Innovation: Startups machen Plastikmüll zu Öl

Innovation: Startups machen Plastikmüll zu Öl

von Benjamin Reuter

Zehn Prozent der Ölproduktion landen in Plastik. Aber der Rohstoff wird zunehmend teurer. Unternehmen machen sich deshalb daran, das Öl zurückzugewinnen.

Öl ist überall. Mit dem Rohstoff treiben wir nicht nur unsere Autos und Schiffe an und heizen unsere Häuser, sondern wir trinken auch jeden Tag Wasser oder Brausen aus Kunststoffbehältern, die aus Öl bestehen. Ganze zehn Prozent der weltweiten Ölförderung gehen in die Plastikproduktion.

Zwar gibt es mittlerweile viele Anstrengungen, nachwachsende Rohstoffe wie Mais und ähnliche Pflanzen zur Grundlage für Verpackungen, Flaschen und Autoverkleidungen zu machen (zum Beispiel bei Coca-Cola, Henkel und verschiedenen Autobauern) – noch ist die Entwicklung von Bioplastik aber langwierig und ihre Fertigung meist teurer als herkömmlicher Kunststoff.

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So müssten, um den gesamten Chemiebaukasten zu ersetzen, der auf Öl basiert, tausende Grundstoffe neu entwickelt werden. In der Produktion hat Bioplastik dann oft andere Eigenschaften – es dehnt sich zum Beispiel anders aus –, so dass Schmelz- und Pressmaschinen nicht weiterverwendet werden können. Kritiker von Bioplastik wenden auch ein, dass die Nutzung von Pflanzen zur Kunststoffherstellung wertvolles Ackerland besetzt.

Öl zu Plastik zu Öl

Was wäre aber, wenn wir nicht nur die Kunststoffe recyceln könnten, die wir heute nutzen, sondern sogar den Grundstoff Öl wieder herausbekämen? Denn auch das herkömmliche Plastik-Recycling hat ein Problem: Entweder muss der Rohstoff abgewertet werden – also aus Flaschen werden dann zum Beispiel Parkbänke oder Straßenbelag. Oder die chemische Struktur löst sich nach einigen Recyclinggängen auf und das Plastik wird nutzlos. Sind Plastiksorten verunreinigt, lassen sie sich oft gar nicht recyceln.

Genau dieses Problem wollen US-Cleantechunternehmen wie Agilyx und Vadxx lösen. Sie haben Verfahren entwickelt, um aus Plastik wieder Öl zu machen. So gibt Agilyx an, aus knapp fünf Kilogramm Kunststoffabfall 3,8 Liter Öl herzustellen. Dafür wird das Plastik geschreddert, dann erhitzt. So wird es erst flüssig und dann zu einem synthetischen Gas, das wiederum in Öl umgewandelt wird. Mit dem Prozess lässt sich laut Agilyx 75 Prozent des im Kunststoff enthaltenen Öls wiedergewinnen.

Aus den rund 265 Millionen Tonnen Plastik, die pro Jahr produziert werden und irgendwann zwangsläufig wieder im Müll landen, ließen sich theoretisch also mehr als 1,5 Milliarden Barrel Öl gewinnen. Allein in Europa landen rund 70 Millionen Tonnen Kunststoffmüll auf Deponien. Die unendlichen Berge Plastik, die derzeit noch dort liegen, würden außerdem zu so etwas wie Ölfeldern. Der CO2-Austoß beim Recycling ist laut Agilyx außerdem niedriger, als bei der Verbrennung des Plastiks.

Hier noch ein Video, das den Prozess zeigt:

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