Innovationsmonitor: Die Modebranche eilt grünen Trends voraus

Innovationsmonitor: Die Modebranche eilt grünen Trends voraus

von Andreas Zynga

Ob Schuhe aus Kaffeesatz oder Baumwolle mit geringem Wasserverbrauch - die Modebranche hat grünere Kunden im Blick.

Andreas Zynga ist CEO des Innovationsdienstleisters NineSigma. Für WiWo Green erstellt er regelmäßig einen Innovationsmonitor, der die Trends und Neuheiten der Nachhaltigkeitsbranchen überblickt.

In unserer wissensbasierten Wirtschaft entstehen Innovationen überall und zu jeder Zeit. Das Thema Nachhaltigkeit spielt dabei eine immer bedeutendere Rolle. Vor diesem Hintergrund hat die Harvard Business Review kürzlich einen Artikel mit dem Titel 'Why Sustainability is Now the Key Driver of Innovation' veröffentlicht. Die These: Es ist „deutlich klüger […], nach den strengsten Vorschriften zu handeln, als darauf zu warten, dass sie einem auferlegt werden.“ Daraus ergeben sich entscheidende Wettbewerbsvorteile.

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Als Dienstleister im Bereich Open Innovation Services haben wir von NineSigma in den letzten zehn Jahren ein stark steigendes Interesse an nachhaltigen Materialien beobachten. Eine Branche, die Trends manchmal sogar vorauseilt, ist die Modeindustrie. Hier setzen sich nachhaltige Materialien immer weiter durch, die im Idealfall ohne negative Auswirkungen auf die Umwelt erzeugt werden.

Hier fällt einem natürlich Baumwolle ein, doch es geht nicht nur um dieses Material. Denn ganz gleich, wie nachhaltig oder verantwortungsbewusst Baumwolle angebaut wird, sie hat immer einen großen Wasser-Fußabdruck – benötigt also bei der Verarbeitung große Mengen Wasser.

Folglich konzentrieren sich Unternehmen auch auf innovative Materialien wie organische Baumwollmischungen, die Hanf und Bambus beinhalten und einen kleineren „Footprint“ aufweisen.

Das in Kalifornien ansässige Unternehmen Synergy zum Beispiel bietet Kleidung an, die sowohl aus organischer Baumwolle als auch aus anderen umweltfreundlichen Fasern besteht. Zudem tragen sanftere Färbemittel und geringere Nachbearbeitung zu einem reduzierten Einsatz von Pestiziden und zur Schonung der Wasserressourcen bei.

Andere Konzepte wie beispielsweise recycelte Fasern gewinnen in der Modebranche ebenfalls immer mehr an Bedeutung.

Schuhe aus KaffeesatzEin weiteres Thema ist nachhaltige Fußbekleidung: So kommen Reishülsen, Plastikflaschen, Kautschuk und Kaffeesatz bei der Produktion von Marks&Spencers Fußbekleidungslinie 'Footglove Earth' zum Einsatz. Die Lederteile werden in Gerbereien hergestellt, die nach den Standards der „Leather Working Group“ arbeiten.

Auch auf die anderen Einzelteile wurde geachtet: Das Stofffutter wird aus einem Garn gefertigt, das mit Hilfe von gemahlenem Kaffeeboden gewonnen wird, die Sohlen bestehen unter anderem aus Naturkautschuk und Reishülsen, die Polsterung wird aus recyceltem Schaum produziert und innere Bestandteile werden aus wiederverwerteten Plastikflaschen gefertigt. Anstelle von Lösungsmitteln und Latex kommen wasserbasierte Klebstoffe zum Einsatz, die weniger Wasser und Produktionsenergie benötigen.

Die Materialien der Zukunft warten bereitsDie Textil- und Bekleidungsindustrie ist zu einer der umweltbewusstesten Branchen der Konsumgüterindustrie geworden. Bereits im Jahr 2007 führte NineSigma für ein globales Chemieunternehmen eine Technologiesuche nach neuartigen Materialien, Polymeren und Fasern aus erneuerbaren Ressourcen durch.

Lösungsvorschläge kamen von akademischen und industriellen Lösungsanbietern auf der ganzen Welt, von Pakistan bis Neuseeland. Etwa fleckenabweisende Materialien aus erneuerbaren Ressourcen, Biomassefasern für die Nutzung von Kleidung und Textilien und biobasiertes Polyester aus erneubarem Rohmaterial.

In der Modebranche achtet allerdings auch eine kritische Kundschaft zunehmend auf ethisch und ökologisch Einwandfreie Produkte. Woanders spielt der Preis eine deutlich wichtigere Rolle, etwa in der Baubranche. Welche nachhaltigen Innovationen hier den Markt aufrollen, das erfahren Sie in einigen Wochen der nächsten Kolumne.

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