Innovation: Tisch aus Solarzellen lädt Tablet und Handy auf

Innovation: Tisch aus Solarzellen lädt Tablet und Handy auf

von Andreas Menn

Farbstoff-Solarzellen könnten jedes Möbelstück zum Kraftwerk machen. Ein Schreibtisch zeigt: Die Idee funktioniert.

Es ist eine Vision, die Forscher seit Jahren verfolgen: Wie wäre es, wenn Möbel, Autos und andere Dinge des Alltags Energie aus ihrer Umgebung ernten? Wenn jeder Gegenstand in der Lage wäre, Strom aus Sonnenlicht zu erzeugen, um unsere wachsende Zahl elektronischer Geräte zu betreiben?

Die niederländische Designerin Marjan van Aubel hat diese Idee nun in die Tat umgesetzt. Im Boijmans van Beuningen Museum in Rotterdam stellt die 28-Jährige einen Tisch aus, dessen gesamte Platte aus Solarzellen besteht. Der "Current Table" erzeugt aus dem einfallenden Licht permanent Strom, den er in eingebauten Akkus speichert.

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Am Rand der Tischplatte hat van Aubel, die einen Abschluss an der Londoner Kunst- und Design-Hochschule Royal College of Art abgelegt hat, mehrere USB-Anschlüsse eingebaut. Daran lassen sich etwa Mobiltelefone oder Tablet-Computer abschließen, um ihre Akkus zu füllen. "Sie können den Tisch überall auf der Welt aufstellen", sagt van Aubel, "und damit jederzeit Ihre Geräte laden."

Das Solar-Schmuckstück ist dabei nicht auf direktes Sonnenlicht angewiesen - auch in der Küche oder im Arbeitszimmer erzeugt es genug Strom, um nach acht Stunden ein iPad aufzuladen. Möglich machen es so genannte Farbstoff-Solarzellen: Anders als herkömmliche Silizium-Zellen holen die Zellen, hergestellt aus speziellen Farbstoffen, auch aus diffusem Licht noch jede Menge Energie heraus (Wiwo Green berichtete).

Die Solarzellen lassen sich auf Glas druckenDabei störe es auch nicht, wenn Teile des Tischs mit Unterlagen bedeckt sind, versichert Toby Meyer, Gründer des Solar-Startups Solaronix in der Schweiz, das die Zellen für den Current Table hergestellt hat. "Auch wenn ein paar Blätter Papier einen Teil des Solarmoduls verschatten", sagt Meyer, "erzeugt das restliche Modul trotzdem Strom." Für van Aubel ist das auch "ein guter Anreiz, seinen Arbeitsplatz in Ordnung zu halten." Denn wer öfter aufräumt, erntet auch mehr Energie.

Obendrein lassen sich die bunten Zellen halbtransparent auf Glas drucken. Und darum besteht der Current Table nicht aus einer düsteren blauen Scheibe, wie sie als Solarmodul auf vielen Hausdächern zu finden ist, sondern aus einer teils durchsichtigen Glasplatte mit rötlichem Solarzellen-Muster.

Solaronix ist eines von vielen Startups, die die neue Solartechnik derzeit zur Marktreife weiterentwickeln. Erfinder der Farbstoff-Solarzelle ist der Schweizer Chemiker Michael Grätzel - auch mit ihm arbeitete van Aubel für Ihr Projekt zusammen.

Noch ist das Designstück ein Prototyp, das im April auch auf der Möbelmesse in Mailand zu sehen sein wird. Konkrete Fertigungspläne hat van Aubel nicht. Doch die Designerin ist überzeugt, dass die Technik das Zeug hat, unzählige Alltagsgegenstände zu kleinen Kraftwerken zu machen. Bereits für den Tisch gebe es künftig "endlose Einsatzzwecke, von Bibliotheken, Restaurants bis zu Konferenzräumen."

In Massen gefertigt, sind Farbstoff-Solarzellen wahrscheinlich in ein paar Jahren sogar preiswerter als ihre Pendants aus Silizium. Ihre Herstellung verbraucht zudem weit weniger Energie. Wird uns also bald beim Meeting der Solartisch das Smartphone laden?

Die Chancen stehen nicht schlecht: Das britische Fotovoltaik-Startup G24 Power hat im November als erster Hersteller eine kommerzielle Farbstoff-Solarzellenfabrik in Betrieb genommen. Pro Jahr sollen dort 500 Kilometer an 15 Zentimeter breiten Solarzellen entstehen. Und daraus ließen sich eine Menge Tische zimmern.

Sehen Sie im folgenden Video, wie der Solartisch funktioniert:

 

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