treibstoff. Wer dort auf Medikamente und Impfstoffe angewiesen war, wer bei Hungersnöten etwas zu essen brauchte, hatte kaum eine Chance. Es sei denn, Hilforganisationen kamen mit LKW und Hubschraubern durch.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Laufe der Zeit ist aber die Idee gereift, mit der Godsall das Problem lösen will: Der Gründer und Geschäftsführer des gleichnahmigen Unternehmens hat mit dem Solar Ship ein kleines Flugzeug entworfen, das mit der Kraft der Sonne fliegt und überall dort hinkommt, wo Hilfe gebraucht wird. Seit seiner Jugend war er von der Idee getrieben. Er ließ nicht locker – und stellte 2009 den ersten Prototyp vor.

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Inzwischen wird das Projekt immer konkreter. Drei verschieden große Versionen präsentiert das Unternehmen auf seiner Webseite. Es sind mittelgroße Flugobjekte, Mixturen aus Luftschiff und Propellerflugzeug, für die es bislang wohl keine Kategorie gibt. Die wuchtigen Tragflächen sind mit Helium gefüllt, damit die Flieger leichter abheben und einen Elektromotor und Batterien tragen können. Solarmodule auf der Oberseite liefern Energie für den Propeller.

Als Landebahn reicht eine kleine FreiflächeDamit soll ein Solar Ship bis in die hintersten Winkel von Afrika gelangen. Beispielsweise in den Osten der Demokratischen Republik Kongo, in dessen dichter, hügeliger Dschungellandschaft kaum ein Flugzeug landen kann. Zudem sind die meisten Straßen nur zu bestimmten Zeiten im Jahr befahrbar: Wenn die Landschaft in der Regenzeit verschlammt, kommt kaum noch ein Fahrzeug an sein Ziel.

Nicht selten verderben ganze Wagenladungen Impfstoffe, wenn der Sprit ausgeht und damit die Kühlung versagt. Ausgerechnet dann, wenn Krankheiten wie Malaria, Dengue Fieber oder Cholera die meisten Opfer fordern. Ein Solarship bräuchte hingegen nur eine freie Fläche, so lang wie ein Fußballfeld, um zu landen. Dieses Minimum an Infrastruktur gibt es auch in ländlichen Regionen Afrikas zuhauf. Und wenn es Medikamente transportiert, die gekühlt werden müssen, erledigt das einfach die Sonnenenergie.

Der Bedarf ist da, die Idee super – aber vielleicht ist sie dennoch zum Scheitern verurteilt. Erstens könnte ein Solarflugzeug, das niemand je zuvor gesehen hat, einige Dorfgemeinschaften verstören, wie Amy Lehman von der Hilfsorganisaiton Lake Tanganyika Floating Health Clinic, die mit Booten Medikamente rund um den großen afrikanischen See verteilt, der BBC sagte: „Der Ostkongo ist sicher kein Ort, in dem man einfach mit einem Solarflugzeug landen kann.“

Zweitens sind die Flugzeuge teuer – das kleinste Solar Ship soll rund eine Million Dollar kosten, wenn man es kauft, oder 30.000 Dollar pro Monat zur Miete. Das ist zwar grünstiger als ein neues Buschflugzeug, doch für kleine Hilfsorganisationen dennoch bei Weitem zu teuer. Hinzu kommt das teure Helium: der Preis für das Edelgas hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt.

Gründer James Godsall lässt sich davon nicht beeindrucken. Auch nicht von der gescheiterten Indiegogo-Kampagne, mit der er statt einer Million nur rund 11.000 Dollar einsammeln konnte. Bis heute hat der Visionär schließlich schon dreißig Jahre durchgehalten. Und sein Durchhaltevermögen werde am Ende auch das Geheimnis seines Erfolgs sein, sagt er.

Sehen Sie im Video, warum Godsall an den Erfolg seines Projekts glaubt und wie die Solar Ships entwickelt werden:

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